(Kiel) Der 12. Senat des Bun­des­so­zi­al­ge­richts hat ent­schie­den, dass die Mit­glie­der des board of direc­tors (BoD) einer US-Kapi­tal­ge­sell­schaft nicht in der gesetz­li­chen Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­frei sind.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Fach­an­walt für Sozi­al­recht Klaus H. Ganz­horn, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (BSG) vom 12. Janu­ar 2011 – Az.: B 12 KR 17/09 R.

Strei­tig war die Fra­ge der Ver­si­che­rungs­pflicht von Mit­glie­dern des board of direc­tors der Schnell­re­stau­rant­ket­te McDo­nalds Deutsch­land Inc., die als Kapi­tal­ge­sell­schaft nach dem Recht des Staa­tes Delaware/USA mit Zweig­nie­der­las­sung in Mün­chen orga­ni­siert ist. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat­te die Beru­fung der Klä­ger zurück­ge­wie­sen, da Mit­glie­der des board of direc­tors einer US-Cor­po­ra­ti­on anders als Vor­stands­mit­glie­der einer Akti­en­ge­sell­schaft deut­schen Rechts nicht ver­si­che­rungs­frei sei­en. Mit ihrer Revi­si­on haben die Klä­ger gel­tend gemacht, auf­grund der Struk­tur und wirt­schaft­li­chen Stär­ke der Gesell­schaft sei­en die Mit­glie­der des board of direc­tors sozi­al eben­so wenig schutz­be­dürf­tig wie Vor­stands­mit­glie­der einer deut­schen Akti­en­ge­sell­schaft und des­halb von der Arbeits­lo­sen- und Ren­ten­ver­si­che­rung zu befrei­en. Die Nicht­an­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ver­si­che­rungs­frei­heit ver­let­ze das im Freund¬schaftsvertrag ent­hal­te­ne Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot sowie die in Art VII des Freund­schafts­ver­trags gewähr­te Nie­der­las­sungs­frei­heit, die der Nie­der­las­sungs­frei­heit inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on ver­gleich­bar sei.

Die Revi­sio­nen der Klä­ger hat­ten kei­nen Erfolg, betont Ganz­horn.

Die Klä­ger zu 2 und 3 unter­la­gen als Beschäf­tig­te der Ver­si­che­rungs­pflicht in der gesetz­li­chen Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung. Von der Ver­si­che­rungs­pflicht sind sie auch nicht mit Rück­sicht auf ihre Beru­fung zum Mit­glied des BoD der Klä­ge­rin zu 1 aus­ge­nom­men. Die für Vor­stands­mit­glie­der einer Akti­en­ge­sell­schaft nach deut­schem Recht gel­ten­de Aus­nah­me­be­stim­mun­gen fin­den vor­lie­gend kei­ne – ent­spre­chen­de   Anwen­dung. Eine hier­für erfor­der­li­che aus­drück­li­che Äqui­va­lenz­re­gel, die eine Tat­be­stands­gleich­stel­lung her­bei­füh­ren könn­te, ent­hält das inlän­di­sche Recht nicht. Sie ergibt sich auch nicht aus den mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka geschlos­se­nen Ver­ein­ba­run­gen. Dies gilt auch für den Freundschafts‑, Han­dels- und Schiff­fahrts­ver­trag vom 29. Okto­ber 1954. Aus die­sem Ver­trag lässt sich   auch nicht mit­tel­bar aus dem Gebot der Inlän­der­be­hand­lung im Sin­ne von Art VII Abs 1 des Freund­schafts­ver­tra­ges   das Gebot einer Tat­be­stands­gleich­stel­lung her­lei­ten. Die Klä­ger kön­nen sich schließ­lich auch nicht mit Erfolg auf das vom EuGH ent­wi­ckel­te Gleich­be­hand­lungs­ge­bot zuguns­ten mit­glied­staat­li­cher Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten beru­fen. Die­se Recht­spre­chung bezieht sich auf die Nie­der­las­sungs­frei­heit nach Art 49, 54 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der EU. Die­se ver­bie­tet auch im Zusam­men­wir­ken mit dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht, Gesell­schaf­ten aus Dritt­staa­ten anders zu behan­deln als EU-Gesell­schaf­ten.

Ganz­horn emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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