(Kiel) In den meis­ten Gesell­schafts­ver­trä­gen sind soge­nann­te Nach­fol­ge­klau­seln ent­hal­ten. Die­se bestim­men, was pas­sie­ren soll, wenn ein Gesell­schaf­ter ver­stirbt. Weni­ger bekannt ist, dass die­se auch unmit­tel­ba­re Aus­wir­kun­gen auf die Höhe der zu zah­len­den Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er haben. Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Erb- und Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert  Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel und erläu­tert:


  • In den meis­ten Gesell­schafts­ver­trä­gen gehen die Geschäfts­an­tei­le des Ver­stor­be­nen ent­we­der auf einen oder meh­re­re ande­re Per­so­nen über, die dann an die Stel­le des Erb­las­sers tre­ten, oder der Erbe erhält zwar die Gesell­schaf­ter­stel­lung des Erb­las­sers, kann dann aber durch die Mit­ge­sell­schaf­ter ver­drängt wer­den, ent­we­der durch Ein­zie­hung der Geschäfts­an­tei­le oder durch Ver­pflich­tung zur Über­tra­gung der Geschäfts­an­tei­le an Drit­te. In die­sem Fall ist wei­ter gere­gelt, ob und in wel­cher Höhe die „wei­chen­den Erben“ eine Abfin­dung erhal­ten.

  • Im Gesell­schafts­ver­trag kann aber auch gere­gelt sein, dass der Erb­las­ser mit sei­nem Tod aus der Gesell­schaft aus­schei­det und die Gesell­schaft unter den ver­blei­ben­den Gesell­schaf­tern fort­ge­führt wird. Auch in die­sem Fall gibt es eine Rege­lung, ob und in wel­cher Höhe die Erben eine Abfin­dung erhal­ten.

Alle die­se Rege­lun­gen füh­ren zu unter­schied­li­chen Rechts­fol­gen im Sin­ne der Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er, betont Dr. Gie­se­ler.


Soweit die Erben in die Stel­lung des Gesell­schaf­ters ein­tre­ten und die­se wei­ter­hin behal­ten, liegt eine Unter­neh­mens­über­tra­gung auf den Todes­fall im Sin­ne des § 13 a ErbStG vor. Die­ser Fall soll hier nicht ver­tie­fend dar­ge­stellt, son­dern ledig­lich der sich hier­aus erge­ben­de Regel­fall erwähnt wer­den. In der Regel ist bei der Berech­nung der Erb­schaft­steu­er der Ver­kehrs­wert her­an­zu­zie­hen, wobei 85 % vor­läu­fig geschont und nur 15 % des Ver­kehrs­wer­tes der Erb­schaft­steu­er unter­wor­fen wer­den. Soweit min­des­tens 20 Arbeit­neh­mer vor­han­den sind, müs­sen geerb­te Geschäfts­an­tei­le fünf Jah­re gehal­ten wer­den
und die Lohn­sum­me in den fünf Jah­ren 400 % der durch­schnitt­li­chen Lohn­sum­me vor dem Erb­fall ent­spre­chen. In die­sem Fall sind die 85 % erb­schaft­steu­er­frei.


Wenig berück­sich­tigt wer­den dage­gen die Fäl­le, in denen der Erbe auf­grund einer Nach­fol­ge­klau­sel aus der Gesell­schaft aus­schei­det. Bekommt der Erbe in die­sem Fall eine Abfin­dung ent­spre­chend dem Ver­kehrs­wert, ist das für die ver­blei­ben­den Gesell­schaf­ter schen­kungsteu­er­frei. Liegt die Abfin­dung dage­gen unter­halb des Ver­kehrs­wer­tes, liegt eine Schen­kung des Erb­las­sers zuguns­ten sei­ner Mit­ge­sell­schaf­ter vor. Die­se Schen­kung ist gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG schen­kungsteu­er­pflich­tig, so Dr. Gie­se­ler.


In der Ver­gan­gen­heit war die Vor­schrift wenig rele­vant, da die Bewer­tung von Geschäfts­an­tei­len in der Regel deut­lich unter den Ver­kehrs­wer­ten lag. Durch die Ände­rung des Bewer­tungs­ge­set­zes zum 01.01.09 hat sich das aber geän­dert. Die schen­kungsteu­er­li­chen Wer­te von Unter­neh­men lie­gen jetzt bei den Ver­kehrs­wer­ten. Wird bei­spiels­wei­se eine Abfin­dung in Höhe des Buch­wer­tes gezahlt, ist die Dif­fe­renz zwi­schen dem Ver­kehrs­wert und dem Buch­wert schen­kungsteu­er­pflich­tig. Die­se Schen­kungsteu­er kann ins­be­son­de­re dann sehr schmerz­haft sein, so betont Dr. Gie­se­ler, wenn zwi­schen dem Erb­las­ser und sei­nen Mit­ge­sell­schaf­tern kein unmit­tel­ba­res Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis besteht, da hier der Frei­be­trag von nur  20.000,00 € nied­rig ist und die Steu­er­quo­te bei 30 % anfängt.


Die­ser steu­er­li­che Nach­teil kann zumin­dest abge­fe­dert wer­den, indem die Nach­fol­ge­klau­seln so gestal­tet wer­den, dass die Geschäfts­an­tei­le des Erb­las­sers nicht unter­ge­hen, son­dern auf Mit­ge­sell­schaf­ter oder Drit­te über­tra­gen wer­den. In die­sem Fall greift wenigs­tens die Steu­er­ver­güns­ti­gung des § 13 a ErbStG. Alle die­se Klau­seln soll­ten zumin­dest dann im Hin­blick auf die Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er über­prüft wer­den, wenn eine Abfin­dung unter­halb des Ver­kehrs­wer­tes zu zah­len ist.


Gie­se­ler mahn­te, dies zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen dazu u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de



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