(Kiel) Der 1. Kar­tell­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf hält die im Gesetz vor­ge­se­he­ne Ver­zin­sung einer Kar­tell-Geld­bu­ße für ver­fas­sungs­wid­rig und hat die Fra­ge daher dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Ent­schei­dung vor­ge­legt.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Düs­sel­dorf vom 07.06.2011.

Das Bun­des­kar­tell­amt hat­te im Jahr 2005 gegen 16 Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men sowie deren Vor­stän­de und eini­ge lei­ten­de Mit­ar­bei­ter wegen unzu­läs­si­ger Kar­tell­ab­spra­chen Buß­gel­der in Höhe von ca. 150 Mil­lio­nen Euro ver­hängt. Gegen die hier betrof­fe­ne Ver­si­che­rung war ein Buß­geld in Höhe von 6 Mil­lio­nen Euro ver­hängt wor­den. Die Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men hat­ten zwi­schen Juli 1999 und März 2003 wett­be­werbs­be­schrän­ken­de Abspra­chen für die Ver­si­che­rungs­spar­ten der indus­tri­el­len Sach­ver­si­che­run­gen und Trans­port­ver­si­che­run­gen getrof­fen (vgl. die Pres­se­mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf Nr. 10/09 vom 05.03.2009).

Nach­dem das Unter­neh­men zunächst Ein­spruch gegen die Beschei­de des Bun­des­kar­tell­am­tes ein­ge­legt und das Buß­geld­ver­fah­ren vor dem 1. Kar­tell­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts begon­nen hat­te, hat der Ver­si­che­rer im Jahr 2009 dann sei­nen Ein­spruch zurück­ge­nom­men.

Das Bun­des­kar­tell­amt for­der­te nach Zah­lung der fest­ge­setz­ten Geld­bu­ße von dem Ver­si­che­rer mit Beschluss vom 11.03.2011 für die Zeit von April 2005 bis Juli 2009 Zin­sen in Höhe von 1,7 Mil­lio­nen Euro. Die Behör­de hat sich hier­bei auf § 81 Absatz 6 des Geset­zes gegen Wett­be­werbs­be­schrän­kun­gen gestützt, der vor­sieht, dass in einem Kar­tell-Buß­geld­be­scheid fest­ge­setz­te Geld­bu­ßen gegen juris­ti­sche Per­so­nen und Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen zwei Wochen nach Zustel­lung des Buß­geld­be­schei­des zu ver­zin­sen sind. Mit die­ser Zins­re­ge­lung soll ver­mie­den wer­den, dass Ein­sprü­che nur des­halb ein­ge­legt wer­den, um die Zah­lung einer Geld­bu­ße zu ver­zö­gern und sich so einen unge­recht­fer­tig­ten Zins­vor­teil zu ver­schaf­fen.

Der 1. Kar­tell­se­nat hält die Zins­be­stim­mung für ver­fas­sungs­wid­rig und sieht einen Ver­stoß gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­grund­satz (Arti­kel 3 Absatz 1 Grund­ge­setz), so Dr. Ise­le.

So grei­fe die Zins­pflicht nur für Buß­gel­der in Kar­tell-Buß­geld­ver­fah­ren. Geld­bu­ßen aus ande­ren Rechts­be­rei­chen, wie etwa dem Straßenverkehrs‑, Umwelt- oder Daten­schutz­recht, wür­den nicht ver­zinst. Fer­ner gel­te die Zins­pflicht nur für juris­ti­sche Per­so­nen. Ein­zel­kauf­leu­te sowie han­deln­de Per­so­nen (z. B. Vor­stän­de und Geschäfts­füh­rer) müss­ten kei­ne Zin­sen auf ver­häng­te Buß­gel­der zah­len. Dar­über hin­aus sei eine Ver­zin­sung nur dann vor­ge­se­hen, wenn die Kar­tell-Geld­bu­ße in einem Buß­geld­be­scheid fest­ge­setzt wer­de. Wer­de ein Unter­neh­men durch ein gericht­li­ches Urteil zu einer Geld­bu­ße ver­ur­teilt, ent­fal­le die Zins­pflicht. So wer­de auch der Geset­zes­zweck ver­fehlt, weil die gel­ten­de Rege­lung einen Buß­geld­schuld­ner gera­de­zu auf­for­de­re, Ein­spruch ein­zu­le­gen, um sich dann durch ein gericht­li­ches Urteil – zins­frei zu einer Geld­bu­ße ver­ur­tei­len zu las­sen.

Vor dem Ober­lan­des­ge­richt sind par­al­lel gela­ger­te Ver­fah­ren anhän­gig, in denen das Bun­des­kar­tell­amt gegen wei­te­re 14 Indus­trie­ver­si­che­rer Zin­sen in Höhe von ins­ge­samt mehr als 25 Mil­lio­nen Euro fest­ge­setzt hat. Die­se Ver­fah­ren sind bis zur Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zunächst aus­ge­setzt wor­den.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:


Dr. Jan Felix Ise­le, Rechts­an­walt
Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz
 
DANCKELMANN UND KERST
Rechts­an­wäl­te  Nota­re
Main­zer Land­stra­ße 18
60325 Frank­furt am Main
GERMANY
Tele­fon: +49 69 920727–0  (Zen­tra­le)
Tele­fon: +49 69 920727–34 oder ‑39 (Sekre­ta­ri­at)
Tele­fax:  +49 69 920727–60
E‑Mail:   ra.dr.isele@danckelmann-kerst.de
Inter­net: www.danckelmann-kerst.de