(Kiel)  In einem Urteil vom 25.11.2009 hat­te das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he über die Zuläs­sig­keit eines Lie­fer­stopps des Her­stel­lers von Mar­ken­pro­duk­ten gegen­über einem Fach­händ­ler zu ent­schei­den, der die­se Pro­duk­te über ein Inter­net­auk­ti­ons­haus ver­treibt

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert  Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he vom 25.11.2009, Az.: 6 U 47/08 Kart.


Die Klä­ge­rin ist Fach­händ­le­rin u.a. für Kof­fer, Taschen, Schul­ran­zen und Ruck­sä­cke. Die Beklag­te stellt her und ver­treibt Schul­ran­zen und Schul­ruck­sä­cke der Mar­ken “Scout” und “4YOU”. Sie hat Aus­wahl­kri­te­ri­en für „zuge­las­se­ne Ver­triebs­part­ner“ ent­wi­ckelt, in denen sie qua­li­ta­ti­ve Anfor­de­run­gen an den Ver­trieb der Mar­ken­pro­duk­te über Ein­zel­han­dels­ge­schäf­te und (neben die­sen bestehen­de) Inter­net­shops stellt. Ein Ver­kauf der Pro­duk­te über eBay und ande­re Auk­ti­ons­for­ma­te im Inter­net wird aus­ge­schlos­sen. Die Klä­ge­rin ver­kauf­te die Pro­duk­te trotz einer Abmah­nung der Beklag­ten ein­zeln über eBay. Die Beklag­te stell­te dar­auf­hin die Belie­fe­rung ein. Die Klä­ge­rin hält den Aus­schluss des Ver­triebs über Auk­ti­ons­platt­for­men für kar­tell­rechts­wid­rig und begehrt die wei­te­re Belie­fe­rung mit den Mar­ken­pro­duk­ten.


Das Land­ge­richt Mann­heim hat die Kla­ge mit Urteil vom 14.03.2008 abge­wie­sen. Die Beru­fung der Klä­ge­rin zum 6. Zivil­se­nat (Kar­tell­se­nat) des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he blieb ohne Erfolg, betont Gie­se­ler.


Der Senat führt aus, dass die Wei­ge­rung der Beklag­ten zur Lie­fe­rung an die Klä­ge­rin ange­sichts des kon­kre­ten von der Klä­ge­rin prak­ti­zier­ten Ver­triebs nicht gegen kar­tell­recht­li­che Vor­schrif­ten ver­stößt.


Die Aus­wahl­kri­te­ri­en für “zuge­las­se­ne Ver­triebs­part­ner” stel­len ein soge­nann­tes qua­li­ta­ti­ves selek­ti­ves Ver­triebs­sys­tem dar. Sol­che Ver­triebs­sys­te­me sind unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen vom Anwen­dungs­be­reich des Kar­tell­ver­bots nach Art. 81 EGV und § 1 GWB aus­ge­nom­men. Dabei kommt es u.a. dar­auf an, dass die Aus­wahl der Wie­der­ver­käu­fer an deren fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on und an die Aus­stat­tung ihres Ver­triebs anknüpft und die Anfor­de­run­gen auf die Eigen­schaf­ten der ver­trie­be­nen Pro­duk­te bezo­gen sind. Die Anfor­de­run­gen müs­sen außer­dem ein­heit­lich und dis­kri­mi­nie­rungs­frei durch­ge­führt wer­den.


Das war hier nach Auf­fas­sung des Senats der Fall; dabei ist die Ent­schei­dung des Her­stel­lers und Mar­ken­in­ha­bers, die Pro­duk­te im Markt als hoch­prei­si­ge Qua­li­täts­wa­re zu posi­tio­nie­ren, grund­sätz­lich zu respek­tie­ren. Der Senat ist fer­ner der Auf­fas­sung, dass auch die an den Inter­net­ver­trieb gestell­ten Anfor­de­run­gen grund­sätz­lich nicht zu bean­stan­den sind.


Der von der Klä­ge­rin prak­ti­zier­te Ein­zel­ver­trieb über eBay ist nach Ansicht des Senats mit die­sen zuläs­si­gen Aus­wahl­kri­te­ri­en nicht zu ver­ein­ba­ren, so dass die Wei­ge­rung der Beklag­ten, die Klä­ge­rin wei­ter mit den Mar­ken­pro­duk­ten zu belie­fern, nicht gegen das Kar­tell­ver­bot ver­stößt. Dass eBay auch die Mög­lich­keit eines Ver­triebs über sog. eBay-Shops bie­tet, die nach Dar­stel­lung der Klä­ge­rin ent­spre­chend den Anfor­de­run­gen der Beklag­ten aus­ge­stal­tet wer­den kön­nen, führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung, denn die Klä­ge­rin macht von die­ser Mög­lich­keit kei­nen Gebrauch.


Aus ähn­li­chen Grün­den liegt nach Auf­fas­sung des Senats auch ein Ver­stoß gegen das kar­tell­recht­li­che Behin­de­rungs- und Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot nicht vor. Das Inter­es­se der Klä­ge­rin an der zusätz­li­chen, nach ihrer Dar­stel­lung wirt­schaft­lich güns­ti­gen Absatz­me­tho­de über die Auk­ti­ons­platt­form tritt hin­ter das aner­kann­te Inter­es­se des Her­stel­lers zurück, sei­ne Mar­ken durch die Bin­dung des Ver­triebs in sei­nem Sin­ne zu posi­tio­nie­ren und des­halb die prak­ti­zier­te Ver­triebs­form aus­zu­schlie­ßen. Die Revi­si­on ist nicht zuge­las­sen wor­den.


Gie­se­ler mahn­te, das Urteil zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen u. a. auch auf die  DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de


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