(Kiel) Der Pro­kon-Pro­spekt (Kurz­pro­spekt und Fly­er) ent­hält irre­füh­ren­de Wer­be­aus­sa­gen zur ver­meint­li­chen Sicher­heit und zur angeb­li­chen “maxi­ma­len Fle­xi­bi­li­tät” der Geld­an­la­ge.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht” der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richts (OLG) vom 7.09.2012 zu sei­nem Urteil vom 5.09.2012, Az. 6 U 14/11, mit wel­chem das OLG der Ver­brau­cher­schutz­zen­tra­le Ham­burg Recht gege­ben hat­te, die auf Unter­las­sung der Wer­bung geklagt hat­te.

Das beklag­te Unter­neh­men der Pro­kon-Unter­neh­mens­grup­pe bewirbt soge­nann­te Genuss­rech­te* als Geld­an­la­ge. Ver­brau­cher kön­nen Wer­be­aus­sa­gen in dem Kurz­pro­spekt und Fly­er so ver­ste­hen, als sei die Anla­ge in die Genuss­rech­te eine eben­so siche­re Geld­an­la­ge wie auf einem Spar­buch und als inves­tie­re der Erwer­ber von Genuss­rech­ten direkt in Wind­ener­gie­an­la­gen, wor­aus sich eine Absi­che­rung der Anle­ger durch die Anla­ge in Sach­wer­ten erge­be. Das Unter­neh­men wirbt auch mit der “maxi­ma­len Fle­xi­bi­li­tät” der Geld­an­la­ge.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat ent­schie­den, so Kroll, dass die von den Ver­brau­cher­schüt­zern bean­stan­de­ten Wer­be­aus­sa­gen nicht wei­ter ver­wen­det wer­den dür­fen. Die Wer­be­aus­sa­gen sind unzu­tref­fend und damit unlau­te­re Wer­bung.

Aus der Begrün­dung des Urteils:

1. Die Anla­ge des Gel­des in Genuss­rech­ten stellt kei­ne eben­so siche­re Geld­an­la­ge wie die Geld­an­la­ge bei einer Bank auf einem her­ge­brach­ten Spar­buch dar. Im Fall einer Insol­venz des Unter­neh­mens haben die Erwer­ber der Genuss­rech­te kei­ne gesetz­li­che Siche­rung ihrer Ein­la­gen. Für Spar­gut­ha­ben bei einer Bank besteht dem­ge­gen­über im Fall einer Ban­ken­in­sol­venz ein Anspruch auf Ein­la­gen­si­che­rung bis zu einem Wert von 100.000 Euro pro Spa­rer.

2. Das Kapi­tal, das durch die Ver­ga­be von Genuss­rech­ten ein­ge­sam­melt wird, wird kei­nes­wegs unmit­tel­bar in den Auf- und Aus­bau von Wind­parks gesteckt. Das beklag­te Unter­neh­men selbst besitzt weder Wind­kraft­an­la­gen noch betreibt es sie. Es ver­gibt viel­mehr Dar­le­hen an ande­re Unter­neh­men der Pro­kon-Grup­pe für deren Inves­ti­tio­nen und erwirbt ver­zins­li­che Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­sprü­che. Die Wert­hal­tig­keit der Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­sprü­che nebst Ver­zin­sung steigt und fällt mit der Geld­wert­sta­bi­li­tät.

3. Die Zusa­ge eines Höchst­ma­ßes an Fle­xi­bi­li­tät trifft nicht zu. Sie ist das Ver­spre­chen einer denk­bar kurz­fris­ti­gen und ein­fa­chen Mög­lich­keit zur Wie­der­auf­lö­sung der Geld­an­la­ge. Dies trifft auf die von der Beklag­ten aus­ge­ge­be­nen Genuss­rech­te bei Wei­tem nicht zu. Die Kün­di­gung der Anlei­he ist grund­sätz­lich frü­hes­tens nach Ablauf von drei Kalen­der­jah­ren zuläs­sig und dies nur unter ein­ge­schränk­ten Vor­aus­set­zun­gen. Eine regu­lä­re Kün­di­gungs­mög­lich­keit besteht erst ab fünf Kalen­der­jah­ren mit einer Kün­di­gungs­frist von einem hal­ben Jahr.

*Genuss­rech­te sind eine Betei­li­gungs­form an einer Gesell­schaft, bei der dem Erwer­ber der Genuss­rech­te meist eine vom Gewinn der Gesell­schaft abhän­gi­ge Ver­gü­tung zuge­sagt wird. Der Erwer­ber der Genuss­rech­te hat kein Stimm­recht in der Gesell­schaft. Bei einer Insol­venz der Gesell­schaft erfolgt die Ein­la­gen­rück­zah­lung erst nach der voll­stän­di­gen Befrie­di­gung aller ande­ren Gläu­bi­ger der Gesell­schaft. In die­sem Fall besteht die Mög­lich­keit, dass die Ein­la­ge ganz oder teil­wei­se nicht mehr zurück­ge­zahlt wer­den kann.

Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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