(Kiel) Der 10. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart hat soeben über einen Ver­stoß gegen das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) ent­schie­den und dem Klä­ger eine Ent­schä­di­gung von 900 — € für eine nicht gerecht­fer­tig­te Dis­kri­mi­nie­rung zuge­spro­chen, da ihm wegen sei­ner Haut­far­be der Ein­lass in eine Dis­ko­thek ver­wehrt wur­de.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für Arbeits- und Erbrecht Micha­el Henn, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Stutt­gart vom 12.12.2011 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: 10 U 106/11.

Der Klä­ger mach­te Ansprü­che gegen die Beklag­te gel­tend, weil ihm am 05. Novem­ber 2010 der Zutritt zur Dis­ko­thek der Beklag­ten in Reut­lin­gen mit der Bemer­kung ver­wei­gert wor­den sein soll, es sei­en „schon genug Schwar­ze drin”.

Mit Urteil des Land­ge­richts Tübin­gen vom 29. Juli 2011 wur­de der Kla­ge inso­weit statt­ge­ge­ben, als die Beklag­te dem Klä­ger künf­tig den Zutritt zu ihrer Dis­ko­thek nicht wegen sei­ner Haut­far­be ver­wei­gern darf. Die Kla­ge auf Zah­lung eines Schmer­zens­gel­des von min­des­tens 5.000,- Euro wur­de jedoch wegen der gerin­gen Inten­si­tät des Ein­griffs in die Rech­te des Klä­gers vom Land­ge­richt abge­wie­sen.

Gegen die­ses Urteil des Land­ge­richts Tübin­gen wand­ten sich bei­de Par­tei­en mit Beru­fung und Anschluss­be­ru­fung. Der Klä­ger ver­folg­te sei­nen gel­tend gemach­ten Anspruch auf Schmer­zens­geld in Höhe von min­des­tens 5.000,- Euro fort. Die Beklag­te begehr­te Auf­he­bung des erst­in­stanz­li­chen Urteils und Abwei­sung der Kla­ge.

Die Beru­fung des Klä­gers hat­te zu einem klei­ne­ren Teil Erfolg, wäh­rend die Anschluss­be­ru­fung der Beklag­ten voll­stän­dig zurück­ge­wie­sen wur­de, so Henn.

Nach Anhö­rung des Klä­gers und Beweis­auf­nah­me durch Ver­neh­mung von zwei Zeu­gen konn­te der Senat zwar nicht fest­stel­len, dass ein Tür­ste­her die vom Klä­ger behaup­te­te Äuße­rung gemacht hät­te. Neben unein­heit­li­cher Anga­ben des Klä­gers und des von ihm dazu benann­ten Zeu­gen war dafür ins­be­son­de­re maß­geb­lich, dass die­ser Zeu­ge gro­ße, nicht mehr nach­voll­zieh­ba­re Erin­ne­rungs­lü­cken zu die­sem Abend offen­bar­te. Aller­dings hat ein zwei­ter männ­li­cher Zeu­ge mit dunk­ler Haut­far­be nach Über­zeu­gung des Senats glaub­haft bestä­tigt, am glei­chen Abend eben­falls von den Tür­ste­hern der Beklag­ten abge­wie­sen wor­den zu sein, wäh­rend zwei Beglei­tern mit wei­ßer Haut­far­be der Ein­tritt gestat­tet wor­den sei. Der Senat hat auf die­ser Grund­la­ge fest­ge­stellt, dass die Tür­ste­her der Beklag­ten am frag­li­chen Abend zumin­dest zeit­wei­se jun­gen Män­nern mit dunk­ler Haut­far­be den Ein­lass ver­wehrt haben.

Dies recht­fer­tigt nicht nur das erst­in­stanz­lich aus­ge­spro­che­ne Ver­bot, dem Klä­ger wegen sei­ner Haut­far­be den Ein­lass in die Dis­ko­thek zu ver­weh­ren, son­dern auch eine Ent­schä­di­gung für die damit ver­bun­de­ne, sach­lich nicht gerecht­fer­tig­te Dis­kri­mi­nie­rung.

Die vom Klä­ger ver­lang­te Ent­schä­di­gung von min­des­tens 5.000,- € erach­te­te der Senat jedoch ange­sichts des Gewichts des Vor­falls auch unter Ein­be­zie­hung gene­ral­prä­ven­ti­ver Über­le­gun­gen als über­höht und auch unter Berück­sich­ti­gung des in ande­ren Fäl­len zuge­spro­che­nen Schmer­zens­gel­des für die Miss­ach­tung des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts eines Men­schen als unver­hält­nis­mä­ßig. Das Gericht hielt unter Wür­di­gung aller Umstän­de eine Ent­schä­di­gung nach § 21 Abs. 2 S. 3 AGG in Höhe von 900,- € für ange­mes­sen. Damit ist auch ein Abschre­ckungs­ef­fekt ver­bun­den, weil dies dem Ein­tritt von 150 zah­len­den Gäs­ten an dem besag­ten Abend ent­spricht. Bei den gene­ral­prä­ven­ti­ven Über­le­gun­gen war ein­zu­be­zie­hen, dass an ande­ren Aben­den männ­li­che Per­so­nen mit dunk­ler Haut­far­be Zutritt zur Dis­ko­thek der Beklag­ten gehabt haben und sie daher nicht gene­rell vom Zugang zu die­ser Dis­ko­thek aus­ge­schlos­sen waren, was eine höhe­re Ent­schä­di­gung hät­te recht­fer­ti­gen kön­nen.

Die Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof wur­de nicht zuge­las­sen.

Henn riet, das Urteil zu beach­ten und ver­wies bei Fra­gen u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de

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