(Kiel) Die Ein­heits­be­wer­tung des Grund­ver­mö­gens ist vom Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) trotz ver­fas­sungs­recht­li­cher Zwei­fel bis­lang als ver­fas­sungs­ge­mäß beur­teilt wor­den. In einem neu­en Urteil hat er dar­an jeden­falls für Stich­ta­ge bis zum 1. Janu­ar 2007 fest­ge­hal­ten, aber zusätz­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das wei­te­re Unter­blei­ben einer all­ge­mei­nen Neu­be­wer­tung des Grund­ver­mö­gens für Zwe­cke der Grund­steu­er mit ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen, ins­be­son­de­re mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes GG ), nicht ver­ein­bar sei.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Steu­er­be­ra­ter Frank Zin­gel­mann von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das am 11.08.2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 30. Juni 2010 — II R 60/08.

Wäh­rend die steu­er­li­che Erfas­sung des Grund­ver­mö­gens im Rah­men der Erb­schaft­steu­er und der Grund­er­werb­steu­er auf zeit­na­hen Wer­ten beruht, sind die Besteue­rungs­grund­la­gen für die Grund­steu­er seit lan­gem unver­än­dert. Bemes­sungs­grund­la­ge der Grund­steu­er ist der geson­dert fest­ge­stell­te Ein­heits­wert. Die Ein­heits­wer­te sol­len für den Grund­be­sitz alle sechs Jah­re im Rah­men einer Haupt­fest­stel­lung all­ge­mein fest­ge­stellt wer­den, die­ser Sechs­jah­res­ab­stand ist jedoch kraft Geset­zes aus­ge­setzt wor­den. Der letz­te Haupt­fest­stel­lungs­zeit­punkt für die alten Bun­des­län­der ist der 1.1.1964. Für die neu­en Bun­des­län­der sind die Wert­ver­hält­nis­se auf den 1.1.1935 fest­ge­schrie­ben. Damit stellt sich die Fra­ge, ob die hier­aus abge­lei­te­ten Grund­stücks­wer­te noch immer als Grund­la­ge der Besteue­rung die­nen kön­nen.

Der BFH kommt zu dem Ergeb­nis, dass das FA bei der Ermitt­lung des Gebäu­de­werts zutref­fend die Gebäu­de­klas­se „Waren­häu­ser“ zugrun­de gelegt hat und der ange­setz­te Gebäu­de­wert jeden­falls nicht über­höht ist. Maß­ge­ben­de Rechts­grund­la­gen für die­se Ent­schei­dung sind die Vor­schrif­ten über die Ein­heits­be­wer­tung des Grund­ver­mö­gens, die der BFH trotz der ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­fel, die sich aus dem lan­ge zurück­lie­gen­den Haupt­fest­stel­lungs­zeit­punkt (1.1.1964) und dar­auf beru­hen­der Wert­ver­zer­run­gen erge­ben, bis­lang als ver­fas­sungs­ge­mäß beur­teilt hat.

Dar­an will der BFH aller­dings nur noch für Stich­ta­ge bis zum 1.1.2007 fest­hal­ten, betont Zin­gel­mann aus­drück­lich.

Er ist der Auf­fas­sung, dass das wei­te­re Unter­blei­ben einer all­ge­mei­nen Neu­be­wer­tung des Grund­ver­mö­gens für Zwe­cke der Grund­steu­er mit ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen — ins­be­son­de­re mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 GG) — nicht ver­ein­bar ist. Das Sys­tem der Haupt­fest­stel­lung auf einen bestimm­ten Stich­tag sei dar­auf ange­legt, dass Haupt­fest­stel­lun­gen in bestimm­ten Abstän­den statt­fin­den. Die Fest­schrei­bung der Wert­ver­hält­nis­se auf den Haupt­fest­stel­lungs­zeit­punkt sei nur sach­ge­recht und aus ver­fas­sungs­recht­li­cher Sicht hin­nehm­bar, wenn der Haupt­fest­stel­lungs­zeit­raum eine ange­mes­se­ne Dau­er nicht über­schrei­te. Die über mehr als vier Jahr­zehn­te unver­än­der­te Ein­heits­be­wer­tung des Grund­be­sit­zes ver­feh­le ins­be­son­de­re die sich aus Art. 3 Abs. 1 GG erge­ben­den Anfor­de­run­gen an eine rea­li­täts­ge­rech­te Bewer­tung. Es sei fer­ner auch nicht hin­nehm­bar, dass eine Wert­min­de­rung wegen Alters nach dem Haupt­fest­stel­lungs­zeit­punkt (1.1.1964) aus­ge­schlos­sen wer­de. Das jahr­zehn­te­lan­ge Unter­las­sen einer flä­chen­de­cken­den Grund­stücks­neu­be­wer­tung füh­re schließ­lich zwangs­läu­fig zu ver­fas­sungs­recht­lich nicht mehr hin­nehm­ba­ren Defi­zi­ten beim Geset­zes­voll­zug, da ver­fah­rens­recht­lich nicht sicher­ge­stellt wer­de, dass dem FA Ände­run­gen der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se bekannt wer­den.

Die Ent­schei­dung ist in ers­ter Linie ein Signal an den Gesetz­ge­ber, so Zin­gel­mann. Ob dies jedoch zu einem Vor­teil der Bür­ger füh­re, sei anzwei­feln, da eine Neu­be­wer­tung sicher­lich zu einer höhe­ren Belas­tung der Bür­ger füh­ren wer­de.

Zin­gel­mann emp­fahl, die wei­te­re Ent­wick­lung zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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Frank Zin­gel­mann
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