(Kiel) In einer Ent­schei­dung vom 22.07.2009 hat­te sich das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG Hes­sen) mit der Fra­ge zu beschäf­ti­gen, ob die Vor­stands­mit­glie­der einer AG der Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht unter­lie­gen, wenn die AG zwar vor dem 06.11.2003 gegrün­det wur­de, die Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter jedoch nach die­sem Zeit­punkt erfolg­te.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Hes­sen vom , 22.07.2009  Az.: L 1 KR 129/07.


Vor­stands­mit­glie­der einer Akti­en­ge­sell­schaft unter­lie­gen nicht der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht. Bis 2003 galt dies für alle Beschäf­ti­gun­gen von Vor­stands­mit­glie­dern. Zahl­rei­che abhän­gig Beschäf­tig­te grün­de­ten auf­grund die­ser Geset­zes­la­ge Akti­en­ge­sell­schaf­ten mit dem Ziel, sich der Ver­si­che­rungs­pflicht zu ent­zie­hen. Um die­sem Miss­brauch zu begeg­nen, beschränk­te der Gesetz­ge­ber zum 1. Janu­ar 2004 die Ver­si­che­rungs­frei­heit von Vor­stands­mit­glie­dern auf Beschäf­ti­gun­gen in dem ent­spre­chen­den Unter­neh­men. Aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes blie­ben die zum Stich­tag 6. Novem­ber 2003 ver­si­che­rungs­frei­en Beschäf­ti­gun­gen in ande­ren Unter­neh­men auch wei­ter­hin ver­si­che­rungs­frei.


Auf Ver­trau­ens­schutz kann sich ein Vor­stands­mit­glied aller­dings nicht beru­fen, des­sen AG zu die­sem Stich­tag noch nicht in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen war. Dies ent­schied nun der 1. Senat des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts, so Klar­mann.


Im kon­kre­ten Fall grün­de­te ein abhän­gig Beschäf­tig­ter aus dem Land­kreis Gie­ßen am 6. Novem­ber 2003 eine Akti­en­ge­sell­schaft mit dem Unter­neh­mens­zweck „Ver­wal­tung des eige­nen Ver­mö­gens“. Als Vor­stands­mit­glied die­ser AG bean­trag­te er im Okto­ber 2004 die Fest­stel­lung der Ren­ten­ver­si­che­rungs­frei­heit hin­sicht­lich sei­ner abhän­gi­gen Beschäf­ti­gung. Die hier­für zustän­di­ge Kran­ken­kas­se lehn­te dies mit der Begrün­dung ab, die AG sei nur zur Umge­hung der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht gegrün­det wor­den.


Die Rich­ter bei­der Instan­zen ver­nein­ten eben­falls die Ver­si­che­rungs­frei­heit. Auch auf Ver­trau­ens­schutz kön­ne er sich nicht beru­fen. Die AG sei zum gesetz­li­chen Stich­tag noch nicht in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen gewe­sen. Vor­stands­mit­glie­der einer soge­nann­ten Vor-AG sei­en vor der Geset­zes­än­de­rung hin­sicht­lich ihrer ander­wei­ti­gen Beschäf­ti­gun­gen nicht von der Ver­si­che­rungs­pflicht aus­ge­nom­men gewe­sen. Der Klä­ger sei daher hin­sicht­lich sei­ner abhän­gi­gen Beschäf­ti­gung wei­ter­hin ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig. Die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen.


Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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