(Kiel) Der 6. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Köln hat eine Klau­sel in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, die eine Ersatz­zu­stel­lung durch Aus­hän­di­gung von Brie­fen und Pake­ten an Haus­be­woh­ner und Nach­barn ermög­licht, ohne zugleich eine Benach­rich­ti­gung des Emp­fän­gers der Sen­dung vor­zu­se­hen, soeben als unwirk­sam ange­se­hen.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Köln vom 02.03.2011 — 6 U 165/10.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat einen Ver­stoß der Klau­sel gegen § 307 Abs. 1 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs (BGB) ange­nom­men und den Paket­dienst­leis­ter im Beru­fungs­ver­fah­ren zur Unter­las­sung der Ver­wen­dung der Ver­trags­be­stim­mung in Ver­trä­gen gegen­über einem Ver­brau­cher ver­ur­teilt. Geklagt hat­te ein Ver­brau­cher­schutz­ver­ein gegen ein Unter­neh­men, das die Beför­de­rung von Pake­ten und Express-Sen­dun­gen anbie­tet. Das Land­ge­richt Köln hat­te die Klau­sel als wirk­sam ange­se­hen und die Kla­ge in ers­ter Instanz abge­wie­sen.

Die All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen des Paket­dienst­leis­ters haben zur Ersatz­zu­stel­lung fol­gen­den Inhalt:

X. darf Sen­dun­gen, die nicht in der in Absatz 2 genann­ten Wei­se abge­lie­fert wer­den kön­nen, einem Ersatz­emp­fän­ger aus­hän­di­gen. Dies gilt nicht für Sen­dun­gen mit dem Ser­vice “Eigen­hän­dig”, Express-Sen­dun­gen mit dem Ser­vice “Trans­port­ver­si­che­rung 25.000,- Euro” und Express-Brie­fe mit dem Ser­vice Trans­port­ver­si­che­rung 2.500,- Euro. Ersatz­emp­fän­ger sind

1. Ange­hö­ri­ge des Emp­fän­gers oder des Ehe­gat­ten, oder

2. ande­re, in den Räu­men des Emp­fän­gers anwe­sen­de Per­so­nen, sowie des­sen Haus­be­woh­ner und Nach­barn, sofern den Umstän­den nach ange­nom­men wer­den kann, dass sie zur Annah­me der Sen­dung berech­tigt sind; Express-Brie­fe wer­den nicht an Haus­be­woh­ner und Nach­barn aus­ge­hän­digt.”

Gegen­stand des gericht­li­chen Ver­fah­rens war nur die Rege­lung zur Ersatz­zu­stel­lung an Haus­be­woh­ner und Nach­barn.

Der Senat sieht eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Ver­trags­part­ners des Paket­dienst­leis­ters im Sin­ne von § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB dar­in, so Dr. Ise­le, dass bei dem durch die Klau­sel vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren der Ersatz­zu­stel­lung an Haus­be­woh­ner und Nach­barn den berech­tig­ten Inter­es­sen des Emp­fän­gers nicht hin­rei­chend Rech­nung getra­gen wird, obwohl dies ohne wei­te­res mög­lich und dem Beför­de­rungs­un­ter­neh­men auch zumut­bar wäre. Das Ober­lan­des­ge­richt erach­tet es als not­wen­dig, dass der Emp­fän­ger einer Sen­dung von die­ser erfährt und davon in Kennt­nis gesetzt wird, wo er sie in Besitz neh­men kann. Da die Klau­sel eine recht­li­che Ver­pflich­tung hier­zu nicht ent­hält, liegt nach Auf­fas­sung des Senats eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Ver­trags­part­ners vor.

Das Urteil ist nicht rechts­kräf­tig. Der Senat hat die Revi­si­on nicht zuge­las­sen, so dass eine Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof nur nach erfolg­rei­cher Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de mög­lich wäre. Eine Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ist bin­nen eines Monats nach Zustel­lung des Urteils ein­zu­le­gen.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, die­se Ent­schei­dung zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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