(Kiel) In dem Geschmacks­mus­ter-Rechts­streit der Fir­ma Apple Inc., USA, gegen die Sam­sung Elec­tro­nics GmbH, Schwal­bach, und die Sam­sung Elec­tro­nics Co. Ltd., Süd­ko­rea, hat der 20. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf soeben ent­schie­den, dass Sam­sung weder den Tablet-PC „Gala­xy Tab 10.1″ noch den Tablet-PC „Gala­xy Tab 8.9″ in Deutsch­land ver­trei­ben darf.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Düs­sel­dorf vom 31.01.2012 zu sei­nen Urtei­len vom sel­ben Tage, Az.: I 20 U 126/11 und I 20 U 175/11.

Die Fir­ma Apple Inc. wehrt sich gegen die Ein­füh­rung des Sam­sung-Tablet-PCs auf dem deut­schen und euro­päi­schen Markt. Mit Urteil vom 09.09.2011 hat das Land­ge­richt Düs­sel­dorf der deut­schen Toch­ter der süd­ko­rea­ni­schen Sam­sung-Mut­ter­ge­sell­schaft unter­sagt, das „Gala­xy Tab 10.1″ in der Euro­päi­schen Uni­on her­zu­stel­len, ein­zu­füh­ren oder in Ver­kehr zu brin­gen. Der Mut­ter­ge­sell­schaft wur­de dies für das Gebiet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­bo­ten. Hin­sicht­lich der süd­ko­rea­ni­schen Mut­ter schei­de ein euro­pa­wei­tes Ver­bot aus, weil inso­weit kei­ne inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit des Land­ge­richts Düs­sel­dorf gege­ben sei. Apple Inc. habe – was inso­weit für eine Zustän­dig­keit des Land­ge­richts erfor­der­lich gewe­sen wäre — nicht glaub­haft machen kön­nen, dass die deut­sche Toch­ter im Namen der Mut­ter­ge­sell­schaft han­de­le. Gegen die­ses Urteil haben bei­de Par­tei­en Beru­fung ein­ge­legt. Sam­sung erstrebt eine Auf­he­bung des Ver­bots und Apple Inc. eine euro­pa­wei­te Gel­tung des Ver­bots auch gegen­über der süd­ko­rea­ni­schen Mut­ter­ge­sell­schaft.

Mit Beschluss vom 15.09.2011 hat das Land­ge­richt Düs­sel­dorf fer­ner einen Antrag der Apple Inc. zurück­ge­wie­sen, den Ver­trieb des „Gala­xy Tab 8.9″ in der Euro­päi­schen Uni­on zu ver­bie­ten. Das Land­ge­richt war davon aus­ge­gan­gen, dass eine erneu­te Unter­las­sungs­an­ord­nung nicht erfor­der­lich sei, weil die Anord­nung aus dem Urteil vom 09.09.2011 auch den klei­ne­ren Tablet-PC erfas­se. Gegen die­se Ent­schei­dung hat die Fir­ma Apple Inc. sofor­ti­ge Beschwer­de ein­ge­legt.

Nach­dem der 20. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts in bei­den Ver­fah­ren am 20.12.2011 münd­lich ver­han­delt hat­te, hat der Senat am 31.01.2012 ent­schie­den, so Dr. Ise­le, dass der Ver­trieb der bei­den ange­grif­fe­nen Tablet-Model­le in Deutsch­land unzu­läs­sig ist.

Der Ver­trieb des „Gala­xy Tab 10.1″ ver­sto­ße gegen das Gesetz gegen unlau­te­ren Wett­be­werb, weil das Sam­sung-Modell das Apple-Tablet „iPad” in unlau­te­rer Wei­se nach­ah­me (§ 4 Nr. 9 b) Gesetz gegen unlau­te­ren Wett­be­werb). Sam­sung nut­ze das her­aus­ra­gen­de Anse­hen und den Pres­ti­ge­wert des „iPads” unlau­ter aus.

Hin­ge­gen habe Sam­sung nicht das von Apple ein­ge­tra­ge­ne Geschmacks­mus­ter ver­letzt. Hin­sicht­lich des Geschmacks­mus­ter­be­geh­rens hat der Senat — anders als das Land­ge­richt — auch bezüg­lich der Sam­sung-Mut­ter in Süd­ko­rea eine gemein­schafts­wei­te gericht­li­che Zustän­dig­keit ange­nom­men. Die deut­sche Sam­sung-Toch­ter sei als „Nie­der­las­sung” der Sam­sung-Mut­ter anzu­se­hen. An der Bezeich­nung der deut­schen Toch­ter als „Ver­triebs­nie­der­las­sung” im Inter­net müs­se sich Sam­sung Süd­ko­rea fest­hal­ten las­sen. Jedoch sei der Schutz­be­reich des Apple-Geschmacks­mus­ters ein­ge­schränkt. So wei­se eine älte­re US-Patent­an­mel­dung, das soge­nann­te „Ozolins-Design”, das von einem ande­ren Unter­neh­men für einen Flach­bild­schirm bean­tragt wor­den sei, bereits einen rah­men­lo­sen Flach­bild­schirm auf. Im Übri­gen unter­schei­de sich das „Gala­xy Tab 10.1″ aus­rei­chend deut­lich von dem von Apple ange­mel­de­ten Geschmacks­mus­ter. So bestehe das ange­mel­de­te Geschmacks­mus­ter ästhe­tisch wahr­nehm­bar aus zwei Bau­tei­len, einer Scha­le und einer sie abde­cken­den Front­sei­te. Das „Gala­xy Tab 10.1″ sei hin­ge­gen drei­tei­lig auf­ge­baut, es bestehe aus einer Vor­der­sei­te, einer Rück­sei­te und aus einem ver­klam­mern­den Rah­men.

Da der Anwen­dungs­be­reich des Geset­zes gegen unlau­te­ren Wett­be­werb anders als der Gemein­schafts­ge­schmacks­mus­ter­schutz auf Deutsch­land beschränkt ist, gilt das Ver­bot ledig­lich für das Bun­des­ge-biet.

Hin­sicht­lich des „Gala­xy Tab 8.9″ hat das Ober­lan­des­ge­richt sich der Auf­fas­sung des Land­ge­richts ange­schlos­sen, wonach die im Hin­blick auf das „Gala­xy Tab 10.1″ ergan­ge­ne Anord­nung auch das „Gala­xy Tab. 8.9″ erfas­se.

Die heu­ti­ge Ent­schei­dung betrifft nicht das Nach­fol­ge­mo­dell „Gala­xy Tab 10.1 N”. Hin­sicht­lich des Tablets „Gala­xy Tab 10.1 N” hat das Land­ge­richt Düs­sel­dorf am 22.12.2011 münd­lich ver­han­delt und wird am 09.02.2012 eine Ent­schei­dung tref­fen (Akten­zei­chen: 14c O 292/11). Die Ent­schei­dung ist rechts­kräf­tig.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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