(Kiel)  Mit der häu­fig auf­tre­ten­den Fra­ge, wer die Mehr­kos­ten durch zwi­schen­zeit­lich gestie­ge­ne Mate­ri­al­kos­ten bei einer Bau­zeit­ver­schie­bung trägt, wenn bei der Ver­ga­be von Bau­auf­trä­gen durch die öffent­li­che Hand ein Mit­bie­ter ein Nach­prü­fungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet hat, hat sich nun nach dem Bun­des­ge­richts­hof auch das Ober­lan­des­ge­richt in Cel­le gewid­met.

Dar­auf ver­weist der Reck­ling­häu­ser Fach­an­walt für Ver­wal­tungs­recht sowie für Bau- und Archi­tek­ten­recht Edu­ard Disch­ke von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 25.06.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le (OLG) vom 17.06.2009, Az.: 14 U 62/08.


Die Fra­ge, wer die Mehr­kos­ten durch eine Bau­zeit­ver­schie­bung, z.B. durch zwi­schen­zeit­lich gestie­ge­ne Mate­ri­al­kos­ten, zu tra­gen hat, wenn bei der Ver­ga­be von Bau­auf­trä­gen durch die öffent­li­che Hand ein Mit­bie­ter ein Nach­prü­fungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet hat, die­ses aber erfolg­los bleibt, beschäf­tigt seit eini­ger Zeit die Ober­ge­rich­te. Weder der Auf­trag­neh­mer, der den Zuschlag erhal­ten hat, noch die öffent­li­che Hand kön­nen das Nach­prü­fungs­ver­fah­ren ver­hin­dern und wol­len daher die Mehr­kos­ten nicht tra­gen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat mit Urteil vom 11. Mai 2009 (VII ZR 11/08) die Mehr­kos­ten dem öffent­li­chen Auf­trag­ge­ber auf­er­legt, wenn der Zuschlag unver­än­dert auf das Ange­bot erteilt wor­den ist.


Eine ande­re Kon­stel­la­ti­on hat der 14. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le (OLG) mit Urteil vom 17. Juni 2009 (Akten­zei­chen: 14 U 62/08) ent­schie­den, so Disch­ke.
Bei die­sem Fall mach­te ein Ber­li­ner Stra­ßen­bau­un­ter­neh­men Mehr­kos­ten für die ver­zö­ger­te Ertei­lung des Zuschla­ges für ein Stra­ßen­bau­vor­ha­ben im Raum Ver­den gel­tend. Anders als bei dem vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te der öffent­li­che Auf­trag­ge­ber nach dem ver­zö­ger­ten Ver­ga­be­ver­fah­ren im Zuschlags­schrei­ben jedoch neue Fer­tig­stel­lungs­fris­ten bestimmt.


Bei die­ser Fall­ge­stal­tung, so der 14. Zivil­se­nat des OLG, hat die öffent­li­che Hand das ursprüng­li­che Gebot des Bau­un­ter­neh­mens nur in modi­fi­zier­ter Form ange­nom­men. Recht­lich han­delt es sich damit um ein neu­es Ange­bot unter Ableh­nung des ursprüng­li­chen Ange­bo­tes im Sin­ne des § 150 Abs. 2 des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches. Unter die­sen Umstän­den hät­te der Bie­ter auf wäh­rend der ver­län­ger­ten Zuschlags­frist ein­ge­tre­te­ne Preis­er­hö­hun­gen hin­wei­sen und gege­be­nen­falls durch eine erneu­te Ableh­nung des neu­en Ange­bo­tes einen neu­en Preis ver­lan­gen müs­sen. Ver­säu­me der Bie­ter dies, kön­ne der öffent­li­che Auf­trag­ge­ber davon aus­ge­hen, dass der Bie­ter trotz der ein­ge­tre­te­nen Preis­er­hö­hun­gen aus­kömm­lich kal­ku­liert habe, und sei nicht ver­pflich­tet, sich nach Ablauf der Annah­me­frist auf einen geän­der­ten Preis ein­zu­las­sen.


Der 14. Zivil­se­nat hat die Revi­si­on zuge­las­sen. Die­se muss inner­halb von einem Monat nach Zustel­lung des Beru­fungs­ur­teils beim BGH ein­ge­legt wer­den.
Disch­ke mahn­te, den Aus­gang zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen u. a. auch auf die  DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de


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