(Kiel)  Der 17. Zivil­se­nat — Ban­ken­se­nat — des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he hat ent­schie­den, dass die beklag­te Spar­kas­se die Ver­wen­dung der Klau­sel, wonach sie „Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren für Dar­le­hens­kon­ten“ von „12,00 Euro pro Jahr“ erhebt, gegen­über Ver­brau­chern unter­las­sen muss.

Die Klau­sel benach­tei­li­ge den Ver­brau­cher in unzu­läs­si­ger Wei­se, weil ein Ent­gelt von ihm ver­langt wird, obwohl die Tätig­keit (Ent­ge­gen­nah­me von Zins- und Til­gungs­zah­lun­gen, Zah­lungs­über­wa­chung) allein im Inter­es­se der Spar­kas­se lie­ge.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf ein Urteil des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Karls­ru­he vom 08. Febru­ar 2011 — 17 U 138/10.

Die Schutz­ge­mein­schaft Bank­kun­den e.V. hat­te beim Land­ge­richt Karls­ru­he gegen die Spar­kas­se im Wege der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung die Unter­las­sung der Ver­wen­dung der genann­ten Klau­sel bean­tragt. Das Land­ge­richt Karls­ru­he hat dem Antrag statt­ge­ge­ben, da die­se Klau­sel den Ver­brau­cher in unan­ge­mes­se­ner Wei­se benach­tei­li­ge.

Die Beru­fung der Spar­kas­se zum Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he blieb ohne Erfolg, betont Kroll.

Bei die­ser Klau­sel aus dem Preis- und Leis­tungs­ver­zeich­nis der Spar­kas­se han­delt es sich um eine All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung im Sin­ne von § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB. Da es sich nicht um eine Preis­ver­ein­ba­rung han­delt, son­dern um eine Preis­ne­ben­ab­re­de, unter­liegt sie der Inhalts­kon­trol­le für All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen gemäß § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB.

Die Klau­sel hält die­ser Kon­trol­le nicht stand. Sie ist mit wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung nicht ver­ein­bar und benach­tei­ligt pri­va­te Dar­le­hens­neh­mer (Ver­brau­cher) in unan­ge­mes­se­ner Wei­se.

Es ent­spricht der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass Ent­gelt­klau­seln, in denen ein Kre­dit­in­sti­tut einen Ver­gü­tungs­an­spruch für Tätig­kei­ten nor­miert, zu deren Erbrin­gung es bereits gesetz­lich oder auf­grund einer selb­stän­di­gen ver­trag­li­chen Neben­pflicht ver­pflich­tet ist oder die es vor­wie­gend im eige­nen Inter­es­se vor­nimmt, mit wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lun­gen nicht ver­ein­bar sind, da nach dem gesetz­li­chen Leit­bild für sol­che Tätig­kei­ten ein Ent­gelt nicht bean­sprucht wer­den kann. Zur strei­ti­gen Klau­sel gibt es bis­her kei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­ho­fes.

Nach § 488 Abs. 1 Satz 2 BGB ist der Dar­le­hens­neh­mer auf­grund des Dar­le­hens­ver­tra­ges ver­pflich­tet, einen geschul­de­ten Zins zu zah­len und bei Fäl­lig­keit das zur Ver­fü­gung gestell­te Dar­le­hens­ka­pi­tal zurück­zu­er­stat­ten. In wel­cher Wei­se der Dar­le­hens­ge­ber — hier die Spar­kas­se — die Zins­zah­lung und die Rück­füh­rung des Dar­le­hens über­wa­chen will und in wel­cher Art und Wei­se er die Zah­lun­gen des Dar­le­hens­neh­mers ver­bucht, ist sei­ne Sache. Um Zah­lun­gen ein­deu­tig zuord­nen zu kön­nen, wird die Spar­kas­se regel­mä­ßig für das Dar­le­hen eine Kon­to­num­mer ver­ge­ben und damit ein Kon­to ein­rich­ten müs­sen. Ein Ent­gelt für die­se aus­schließ­lich in ihrem Eigen­in­ter­es­se lie­gen­de Kon­to­füh­rung darf sie aber vom Dar­le­hens­neh­mer nicht ver­lan­gen und des­halb eine Kon­to­füh­rungs­ge­bühr auch nicht in ihren All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen fest­le­gen.

Das Ver­lan­gen zusätz­li­cher Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren führt näm­lich zu einer ver­deck­ten Ver­teue­rung der Kre­di­te durch die Abwäl­zung von antei­li­gen all­ge­mei­nen Betriebs­kos­ten und Ver­wal­tungs­auf­wen­dun­gen, die das Kre­dit­in­sti­tut aus den Kre­dit­zin­sen decken muss. Soweit die Spar­kas­se argu­men­tiert, sie stel­le dem Kun­den zum Jah­res­en­de einen Jah­res­kon­to­aus­zug zur Ver­fü­gung, wird die­se zusätz­li­che Ser­vice­leis­tung für den Kun­den nicht durch die strei­ti­ge Klau­sel abge­deckt. Denn nach die­ser berech­net die Spar­kas­se ein Ent­gelt für die lau­fen­de Kon­to­füh­rung, die Erstel­lung eines Jah­res­kon­to­aus­zu­ges mit einer Zusam­men­stel­lung aller im Lau­fe des Jah­res auf die­sem Kon­to ein­ge­gan­ge­nen Zah­lun­gen und der Mit­tei­lung des aktu­el­len Dar­le­hens­stan­des wird nach dem Wort­laut der Klau­sel — „Kon­to­füh­rung“ — gera­de nicht erfasst. Gegen die­ses Urteil fin­det eine Revi­si­on nicht statt, da es im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ergan­gen ist (§ 542 Abs. 2 ZPO).

Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er  dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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