(Kiel) Das Land­ge­richt Coburg ist in einem soeben ver­öf­fent­lich­ten Urteil der Fra­ge nach­ge­gan­gen, wann ein mit einer Bank abge­schlos­se­ner Dar­le­hens­ver­trag als sit­ten­wid­rig anzu­se­hen ist.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 21.06.2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Land­ge­richts Coburg vom 06.04.2010 —  22 O 193/09; rechts­kräf­tig.

In dem Fall behaup­te­te ein Bank­kun­de, sein Dar­le­hens­ver­trag sei sit­ten­wid­rig. Des­halb woll­te er die Dar­le­hens­sum­me nicht zurück­zah­len. Die Bank klag­te dar­auf­hin den noch offe­nen Rest eines Dar­le­hens in Höhe von über 28.000 € von ihrem Kun­den ein. Der Kun­de hat­te sich im Jahr 2005 von der Bank über 40.000 € gelie­hen. Der beklag­te Kun­de mein­te, der Bank stün­de ein Zah­lungs­an­spruch nicht zu, da er sich bei Ver­trags­schluss in einer Zwangs­la­ge befun­den habe. Er habe den Ver­trag nicht in Ruhe prü­fen und in sei­ne Mut­ter­spra­che über­set­zen las­sen kön­nen. Außer­dem sei er von Anfang an wirt­schaft­lich nicht in der Lage gewe­sen, das Dar­le­hen ver­trags­ge­mäß zu bedie­nen. Die Bank wand­te dage­gen ein, dass ihr nicht bekannt gewe­sen sei, dass sich der Beklag­te in einer Zwangs­la­ge befun­den habe. Der Kun­de sei wirt­schaft­lich auch zur Dar­le­hens­rück­füh­rung in der Lage gewe­sen und habe die ver­ein­bar­ten Raten über ein Jahr hin­weg ord­nungs­ge­mäß erbracht.

Das Land­ge­richt gab dem Rück­zah­lungs­an­spruch der Bank statt, da es eine Sit­ten­wid­rig­keit bei der Dar­le­hens­ge­wäh­rung nicht erken­nen konn­te, so Kroll.

Ent­ge­gen dem all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch kommt es beim recht­li­chen Begriff der Sit­ten­wid­rig­keit nicht auf eine Anstö­ßig­keit im mora­li­schen Sin­ne an, son­dern allein auf die Fra­ge der Hin­nehm­bar­keit der rechts­ge­schäft­li­chen Gestal­tung für die Rechts­ord­nung. Dazu hat die Recht­spre­chung ver­schie­de­ne Fall­grup­pen her­aus­ge­bil­det. Die behaup­te­te wirt­schaft­li­che Über­for­de­rung des Beklag­ten lag nicht vor. Zum Zeit­punkt des Abschlus­ses des Dar­le­hens­ver­trags stand der Beklag­te in einem lang­jäh­ri­gen und unge­kün­dig­ten Arbeits­ver­hält­nis, aus dem er regel­mä­ßi­ge Ein­künf­te erziel­te. Erst als sich beim Arbeit­ge­ber des Bank­kun­den finan­zi­el­le Eng­päs­se erga­ben, hat­te der Kun­de sei­ne Raten­zah­lun­gen ein­ge­stellt. Die kla­gen­de Bank konn­te sogar bewei­sen, dass sie ihren Kun­den auf die Mög­lich­keit einer Rest­schuld­ver­si­che­rung — um im Fal­le von Zah­lungs­pro­ble­men abge­si­chert zu sein – auf­merk­sam gemacht hat­te. Dies hat­te der beklag­te Dar­le­hens­neh­mer mit Hin­weis auf sei­ne siche­re Arbeits­stel­le abge­lehnt. Dar­über hin­aus war der Beklag­te auf sein gesetz­li­ches Wider­rufs­recht hin­ge­wie­sen wor­den. Nach Auf­fas­sung des Gerichts hät­te der Beklag­te die Wider­rufs­frist nut­zen kön­nen, um eine Über­prü­fung des Dar­le­hens­ver­tra­ges vor­zu­neh­men und sich dann gege­be­nen­falls durch einen Wider­ruf von dem Ver­trag zu lösen. Daher ver­ur­teil­te das Land­ge­richt Coburg den Beklag­ten zur Rück­zah­lung des noch offe­nen Dar­le­hens­be­tra­ges. Im Übri­gen sei ein Dar­le­hen auch bei Sit­ten­wid­rig­keit in der Regel zurück­zu­zah­len.

Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er  dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
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