(Kiel) In einer am 21. Juli 2009 ver­öf­fent­lich­ten Ent­schei­dung muss­te sich das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he (OLG) mit der Fra­ge befas­sen, ob eine Spin­ne in der Tief­ga­ra­ge ein all­ge­mei­nes Lebens­ri­si­ko dar­stellt oder der Haus­meis­ter für die Nicht­be­sei­ti­gung haft­bar gemacht wer­den kann. 

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das am 21.07.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he vom 24.06.2009, Az.: 7 U 58/09.


Nach einem Sturz in der Tief­ga­ra­ge ihrer Wohn­an­la­ge ver­langt die Klä­ge­rin vom Haus­meis­ter­ser­vice wegen Ver­let­zung sei­ner Rei­ni­gungs­pflicht Schmer­zens­geld in Höhe von min­des­tens 6.000 Euro und Scha­dens­er­satz. Nach dem Haus­meis­ter­ver­trag ist der Beklag­te ver­pflich­tet, die offe­ne Tief­ga­ra­ge ein­mal im Monat zu rei­ni­gen und dabei Spinn­we­ben zu ent­fer­nen.


Die Klä­ge­rin hat vor­ge­tra­gen, sie habe im Mai 2008 mit ihrem Ehe­mann mit dem Auto weg­fah­ren wol­len. Noch bevor sie in das Fahr­zeug ein­ge­stie­gen sei, habe ihr Ehe­mann gese­hen, dass sich  in ihrer Kopf­hö­he eine fet­te schwar­ze Spin­ne an einem Faden her­ab­ge­las­sen habe, und sie durch Zuruf gewarnt. Im glei­chen Moment habe sie die Spin­ne eben­falls gese­hen, sei reflex­ar­tig einen Schritt zurück getre­ten und habe dabei das Gleich­ge­wicht ver­lo­ren. Bei dem Sturz habe sie eine Becken­prel­lung rechts, eine Prel­lung der rech­ten Gesichts­hälf­te und einen kom­pli­zier­ten Bruch am rech­ten Hand­ge­lenk davon­ge­tra­gen.


Der Beklag­te ist der Kla­ge ent­ge­gen getre­ten, er bestrei­tet den Unfall­her­gang, die Fol­gen und sei­ne Ver­ant­wort­lich­keit.


Das Land­ge­richt Mann­heim hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die Beru­fung der Klä­ge­rin zum Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he blieb ohne Erfolg, da das Land­ge­richt zutref­fend die Ursäch­lich­keit der behaup­te­ten Pflicht­ver­let­zung für den behaup­te­ten Scha­den ver­neint hat, betont Klar­mann.


Die Klä­ge­rin hat weder aus­rei­chend vor­ge­tra­gen noch unter Beweis gestellt, dass die behaup­te­te Pflicht­ver­let­zung, näm­lich die schlech­te oder unter­las­se­ne Säu­be­rung der Tief­ga­ra­ge, für ihren Sturz ursäch­lich war. Eine sol­che Ursäch­lich­keit könn­te aber nur dann ange­nom­men wer­den, wenn die Erfül­lung der Ver­pflich­tung des Beklag­ten, die Spinn­we­ben in der Tief­ga­ra­ge zu ent­fer­nen, sicher­ge­stellt hät­te, dass am Tag der geplan­ten Fahrt kei­ne Spin­ne im Gesichts­feld der Klä­ge­rin in einer Wei­se auf­tau­chen wür­de, die zu einem reflex­ar­ti­gen Zurück­wei­chen füh­ren konn­te. Davon kann aber nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Der Beklag­te war nicht ver­pflich­tet, die Rei­ni­gung genau an die­sem Mor­gen durch­zu­füh­ren, das allein hät­te aber eine hin­rei­chen­de Wahr­schein­lich­keit dafür begrün­det, dass zu dem Zeit­punkt, als die Klä­ge­rin an das Auto trat, kei­ne Spin­ne vor­han­den gewe­sen wäre. Man­gels nähe­rer Fixie­rung des Zeit­punkts der Rei­ni­gung konn­te der Beklag­te die Ent­fer­nung von Spinn­we­ben an einem belie­bi­gen Tag im Mai 2008 vor­neh­men, sodass unge­wiss ist, ob eine Rei­ni­gung — an wel­chem Tag auch immer — dazu geführt hät­te, dass am Tag der Fahrt kei­ne Spin­ne dage­we­sen wäre. Auch durch eine regel­mä­ßi­ge Rei­ni­gung der Tief­ga­ra­ge hät­te nicht sicher­ge­stellt wer­den kön­nen, dass am Tag des Unfalls kei­ne Spin­ne mehr vor­han­den ist, denn selbst bei ord­nungs­ge­mä­ßer Besei­ti­gung der Spinn­we­ben kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass durch die an einer Sei­te der Gara­ge befind­li­chen Fens­ter­öff­nun­gen Spin­nen ein­drin­gen und Net­ze an der Decke, den Stütz­pfei­lern und den Wän­den bau­en. Das Unter­las­sen der Rei­ni­gung mag die Wahr­schein­lich­keit dafür erhö­hen, dass sich mehr Spin­nen in der Tief­ga­ra­ge ansie­deln. Das genügt aber nicht für den zur vol­len Über­zeu­gung des Gerichts zu füh­ren­den Beweis, dass es zum Sturz der Klä­ge­rin bei ord­nungs­ge­mä­ßer monat­li­cher Rei­ni­gung nicht gekom­men wäre, weil gera­de die sich an der kon­kre­ten Stel­le auf Kopf­hö­he her­ab­las­sen­de Spin­ne dort nicht gewe­sen, sie des­halb nicht erschro­cken und beim Zurück­wei­chen nicht gestol­pert wäre.


Der Klä­ge­rin kommt auch kein Anscheins­be­weis zugu­te. Zwar wird im Rah­men der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht­ver­let­zung ein Anscheins­be­weis dann ange­nom­men, wenn ein ver­kehrs­si­che­rungs­wid­ri­ger Zustand bewie­sen ist und sich das Scha­dens­er­eig­nis als typi­sche Fol­ge der Pflicht­ver­let­zung dar­stellt, die durch die ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung der Pflicht gera­de ver­hin­dert wer­den soll, z.B. bei einem Sturz auf extrem glat­ter Trep­pen­stu­fe. Ein sol­cher Fall ist hier jedoch nicht gege­ben. Denn die ord­nungs­ge­mä­ße Ein­hal­tung der Pflicht zur monat­li­chen Rei­ni­gung auch von Spinn­we­ben konn­te nicht sicher­stel­len, dass sich in der Gara­ge kei­ne Spin­nen ansie­deln. Dar­über hin­aus ist die Besei­ti­gung von Spin­nen­we­ben auch nicht zuvor­derst dar­auf gerich­tet, Stür­ze zu ver­mei­den. Hier hat sich ein all­ge­mei­nes Lebens­ri­si­ko ver­wirk­licht, für das der Beklag­te nicht ein­zu­ste­hen hat. Die Revi­si­on ist nicht zuge­las­sen wor­den.


Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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