(Kiel) Nach der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung durch das Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 2007 sind Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nur noch dann berück­sich­ti­gungs­fä­hig, wenn die­ses den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­det.

Dies, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, sei die Kern­aus­sa­ge in eines
Urteils des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 17.02.2009 (AZ.: 3 K 1132/07).


In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall hat­te das Finanz­ge­richt  zu prü­fen, ob die Nicht­ein­tra­gung eines Frei­be­tra­ges für Arbeits­zim­mer auf der Lohn­steu­er­kar­te rechts­wid­rig war. Die Klä­ger sind bei­de Leh­rer und nut­zen in ihrem Ein­fa­mi­li­en­haus jeweils ein Arbeits­zim­mer. In den Vor­jah­ren hat­te das Finanz­amt die von den Klä­gern inso­weit gel­tend gemach­ten Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit berück­sich­tigt.


Im Jah­re 2006 bean­trag­ten die Klä­ger bei dem Finanz­amt für das Jahr 2007 jeweils einen Frei­be­trag für ein häus­li­ches  Arbeits­zim­mer in Höhe von je 1.250.- € auf der Lohn­steu­er­kar­te ein­zu­tra­gen. Das wur­de mit der Begrün­dung abge­lehnt, dass nach dem Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 2007 ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2007 eine Abzugs­fä­hig­keit nur gege­ben sei, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung dar­stel­le. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sei­en bei den Klä­gern auf­grund ihrer Tätig­keit in der Schu­le nicht erfüllt. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs – BFH – stel­le das häus­li­che Arbeits­zim­mer eines voll­zeit­be­schäf­tig­ten Leh­rers an einer Schu­le nicht den Mit­tel­punkt sei­ner gesam­ten beruf­li­chen Tätig­keit dar.


Mit ihrer dage­gen ange­streng­ten Kla­ge mach­ten die Klä­ger u.a. gel­tend, nach der neu­en Rege­lung ent­fal­le nun­mehr die Abzugs­fä­hig­keit der Kos­ten des Arbeits­zim­mer. Hier­in lie­ge ein Ver­stoß gegen das objek­ti­ve Net­to­prin­zip, der Grund­satz der Besteue­rung nach der Leis­tungs­fä­hig­keit wer­de ver­letzt. Leh­rer ver­füg­ten für einen wesent­li­chen Teil ihrer Tätig­keit nicht über einen ande­ren Arbeits­platz.


Die Kla­ge hat­te aller­dings kei­nen Erfolg, so Pas­sau. Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, dass die Nicht­ein­tra­gung eines Frei­be­tra­ges für ein Arbeits­zim­mer in Höhe von jeweils 1.250.- € auf den Lohn­steu­er­kar­ten 2007 nicht rechts­wid­rig gewe­sen sei.


Nach der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung sei­en Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nur noch dann berück­sich­ti­gungs­fä­hig, wenn die­ses den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­de. Das FG fol­ge der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH, wonach das häus­li­che Arbeits­zim­mer eines in Voll­zeit beschäf­tig­ten Leh­rers in aller Regel nicht den Mit­tel­punkt sei­ner gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit dar­stel­le.


Es bestün­den zwar gewis­se Zwei­fel, ob das Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 2007 mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­grund­satz des Art. 3 Grund­ge­setz ver­ein­bar sei. Nach Ansicht des FG Rhein­land-Pfalz hält sich die ent­spre­chen­de Geset­zes­än­de­rung gera­de noch im Rah­men des dem Gesetz­ge­ber eröff­ne­ten Gestal­tungs­spiel­raums, denn im Bereich des Steu­er­rechts habe der Gesetz­ge­ber bei der Aus­wahl des Steu­er­ge­gen­stan­des und bei der Bestim­mung des Steu­er­sat­zes einen weit rei­chen­den Ent­schei­dungs­spiel­raum. Hin­sicht­lich der Befug­nis des Gesetz­ge­bers zur Ver­ein­fa­chung und Typi­sie­rung sei zu sehen, dass jede gesetz­li­che Rege­lung ver­all­ge­mei­nern müs­se. Bei der Ord­nung von Mas­sen­er­schei­nun­gen sei der Gesetz­ge­ber berech­tigt, die Viel­zahl der Ein­zel­fäl­le in dem Gesamt­bild zu erfas­sen, das nach den ihm vor­lie­gen­den Erfah­run­gen die rege­lungs­be­dürf­ti­gen Sach­ver­hal­te zutref­fend wie­der­ge­be. Auf die­ser Grund­la­ge dür­fe er typi­sie­ren­de pau­scha­lie­ren­de Rege­lun­gen tref­fen, ohne allein schon wegen der damit unver­meid­lich ver­bun­de­nen Här­ten gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz zu ver­sto­ßen. Die Neu­re­ge­lung wer­de den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen aber gera­de noch gerecht.
Die Norm wei­che zwar von dem nach dem Net­to­prin­zip maß­geb­li­chen Ver­an­las­sungs­prin­zip ab. Ver­fas­sungs­recht­lich hin­rei­chen­de sach­li­che Grün­de für die­se Abwei­chung ergä­ben sich aber aus den gesetz­ge­be­ri­schen Typi­sie­rungs­be­fug­nis­sen unter dem Aspekt gemischt ver­an­lass­ter Auf­wen­dun­gen. Zwar sei­en Leh­rer arbeits- oder dienst­recht­lich ver­pflich­tet, ihren Unter­richt vor- und nach­zu­be­rei­ten, wobei es sich dabei um Tätig­kei­ten han­de­le, die ein Leh­rer im häus­li­chen Bereich ver­rich­ten müs­se, wenn ihm in der Schu­le kein ent­spre­chen­der Raum zur Ver­fü­gung ste­he. Dafür las­se sich aber für den Regel­fall nicht ohne Wei­te­res der Schluss zie­hen, dass hier­für zwangs­läu­fig pflicht­be­stimm­te Auf­wen­dun­gen für ein vom pri­va­ten Bereich getrenn­tes Arbeits­zim­mer anfal­len wür­den, weil die Tätig­kei­ten aus­schließ­lich nur in einem sol­chen Raum aus­ge­übt wer­den könn­ten. Sie könn­ten viel­mehr auch in sons­ti­gen Räu­men oder einer „Arbeits­ecke“ ver­rich­tet wer­den. Ande­rer­seits füh­re ein zusätz­li­cher Raum eines Arbeits­zim­mers ins­ge­samt zu einer Stei­ge­rung der Wohn­qua­li­tät, die hier­für getä­tig­ten Auf­wen­dun­gen stell­ten – anders als etwa die Fahr­ten zur Arbeits­stät­te – kei­ne unaus­weich­li­chen Aus­ga­ben dar.


Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, die Revi­si­on wur­de wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zuge­las­sen.


Pas­sau emp­fahl auch ande­ren Berufs­grup­pen, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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Jörg Pas­sau
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