(Kiel) In einem Urteil vom 23.09.2009 hat das Land­ge­richt Ham­burg eine wei­te­re Bank zur Zah­lung von Scha­den­er­satz wegen Ver­let­zung ihrer Auf­klä­rungs­pflich­ten in Zusam­men­hang mit dem Zusam­men­bruch der Leh­man Bank ver­ur­teilt.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des Land­ge­richts Ham­burg (LG) vom 23.09.2009, Az.: 322 O 134/09.


In dem Fall hat­ten der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau  im Jah­re 2006 bei der Beklag­ten ver­schie­de­ne Beträ­ge, zusam­men 50.000,00 EUR, ange­legt, dar­un­ter auf Emp­feh­lung der Kun­den­be­treue­rin der Bank 10.000,00 EUR für die Pro­tec­t­Ex­press-Anlei­he (Leh­man). Das Risi­ko wur­de dabei von ihr als „theo­re­tisch“ bezeich­net. Eine Insol­venz von Leh­man Inc. sei so unwahr­schein­lich an wie etwa die der Deut­schen Bank AG. Bei­de Leh­man-Ban­ken bra­chen 2008 zusam­men und wur­den insol­vent, die vom Klä­ger erwor­be­nen Wert­pa­pie­re sind end­gül­tig wert­los.


Bei dem Bera­tungs­ge­spräch hat­te der Klä­ger dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er und sei­ne Ehe­frau an einer siche­ren Geld­an­la­ge inter­es­siert sei­en, weil er in der Kri­se 2001/2002 bereits erheb­li­che Ver­lus­te habe hin­neh­men müs­sen und hat­te sich des­halb als kon­ser­va­ti­ven Anle­ger bezeich­net. Die Beklag­te habe ein Insol­venz­ri­si­ko der Leh­man Bank her­un­ter­ge­spielt und als prak­tisch aus­ge­schlos­sen bezeich­net; dar­auf hät­ten er und sei­ne Frau ver­traut und die Papie­re erwor­ben.


Die Bank hin­ge­gen behaup­te­te, die Bera­tung durch die Kun­den­be­treue­rin sei nicht feh­ler­haft gewe­sen, im Gegen­teil sei der Klä­ger über alle rele­van­ten Punk­te und auch das Worst-Case-Sze­na­rio voll­stän­dig und rich­tig auf­ge­klärt wor­den. Die Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung der Leh­mann B.V. sei durch eine Garan­tie der Leh­man Bro­thers Hol­ding Inc. zu 100% abge­si­chert gewe­sen, dies habe aus dama­li­ger Sicht eine tat­säch­li­che hun­dert­pro­zen­ti­ge Absi­che­rung des Kapi­tals dar­ge­stellt. Nie­mand habe mit dem Zusam­men­bruch der Leh­man Bank gerech­net und rech­nen müs­sen, die Insol­venz sei aus dama­li­ger Sicht rein theo­re­ti­scher Natur gewe­sen.


Dem, so Kroll, ver­möch­te das Land­ge­richt Ham­burg nicht zu fol­gen und ver­ur­teil­te die Bank nun zu voll­stän­di­gen Scha­dens­er­satz.


Eine Bank ver­letz­te ihre Ver­pflich­tun­gen aus einem Bera­tungs­ver­trag, wenn sie einem Kun­den, der eine siche­re Kapi­tal­an­la­ge wünscht, eine Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung einer aus­län­di­schen Invest­ment­bank, die durch eine Garan­tie einer US-ame­ri­ka­ni­schen Hol­ding abge­si­chert ist und die kei­nem Ein­la­ge­si­che­rungs­sys­tem unter­liegt, als sicher emp­feh­le. Dar­un­ter ver­ste­he der Bun­des­ge­richts­hof, dass nur eine Anla­ge emp­foh­len wer­den dür­fe, bei der in jedem Fall das ein­ge­zahl­te Kapi­tal erhal­ten blei­be (Urt. v. 14.07.2009 (XI ZR 152/08).


Die­ses Anla­ge­ziel sei mit der von der Kun­den­be­ra­te­rin der Beklag­ten emp­foh­le­nen Geld­an­la­ge von vorn­her­ein nicht zu errei­chen gewe­sen, da – wie sich eben auch gezeigt habe – das Kapi­tal durch den Zusam­men­bruch der Leh­man Bank ver­lo­ren gegan­gen sei. Des­halb war nicht aus­rei­chend, dass die Mit­ar­bei­te­rin F. der Beklag­ten ledig­lich auf ein theo­re­ti­sches Insol­venz­ri­si­ko der Leh­man-Bank Inc. als Gua­ran­tor hin­wies, wobei unstrei­tig ist, dass sie die­sen Fall als prak­tisch aus­ge­schlos­sen und nicht ernst zu neh­men beur­teilt und dar­stellt habe. Damit habe sie die Anla­ge als so sicher hin­ge­stellt, dass die Anla­ge nur theo­re­tisch, aber das soll eben hei­ßen und so hat es der Klä­ger ver­stan­den und ver­ste­hen dür­fen, in der Wirk­lich­keit nie gefähr­det war und die Rück­zah­lung zu 100% sicher ist.


Die­se Falsch­be­ra­tung sei auch schuld­haft gewe­sen, da es „eine Garan­tie für die Garan­tie“ von Leh­mann, hier ins­be­son­de­re auch durch die US-ame­ri­ka­ni­sche Regie­rung, nicht gege­ben habe.


Kroll mahn­te, das Urteil zu beach­ten und in Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er  dazu u. a. auch auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
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