(Kiel) Ein Anbie­ter von Mobil­funk­leis­tun­gen darf in sei­nen all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) kei­ne Zusatz­ge­büh­ren ver­lan­gen, wenn der Kun­de inner­halb eines bestimm­ten Zeit­raums kei­ne Anru­fe tätigt und auch kei­ne SMS ver­sen­det.

Auch darf der Mobil­funk­an­bie­ter nach Been­di­gung des Mobil­funk­ver­trags kei­ne “Pfand­ge­bühr” in Rech­nung stel­len, wenn der Kun­de die dann wirt­schaft­lich wert­lo­se SIM-Kar­te nicht inner­halb von zwei Wochen zurück­schickt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein” der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richts (OLG) vom 18.07.2012 zu sei­nem Urteil vom 3.07.2012, Az. 2 U 12/11.

Der kla­gen­de Bun­des­ver­band for­der­te den Mobil­funk­an­bie­ter mit Sitz in Schles­wig-Hol­stein (Büdels­dorf) auf, zwei Klau­seln in sei­nen all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen für Ver­trä­ge über Mobil­funk­leis­tun­gen zu unter­las­sen, weil die­se aus sei­ner Sicht den Kun­den unan­ge­mes­sen benach­tei­lig­ten. Die Tarif­be­stim­mun­gen des Mobil­funk­an­bie­ters sehen einen monat­li­chen “Paket­preis” von 14,95 Euro bei einer Lauf­zeit von 24 Mona­ten vor, in dem nach Wahl des Kun­den ent­we­der 50 Inklu­siv­mi­nu­ten für Tele­fon­ge­sprä­che oder 50 SMS monat­lich ent­hal­ten sind. Dar­über­hin­aus­ge­hen­de Nut­zun­gen wer­den geson­dert abge­rech­net. Nach den Tarif­be­stim­mun­gen wird dem Kun­den eine “Nicht­nutzer­ge­bühr” in Höhe von 4,95 Euro in Rech­nung gestellt, wenn in drei auf­ein­an­der­fol­gen­den Mona­ten kein Anruf getä­tigt bzw. kei­ne SMS ver­sandt wird. Auch bestim­men die wei­te­ren all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen des Mobil­funk­an­bie­ters, dass die zur Ver­fü­gung gestell­te SIM-Kar­te in sei­nem Eigen­tum ver­bleibt und hier­für eine “Pfand­ge­bühr” von 9,97 Euro fäl­lig wird, wenn der Kun­de sie nicht inner­halb von 14 Tagen nach Been­di­gung des Mobil­funk­ver­trags zurück­sen­det.

Da der Mobil­funk­an­bie­ter sei­ne Tarif­be­stim­mun­gen und all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nicht änder­te, klag­te der Bun­des­ver­band vor Gericht. In ers­ter Instanz gab das Land­ge­richt Kiel der Kla­ge statt. Hier­ge­gen leg­te der Mobil­funk­an­bie­ter vor dem Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richt Beru­fung ein, die nun vom OLG zurück­ge­wie­sen wur­de, so Klar­mann.

• Aus den Grün­den:

Die bean­stan­de­ten Klau­seln sind unwirk­sam, weil sie die Kun­den ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­li­gen. Dem als “Nicht­nutzer­ge­bühr” bezeich­ne­ten Ent­gelt liegt über­haupt kei­ne Gegen­leis­tung des Mobil­funk­an­bie­ters zugrun­de. Die­ser ver­sucht der Sache nach den Kun­den mit einer Art “Straf­zah­lung” zu bele­gen, wenn er die bezahl­ten Inklu­siv­leis­tun­gen nicht ein­mal teil­wei­se abruft. Der­ar­ti­ge Ver­trags­stra­fen, obwohl der Kun­de sich ver­trags­treu ver­hält und auch dem Mobil­funk­an­bie­ter durch das Ver­hal­ten des Kun­den kein Scha­den ent­stan­den ist, sind unwirk­sam (§ 309 Num­mer 5 und 6 BGB).

Der “Pfand­ge­bühr” für die SIM-Kar­te liegt kein erstat­tungs­fä­hi­ges Pfand zugrun­de, das der Kun­de als Sicher­heit vor­ab bezahlt hat. Nach eige­nen Anga­ben will der Mobil­funk­an­bie­ter nach Been­di­gung des Ver­trags die Rück­ga­be der SIM-Kar­te durch­set­zen, um zu ver­hin­dern, dass die SIM-Kar­ten für Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­che genutzt wür­den. Die bean­stan­de­te Klau­sel in sei­nen AGB ist jedoch so gefasst, dass der Kun­de nicht anneh­men kann, er wer­de die “Pfand­ge­bühr” bei ver­spä­te­ter Rück­sen­dung der SIM-Kar­te erstat­tet bekom­men. Damit han­delt es sich um einen pau­scha­len Scha­dens­er­satz, der jedoch den “nach dem gewöhn­li­chen Lauf der Din­ge” zu erwar­ten­den Scha­den über­steigt und des­halb unwirk­sam ist (§ 309 Num­mer 5a BGB). Eine gebrauch­te SIM-Kar­te ist wirt­schaft­lich wert­los.

Klar­mann emp­fahl daher, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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