(Kiel) In einem soeben ver­kün­de­ten Urteil hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main der Kla­ge der Coreal­credit Bank (Klä­ge­rin) auf Scha­dens­er­satz gegen ehe­ma­li­ge Vor­stands­mit­glie­der (Beklag­te) wegen angeb­li­cher Pflicht­ver­stö­ße durch Zins­ge­schäf­te auch in der Beru­fung eine Absa­ge erteilt und damit das vor­aus­ge­hen­de Urteil des Land­ge­richts bestä­tigt.


Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für Arbeits- und Erbrecht Micha­el Henn, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Frank­furt am Main vom 22.3.2011, Az.: 5 U 29/06.


Die Beklag­ten waren Mit­glie­der des Vor­stands der Klä­ge­rin, nach­dem die­se durch die Fusi­on zwei­er Vor­gän­ger­in­sti­tu­te Anfang 2001 ent­stan­den war. Die Dienst­ver­trä­ge der Beklag­ten wur­den in den Jah­ren 2002 bis 2003 ein­ver­nehm­lich auf­ge­ho­ben. In den Jah­ren 2001/2002 ent­schie­den die Beklag­ten, dass für die Klä­ge­rin — neben deren ori­gi­nä­ren Hypo­the­ken­bank­ge­schäft — auch deri­va­ti­ve Zins­ge­schäf­te vor­ge­nom­men wer­den soll­ten, u.a. Zins­swap-Geschäf­te und For­ward Rate Agree­ments. Die­se Geschäf­te über­stie­gen nach Bezugs­be­trä­gen das Volu­men des Bilanz­ge­schäfts erheb­lich, ohne dass für dro­hen­de Ver­lus­te Rück­stel­lun­gen gebil­det wor­den waren. Mit der Kla­ge hat die Klä­ge­rin von den Beklag­ten Scha­dens­er­satz in Höhe von über 250 Mio. € wegen des nega­ti­ven Ergeb­nis­ses von 52 vor­zei­tig auf­ge­lös­ten Deri­va­te­ge­schäf­ten ver­langt sowie die Fest­stel­lung, dass die Beklag­ten zudem für 147 wei­te­re, noch nicht been­de­te Geschäf­te scha­dens­er­satz­pflich­tig sei­en. Das Land­ge­richt hat­te die Kla­ge durch Urteil vom 25.1.2006 abge­wie­sen. Hier­ge­gen hat­te die Klä­ge­rin Beru­fung zum Ober­lan­des­ge­richt ein­ge­legt. Sie sieht in dem Han­deln ihrer ehe­ma­li­gen Vor­stands­mit­glie­der ein­deu­ti­ge Pflicht­ver­stö­ße, da die von ihnen abge­schlos­se­nen Deri­va­te­ge­schäf­te unzu­läs­sig gewe­sen sei­en.


Die­ser Auf­fas­sung folgt der für die Beru­fung zustän­di­ge 5. Zivil­se­nat des OLG Frank­furt am Main nicht, so betont Henn.


In dem am 22.03.2011 ver­kün­de­ten Urteil stellt er fest, dass der Klä­ge­rin unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt ein Scha­dens­er­satz­an­spruch zusteht. Im Wesent­li­chen führt der Senat dazu aus:


Die Kla­ge schei­te­re bereits dar­an, dass es der Klä­ge­rin nicht gelun­gen sei, über­haupt einen Scha­den dar­zu­le­gen, der durch die Ent­schei­dun­gen der Beklag­ten ver­ur­sacht wor­den sei. Der Abschluss eines Deri­va­te­ge­schäfts selbst kön­ne noch nicht als Ver­mö­gens­min­de­rung zum Nach­teil der Klä­ge­rin begrif­fen wer­den. Deri­va­te­ge­schäf­te sei­en — jeden­falls als Hilfs­ge­schäf­te — auch nicht grund­sätz­lich ver­bo­ten (wird aus­ge­führt). Zu einem Scha­den durch die­se Geschäf­te kön­ne es nur dann gekom­men sein, wenn sich die Ver­mö­gens­la­ge der Klä­ge­rin im Ver­gleich zur hypo­the­ti­schen Situa­ti­on ohne Abschluss die­ser Geschäf­te bes­ser dar­ge­stellt hät­te.


Bei die­sem Ver­gleich kön­ne nicht iso­liert auf das nega­ti­ve Ergeb­nis eines ein­zel­nen Geschäfts abge­stellt wer­den. Es sei zu berück­sich­ti­gen, dass die Beklag­ten nicht über den Abschluss von Ein­zel­ge­schäf­ten, son­dern gan­zer Pake­te ent­schie­den hät­ten, von denen ein­zel­ne auch Ver­mö­gens­vor­tei­le ein­brach­ten. Die Klä­ge­rin hät­te des­halb für jeden ein­zel­nen Beschluss der Vor­stän­de — nicht nur zu den Geschäf­ten mit nega­ti­vem Ergeb­nis — vor­tra­gen müs­sen, zu wel­chem Ergeb­nis er geführt habe. Erst wenn sich bei einer Sal­die­rung aller Geschäf­te eines Pake­tes ein nega­ti­ves Ergeb­nis erge­ben hät­te, wäre ein Scha­den mög­lich. Selbst dann aber wäre ein Scha­den noch nicht gege­ben. Es müs­se näm­lich berück­sich­tigt wer­den, dass die Klä­ge­rin für das sich aus meh­re­ren Ein­zel­ge­schäf­ten erge­ben­de Gesamt­ri­si­ko Siche­rungs­ge­schäf­te abge­schlos­sen habe (sog. “Makro-Hedging”). Ein Scha­den durch die bean­stan­de­ten Anla­ge­ent­schei­dun­gen der Beklag­ten kön­ne des­halb nur dann vor­lie­gen, wenn sich die Gesamt­ver­mö­gens­po­si­ti­on der Klä­ge­rin bei Berück­sich­ti­gung aller Geschäf­te ver­schlech­tert hät­te. Dies habe die Klä­ge­rin indes nicht dar­ge­legt.


Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig. Zwar wur­de die Revi­si­on nicht zuge­las­sen, die Klä­ge­rin kann aber Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zum Bun­des­ge­richts­hof ein­le­gen.


Henn riet, das Urteil zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen u. a. auch auf die  DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – https://www.mittelstands-anwaelte.de/


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