(Kiel) Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat soeben in der Beru­fungs­in­stanz in einem einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren münd­lich ver­han­delt und ein Urteil des Land­ge­richts Köln vom 05.05.2011 zur Ermög­li­chung der Teil­nah­me an Sport­wet­ten von Per­so­nen, von denen bekannt gewor­den ist, dass sie über­schul­det sind (Pri­vat­in­sol­venz) oder dass sie in Rela­ti­on zu ihrem Ein­kom­men unver­hält­nis­mä­ßi­ge Spiel­ein­sät­ze ris­kie­ren (Emp­fän­ger von Arbeits­lo­sen­geld II mit Spiel­ein­satz von 50,50 Euro), abge­än­dert und den Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung inso­weit zurück­ge­wie­sen.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Köln vom 5. August 2011 zum Urteil, Az.: 6 U 80/11.

Antrag­stel­le­rin in dem einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren ist eine in Mal­ta ansäs­si­ge Gesell­schaft, die in Deutsch­land Glücks­spie­le vor allem über das Inter­net anbie­tet. Antrags­geg­ne­rin ist die Lot­te­rie­ge­sell­schaft des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, die West­deut­sche Lot­te­rie GmbH und Co. KG. Die Antrag­stel­le­rin stützt ihren Unter­las­sungs­an­trag auf den Erwerb von Wett­schei­nen der Sport­wet­te ODDSET durch meh­re­re Test­per­so­nen in Annah­me­stel­len der Antrags­geg­ne­rin in Köln, Hürth und Wes­se­ling. Sie macht gel­tend, sei­tens der Antrags­geg­ne­rin sei gegen Markt­ver­hal­tens­re­geln des Glücks­spiel­staats­ver­tra­ges (GlüStV) ver­sto­ßen wor­den, indem in ver­schie­de­nen Annah­me­stel­len unter ande­rem einer Per­son in Pri­vat­in­sol­venz sowie einem Emp­fän­ger von Arbeits­lo­sen­geld II (auch Hartz IV genannt) mit einem Spiel­ein­satz vom 50,50 Euro die Teil­nah­me an Sport­wet­ten ermög­licht wor­den sei. Den Mit­ar­bei­tern in der Annah­me­stel­le sei auf­grund eines Gesprächs in der Annah­me­stel­le bekannt gewe­sen, dass der Erwer­ber der Wett­schei­ne sich — in einem Fall — in Pri­vat­in­sol­venz befun­den habe und daher über­schul­det sei und — in dem ande­ren Fall — Arbeits­lo­sen­geld II bezie­he und über kein Ver­mö­gen ver­fü­ge.

Das Land­ge­richt Köln hat­te mit Urteil vom 05.05.2011 gestützt auf die eides­statt­li­chen Ver­si­che­run­gen der Test­per­so­nen sei­ne einst­wei­li­ge Ver­fü­gung bestä­tigt, mit der Antrags­geg­ne­rin auf­ge­ge­ben wor­den war, es zu unter­las­sen, den Spie­lern in den genann­ten Kon­stel­la­tio­nen die Teil­nah­me an Sport­wet­ten zu ermög­li­chen. Das Urteil des Land­ge­richts Köln vom 05.05.2011 hat­te zudem die Ver­ur­tei­lung der Antrags­geg­ne­rin zur Unter­las­sung einer Glücks­spiel­teil­nah­me von spiel­ge­sperr­ten Per­so­nen und Min­der­jäh­ri­gen ohne aus­rei­chen­de Kon­trol­le sei­tens der Annah­me­stel­len zum Gegen­stand. Inso­weit hat die Antrags­geg­ne­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ober­lan­des­ge­richt ihre Beru­fung zurück­ge­nom­men.

Der Senat ist der Auf­fas­sung, dass die Vor­aus­set­zun­gen für einen Unter­las­sungs­an­spruch nach § 4 Nr. 11 des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb (UWG), § 8 Abs. 2 des Glücks­spiel­staats­ver­tra­ges (GlüStV) nicht glaub­haft gemacht sind, so Dr. Ise­le.

Aus den Rege­lun­gen in §§ 8 Abs. 2, 21 Abs. 3 GlüStV erge­be sich ein sofor­ti­ges Spiel­ver­bot — wie von der Antrag­stel­le­rin gel­tend gemacht — ohne die in § 12 Abs. 3 des Aus­füh­rungs­ge­set­zes NRW zum Glücks­spiel­staats­ver­trag (GlüStV AG NRW) vor­ge­se­he­ne Anhö­rung des Spie­lers und Über­prü­fung der bekannt gewor­de­nen Umstän­de nicht. Über­dies kön­ne nicht ver­langt wer­den, die genann­ten Per­so­nen unmit­tel­bar — ohne Ein­hal­tung des in § 12 Abs. 3 GlüStV AG NRW vor­ge­se­he­nen Prü­fungs­ver­fah­rens — in die Sperr­kar­tei auf­zu­neh­men. Schließ­lich hat der Senat in der münd­li­chen Ver­hand­lung Beden­ken geäu­ßert, ob die Antrag­stel­le­rin die tat­säch­li­chen Vor­aus­set­zun­gen dafür, dass den Mit­ar­bei­tern der Annah­me­stel­len auf­grund Wahr­neh­mung bekannt gewor­den ist, dass die (Test-)Personen über­schul­det sind oder als Emp­fän­ger von Arbeits­lo­sen­geld II unver­hält­nis­mä­ßi­ge Spiel­ein­sät­ze ris­kie­ren, aus­rei­chend glaub­haft gemacht hat.

Gegen das Urteil des 6. Zivil­se­nats in dem einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren ist ein Rechts­mit­tel nicht gege­ben. Die Antrag­stel­le­rin kann die gel­tend gemach­ten Ansprü­che in einem Haupt­sa­che­ver­fah­ren wei­ter ver­fol­gen.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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