(Kiel) Das Land­ge­richt Ham­burg hat am 23. März 2010 in zwei Zivil­ver­fah­ren Urtei­le ver­kün­det, die Pla­gi­ats­vor­wür­fe gegen den Rap­per „Bushi­do“ zum Gegen­stand haben.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Urtei­le des Land­ge­richts (LG) Ham­burg vom 23. März 2010, Az.: 308 O 175/08 und 310 O 155/08.


Die Mit­glie­der der fran­zö­si­schen Musik­grup­pe „Dark Sanc­tua­ry“ machen als Klä­ger gel­tend, „Bushi­do“ habe die Auf­nah­men von ihnen geschaf­fe­ner Musik­wer­ke in urhe­ber­rechts­ver­let­zen­den Wei­se in eige­ne Musik­pro­duk­tio­nen über­nom­men. Ins­ge­samt geht es um 28 Ton­fol­gen aus 4 Alben der Klä­ger aus den Jah­ren 1999 bis 2004, die leicht ver­än­dert in 16 Bushi­do-Titeln als sich stän­dig wie­der­ho­len­de Ton­schlei­fen („Loops“) ein­ge­ar­bei­tet wor­den sein sol­len.


In dem vor der Zivil­kam­mer 8 geführ­ten Rechts­streit (308 O 175/08) ist neben Bushi­do auch sein Ver­lag ver­klagt wor­den. Dabei geht es im Schwer­punkt um Kom­po­nis­ten­rech­te. Der Kla­ge wur­de über­wie­gend statt­ge­ge­ben. Im Urteil sind rechts­wid­ri­ge Über­nah­men von urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Ton­fol­gen in 13 Bushi­do-Titeln fest­ge­stellt wor­den, deren wei­te­re Aus­wer­tung ver­bo­ten wur­de. Bezüg­lich der wei­ter­ge­hend gel­tend gemach­ten Über­nah­men wur­de die Kla­ge abge­wie­sen, weil die strei­ti­gen Ton­fol­gen nicht als urhe­ber­recht­lich geschützt ange­se­hen wur­den. Es wur­de wei­ter fest­ge­stellt, dass für die bis­he­ri­ge Aus­wer­tung der Ton­fol­gen mate­ri­el­ler Scha­dens­er­satz zu zah­len und zur Ermitt­lung des Scha­dens­er­sat­zes Aus­kunft über den Umfang der Aus­wer­tung zu ertei­len ist. Es wur­den Anord­nun­gen getrof­fen, dass die jewei­li­gen Klä­ger, die das Ori­gi­nal kom­po­niert haben, an der Stel­le von Bushi­do und sei­nem Ver­lag bei der GEMA als Kom­po­nis­ten ein­ge­tra­gen wer­den und ihnen die GEMA-Aus­schüt­tun­gen zuste­hen. Bushi­do wur­de ver­ur­teilt, ins­ge­samt € 63.000,00 als sog. Bil­lig­keits­ent­schä­di­gung (imma­te­ri­el­ler Scha­dens­er­satz) dafür zu zah­len, dass er Per­sön­lich­keits­rech­te der jewei­li­gen Klä­ger dadurch schwer­wie­gend ver­letzt hat, dass er deren Kom­po­si­tio­nen auf Tei­le redu­ziert ver­wen­de­te, mit sei­nen (umstrit­te­nen) Tex­ten ver­band und die Ori­gi­nal­ur­he­ber­schaft der Klä­ger unter­schlug und sich selbst zu Unrecht als Musikur­he­ber bezeich­ne­te. Ein Klag­an­trag auf Bil­lig­keits­ent­schä­di­gung gegen den Ver­lag wur­de abge­wie­sen, weil inso­weit die dafür erfor­der­li­che schwer­wie­gen­de Rechts­ver­let­zung nicht vor­ge­le­gen hat. Eine Kla­ge auf Zah­lung von gut € 35.000 als Scha­dens­er­satz gegen den Ver­lag wur­de abge­wie­sen, weil die Scha­dens­be­rech­nung nicht nach­voll­zieh­bar ist. Ein Klag­an­trag auf Zah­lung vor­ge­richt­li­cher Anwalts­kos­ten hat­te nur teil­wei­se Erfolg.
In dem vor der Zivil­kam­mer 10 geführ­ten Rechts­streit (310 O 155/08) geht es um die in den über­nom­me­nen Auf­nah­men ent­hal­te­nen Dar­bie­tun­gen der Klä­ger als aus­üben­de Künst­ler und um die Ton­trä­ger­her­stel­ler­rech­te, so Scheel-Pötzl.


Hier sind von den Mit­glie­dern der Grup­pe „Dark Sanc­tua­ry“ und dem Inha­ber der Ton­trä­ger­her­stel­ler­rech­te neben Bushi­do auch zwei Ton­trä­ger­her­stel­ler und Ver­triebs­un­ter­neh­men ver­klagt wor­den. Auch die­ser Kla­ge wur­de über­wie­gend statt­ge­ge­ben. Im Urteil sind rechts­wid­ri­ge Über­nah­men aus ins­ge­samt 16 ver­schie­de­nen Ton­auf­nah­men der Grup­pe „Dark Sanc­tua­ry“ in 16 Bushi­do-Titeln fest­ge­stellt wor­den. Die wei­te­re Aus­wer­tung der ins­ge­samt 11 Ton­trä­ger (Alben, Sin­gle-CDs und Sam­pler), auf denen die­se Titel ent­hal­ten sind, wur­de ver­bo­ten. Ledig­lich hin­sicht­lich eines der in Anspruch genom­me­nen Unter­neh­men wur­de die Kla­ge inso­weit teil­wei­se abge­wie­sen, weil eine Ver­ant­wort­lich­keit nicht fest­zu­stel­len war. Dane­ben wur­den die Unter­neh­men jeweils zur Ertei­lung von Aus­künf­ten über den Umfang der erfolg­ten Aus­wer­tung der Ton­trä­ger ver­ur­teilt. Es wur­de wei­ter fest­ge­stellt, dass für die Aus­wer­tung der Ton­auf­nah­men mate­ri­el­ler Scha­dens­er­satz zu leis­ten ist. Dane­ben wur­de fest­ge­stellt, dass Bushi­do ver­pflich­tet ist, an die haupt­säch­lich betrof­fe­nen Mit­glie­der der Grup­pe „Dark Sanc­tua­ry“ zum Aus­gleich des die­sen Klä­gern durch die unau­to­ri­sier­te Nut­zung ihrer jewei­li­gen Ton­auf­nah­men ent­stan­de­nen imma­te­ri­el­len Scha­dens im Rah­men einer sog. Bil­lig­keits­ent­schä­di­gung jeweils Ersatz zu leis­ten. Die Kam­mer hat inso­weit ange­nom­men, dass Bushi­do die Per­sön­lich­keits­rech­te die­ser Klä­ger dadurch schwer­wie­gend ver­letzt hat, dass er die Künst­ler in Bezug auf ihre Dar­bie­tun­gen nicht genannt und die­se Dar­bie­tun­gen statt­des­sen auf Tei­le redu­ziert sowie mit sei­nen (umstrit­te­nen) Tex­ten ver­bun­den hat. Die Klag­an­trä­ge auf Bil­lig­keits­ent­schä­di­gung gegen die Ton­trä­ger­her­stel­ler und Ver­triebs­un­ter­neh­men wur­den jeweils abge­wie­sen, weil inso­weit die dafür erfor­der­li­che schwer­wie­gen­de Rechts­ver­let­zung nicht vor­ge­le­gen hat. Dane­ben wur­de den Klag­an­trä­gen auf Rück­ruf der Ton­trä­ger und Ver­nich­tung weit­ge­hend statt­ge­ge­ben. Ein Klag­an­trag auf Zah­lung vor­ge­richt­li­cher Anwalts­kos­ten hat­te nur teil­wei­se Erfolg.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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