(Kiel) Wer in der Ver­gan­gen­heit selb­stän­dig erwerbs­tä­tig und pri­vat ver­si­chert war, wird bei Bezug von Arbeits­lo­sen­geld II (“Hartz IV”) nicht in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) ver­si­che­rungs­pflich­tig. Dies gilt auch dann, wenn schon vor dem Leis­tungs­be­zug der pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz been­det und die selb­stän­di­ge Tätig­keit auf­ge­ge­ben wor­den war.

Dies, so der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Sozi­al­recht Klaus H. Ganz­horn, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, hat jetzt das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len (LSG NRW) im Eil­ver­fah­ren im Fal­le eines Hil­fe­emp­fän­gers aus Hamm in einem am 18.10.2010 ver­öf­fent­lich­ten Beschluss vom 23.08.2010, Az.: L 16 KR 329/10 B ER, ent­schie­den.

Sei­ne pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung war im Jahr 2007 wegen Bei­trags­rück­stän­den been­det wor­den. Seit­her war er nicht mehr kran­ken­ver­si­chert. Als der Klä­ger kurz nach Auf­ga­be sei­ner selb­stän­di­gen Tätig­keit Arbeits­lo­sen­geld II bezog, woll­te er sich in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ver­si­chern. Das lehn­te die gewähl­te Kran­ken­kas­se ab: Der Betrof­fe­ne sei ver­pflich­tet gewe­sen, sich pri­vat zu ver­si­chern. Die pri­va­te Ver­si­che­rung habe Vor­rang. Wenn er die­ser Ver­pflich­tung nicht nach­ge­kom­men sei, müs­se er sich so behan­deln las­sen, als sei er ver­si­chert.

Hin­ter­grund des Streits ist, dass seit dem 1.1.2009 eine all­ge­mei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht auch in der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung (PKV) besteht. Selb­stän­di­ge, die dem Sys­tem der PKV zuge­wie­sen sind, sind daher ver­pflich­tet, einen Ver­si­che­rungs­ver­trag abzu­schlie­ßen. Der Gesetz­ge­ber hat aber kei­ne aus­drück­li­che Rege­lung für den Fall getrof­fen, dass die­se Ver­si­che­rungs­pflicht nicht erfüllt wird. Gleich­zei­tig begrün­det der Bezug von Arbeits­lo­sen­geld II Ver­si­che­rungs­pflicht in der GKV. Dies aller­dings nur, wenn der Betref­fen­de nicht unmit­tel­bar vor dem Bezug von Arbeits­lo­sen­geld II über­haupt nicht kran­ken­ver­si­chert und haupt­be­ruf­lich selbst­stän­dig erwerbs­tä­tig war. Der Beschwer­de­füh­rer mein­te nun, er zäh­le nicht zu die­sen Selb­stän­di­gen, da er sei­ne selb­stän­di­ge Erwerbs­tä­tig­keit kurz vor dem Bezug des ALG-II auf­ge­ge­ben habe.

Dem haben die Esse­ner Rich­ter wider­spro­chen, so betont Ganz­horn.

Für die Zuge­hö­rig­keit zu dem von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der GKV aus­ge­schlos­se­nen Per­so­nen­kreis der Selb­stän­di­gen kom­me es allein auf den durch die letz­te beruf­li­che Tätig­keit erlang­ten Sta­tus an, auch wenn die selb­stän­di­ge Tätig­keit schon kurz vor dem Leis­tungs­be­zug been­det wor­den sei. Andern­falls wür­de die gesetz­ge­be­ri­sche Grund­ent­schei­dung ver­fehlt. Der Gesetz­ge­ber habe im Inter­es­se einer gleich­mä­ßi­ge­ren Las­ten­ver­tei­lung zwi­schen pri­va­ter und gesetz­li­cher Ver­si­che­rung die Risi­ken dem Sys­tem zuzu­wei­sen wol­len, dem sie auf Grund der bis­he­ri­gen beruf­li­chen Tätig­keit des Betrof­fe­nen zuzu­ord­nen sei­en. Da die pri­va­ten Ver­si­che­rer ver­pflich­tet sind, unab­hän­gig von Vor­er­kran­kun­gen einen Ver­trag in Basis­ta­rif abzu­schlie­ßen, müs­se der Betrof­fe­ne sich um eine ent­spre­chen­de pri­va­te Ver­si­che­rung bemü­hen. Der Beschluss ist rechts­kräf­tig.

Ganz­horn emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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