(Kiel) Der Tat­be­stand des Erschlei­chens von Leis­tun­gen (§ 265 a Absatz 1 Straf­ge­setz­buch) setzt nicht vor­aus, dass der Täter sei­nen feh­len­den Wil­len für eine Beför­de­rung zu bezah­len, auch nach außen sicht­bar macht.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf ein Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le (OLG) vom 27. Janu­ar 2009, Az.: 32 Ss 159/08.


Dem Ange­klag­ten wur­de vor­ge­wor­fen, in fünf Fäl­len die Beför­de­rung in Stadt­bah­nen der Han­no­ver­schen Ver­kehrs­be­trie­be (ÜSTRA) erschli­chen zu haben. Das Amts­ge­richt Han­no­ver hat­te den Ange­klag­ten frei­ge­spro­chen und gemeint, ein Erschlei­chen im Rechts­sin­ne lie­ge nur dann vor, wenn sich aus einer nach außen hin erkenn­ba­ren Hand­lung der man­geln­de Zah­lungs­wil­le erge­be. Dies erge­be sich zum Bei­spiel in Städ­ten wie Ham­burg dar­aus, dass auf den Bahn­stei­gen gro­ße Schil­der ange­bracht sei­en, die den Hin­weis ent­hiel­ten, dass der Zutritt nur mit Fahr­aus­weis erlaubt sei. Auch Siche­rungs- oder Kon­troll­ein­rich­tun­gen ande­rer Art kämen in Betracht, deren Über­win­dung das erfor­der­li­che Ver­hal­ten beinhal­ten wür­den. Die­se Auf­fas­sung wird von ein­zel­nen Gerich­ten und Tei­len der Rechts­wis­sen­schaft durch­aus geteilt.


Der 2. Straf­se­nat des OLG Cel­le ent­schied nun in Über­ein­stim­mung mit der herr­schen­den ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung, dass das “Erschlei­chen” nach dem Ver­ständ­nis und Wil­len des Gesetz­ge­bers nicht der­art eng aus­ge­legt wer­den dür­fe, so Klar­mann.


Betre­te der Täter das Beför­de­rungs­mit­tel ohne Fahr­schein bzw. stem­pe­le er nicht ab, so mache er sich auch dann straf­bar, wenn er sich unauf­fäl­lig ver­hal­te. Dies ent­spre­che dem Wil­len des Gesetz­ge­bers, der jede unbe­rech­tig­te Inan­spruch­nah­me von Mas­sen­leis­tun­gen ahn­den wol­le. Auf­ga­be des Gesetz­ge­bers und nicht der Gerich­te sei es daher auch, die Straf­wür­dig­keit des “Schwarz­fah­rens” kri­tisch zu über­prü­fen.


Da das Amts­ge­richt in sei­nem Urteil kei­ne aus­rei­chen­den Anga­ben zu den Tat­zei­ten und ‑orten gemacht hat, konn­te der Straf­se­nat in der Sache nicht selbst end­gül­tig ent­schei­den, son­dern muss­te sie zur erneu­ten Ent­schei­dung an das Amts­ge­richt zurück ver­wei­sen.


Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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