(Kiel) Gesetz­lich Kran­ken­ver­si­cher­te kön­nen von der für sie zustän­di­gen kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung (KV) Aus­kunft über dort gespei­cher­te per­so­nen­be­zo­ge­ne Sozi­al­da­ten ver­lan­gen, wenn der KV dadurch kein unver­hält­nis­mä­ßi­ger Auf­wand ent­steht.

Das, so der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Sozi­al­recht Klaus H. Ganz­horn, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, hat das . das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len (LSG NRW) in einem am 02. Juli 2010 ver­öf­fent­lich­ten Urteil (Az.: L 5 KR 153/09) im Fall eines gesetz­lich kran­ken­ver­si­cher­ten Man­nes aus Brühl ent­schie­den. 

Der Mann hat­te die für ihn zustän­di­ge kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung um Aus­kunft gebe­ten hat­te, wel­che medi­zi­ni­schen Leis­tun­gen sie in den letz­ten vier Jah­ren sei­ner Mit­glied­schaft abge­rech­net hat­te. Er benö­ti­ge die­se Anga­ben für die Bean­tra­gung einer Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung.

Die beklag­te kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung erteil­te ledig­lich eine so genann­te Ver­si­cher­ten­aus­kunft für das Geschäfts­jahr vor der Antrag­stel­lung. Aus­kunft über Daten hin­sicht­lich Behand­lun­gen in wei­ter zurück­lie­gen­den Jah­ren kön­ne der Klä­ger nach der gesetz­li­chen Rege­lung im Recht der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen (§ 305 Abs. 1 Sozi­al­ge­setz­buch 5. Buch) nicht ver­lan­gen.

Die Esse­ner Rich­ter lie­ßen die­se Argu­men­ta­ti­on wie vor ihnen das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf nicht gel­ten, betont Ganz­horn.

Der Anspruch des Klä­gers auch auf Aus­künf­te für län­ger zurück­lie­gen­de Zeit­räu­me fol­ge aus der ent­spre­chen­den Regel des all­ge­mei­nen Sozi­al­rechts (§ 83 Sozi­al­ge­setz­buch 10. Buch). Der dort gere­gel­te all­ge­mei­ne Aus­kunfts­an­spruch sei Aus­fluss des Grund­rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung. Um es ein­zu­schrän­ken, hät­te es einer aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Rege­lung bedurft, die aber feh­le. Es sei nir­gend­wo erkenn­bar, dass der Gesetz­ge­ber die­sen all­ge­mei­nen Aus­kunfts­an­spruch für das Recht der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung habe ein­schrän­ken wol­len. Aller­dings bestehe der Aus­kunfts­an­spruch des Klä­gers nicht unbe­schränkt. Viel­mehr sei­en sei­ne pri­va­ten Inter­es­sen abzu­wä­gen mit dem sach­li­chen und per­so­nel­len Auf­wand, den die Aus­kunft der betrof­fe­nen Behör­de ver­ur­sa­che. Im Fal­le des Klä­gers ergab die­se Abwä­gung, dass er Aus­kunft nur für ein wei­te­res Jahr rück­wir­kend und nur inso­weit ver­lan­gen konn­te, wie sei­ne Sozi­al­da­ten von der EDV der Beklag­ten gespei­chert waren.


Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, weil der Senat wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung des Fal­les die Revi­si­on zum Bun­des­so­zi­al­ge­richt zuge­las­sen hat.


Ganz­horn emp­fahl, das Urteil sowie einen etwai­gen Fort­gang zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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