(Kiel) Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf (OLG) hat auf Antrag der Fir­ma Tho­net GmbH einem ita­lie­ni­schen Möbelun­ter­neh­men unter­sagt, Nach­bil­dun­gen des von Mart Stam im Jahr 1926 geschaf­fe­nen Frei­schwin­gers zu ver­trei­ben und hier­für zu wer­ben.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das am 24.08.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des OLG Düs­sel­dorf vom 11.08.2009, Az.: I‑20 U 120/08.


Die kla­gen­de Fir­ma Tho­net GmbH besitzt die Nut­zungs- und Ver­triebs­rech­te für einen von Mart Stam im Jahr 1926 ent­wor­fe­nen und 1927 auf der Werk­bund-Aus­stel­lung auf dem Wei­ßen­hof in Stutt­gart aus­ge­stell­ten Frei­schwin­ger. Das beklag­te ita­lie­ni­sche Unter­neh­men hat­te auf der IMM Colo­gne 2007 einen ähn­li­chen Stuhl aus­ge­stellt und zum Ver­kauf ange­bo­ten.


Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat fest­ge­stellt, so Scheel-Pötzl, dass der Mart-Stam-Stuhl als Werk der bil­den­den Kunst wei­ter­hin urhe­ber­recht­lich geschützt sei. Der auf der Möbel­mes­se ange­bo­te­ne Stuhl stel­le eine unzu­läs­si­ge Nach­bil­dung dar.


Der Gesamt­ein­druck des nach­ge­bil­de­ten Stuhls stim­me mit dem Ursprungs­werk über­ein. So wer­de die Stren­ge und Ein­heit­lich­keit der Lini­en­füh­rung sowie die Wür­fel­form des Ori­gi­nals über­nom­men. Es sei hier­bei uner­heb­lich, ob der Quer­schnitt des Strahl­oh­res rund (Ori­gi­nal) oder recht­eckig (Nach­bil­dung) sei. Der Gesamt­ein­druck wer­de auch nicht dadurch beein­träch­tigt, dass das Stahl­rohr bei dem Ori­gi­nal umlau­fend, das Stahl­rohr bei der Nach­bil­dung an der Rücken­flä­che ende. Auch die leich­te Nei­gung der Rücken­leh­ne nach hin­ten bei der Nach­bil­dung stel­le die Grund­form nicht in Fra­ge. Der Urhe­ber­rechts­schutz ent­fal­le auch nicht des­halb, weil hin­ter­bein­lo­se Boden­ge­stel­le bei Stahl­rohr­mö­beln heu­te ein all­ge­mei­nes Stil­ele­ment sei­en.


Das Reichs­ge­richt hat­te sich bereits 1932 und der Bun­des­ge­richts­hof 1961 und 1981 mit Unter­las­sungs­kla­gen in Zusam­men­hang mit dem Mart-Stam-Stuhl befasst und einen weit­rei­chen­den Urhe­ber­rechts­schutz bejaht (vgl. Urteil des BGH vom 27.5.1981, Akten­zei­chen I ZR 102/79 „Stahl­rohr­stuhl II“, Zeit­schrift für Gewerb­li­chen Rechts­schutz und Urhe­ber­recht, 1981, Sei­te 820). Der Obers­te Gerichts­hof in Öster­reich hat­te hin­ge­gen am 19.12.1989 für Öster­reich einen ver­gleich­ba­ren Urhe­ber­rechts­schutz für den Mart-Stam-Stuhl ver­neint.


Der 20. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts hat die Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof nicht zuge­las­sen. Die Beklag­te kann bin­nen einen Monats gegen die Ent­schei­dung Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­le­gen.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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