(Kiel) Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main hat eine Bank dazu ver­pflich­tet, Aus­kunft über das Gut­ha­ben auf einem im Jahr 1959 ein­ge­rich­te­ten “ver­ges­se­nen” Spar­buch zu ertei­len.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das am 02.03.2011 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Frank­furt am Main vom 16.2.2011 — 19 U 180/10.

Der Klä­ger, der in Rechts­nach­fol­ge sei­nes ver­stor­be­nen Vaters erst 2007 in den Besitz des Spar­bu­ches gekom­men ist, hat­te von der beklag­ten Bank zunächst Aus­kunft über das vor­han­de­ne Gut­ha­ben ver­langt sowie — nach Ertei­lung der Aus­kunft — Aus­zah­lung des Gut­ha­bens nebst zwi­schen­zeit­lich ange­fal­le­ner Zin­sen. Das Spar­buch, auf dem seit rund 50 Jah­ren kei­ne Bewe­gung mehr statt­ge­fun­den hat, wies damals ein Gut­ha­ben von rund 106.000,- DM aus. Die beklag­te Bank bestrei­tet die Echt­heit des Spar­bu­ches, die Echt­heit der dar­in ent­hal­te­nen Unter­schrif­ten der Bank­mit­ar­bei­ter sowie deren Zeich­nungs­be­rech­ti­gung, da sich in ihren Auf­zeich­nun­gen und Archi­ven kei­ne Anhalts­punk­te dafür fän­den, dass die im Spar­buch aus­ge­wie­se­ne For­de­rung jemals bestan­den habe.

Das zunächst mit der Sache befass­te Land­ge­richt Frank­furt am Main gab dem Aus­kunfts­ver­lan­gen des Klä­gers statt. Zuvor hat­te es ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten über die Echt­heit des Spar­bu­ches ein­ge­holt.

Die Beru­fung der Bank gegen das Urteil wies der zustän­di­ge 19. Zivil­se­nat des OLG Frank­furt nun­mehr zurück, betont Hün­lein.

Die Echt­heit des Spar­bu­ches kön­ne nach den Fest­stel­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen nicht mehr in Zwei­fel gezo­gen wer­den. Die­ser habe über­zeu­gend dar­ge­legt, dass das Spar­buch kei­ne Anhalts­punk­te für eine Repro­duk­ti­on auf­wei­se und die ver­wen­de­te Tin­te und Kugel­schrei­ber­pas­te bereits 1955 auf dem Markt gewe­sen sei. Dem Spar­buch kom­me danach die Funk­ti­on einer Beweis­ur­kun­de zu. An die Erschüt­te­rung des Beweis­wer­tes eines Spar­bu­ches sei­en beson­ders hohe Anfor­de­run­gen zu stel­len, die nur im Aus­nah­me­fall vor­lä­gen. So könn­ten ins­be­son­de­re die Höhe des Spar­gut­ha­bens und die Dau­er der Umsatz­lo­sig­keit den Beweis­wert nicht erschüt­tern.

Soweit die Bank bestrei­te, dass die in dem Spar­buch neben dem Gut­ha­ben­be­trag bei­gefüg­ten Namens­un­ter­schrif­ten ech­te Unter­schrif­ten von zeich­nungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­tern sei­en, kön­ne sie damit nicht durch­drin­gen. Da dem Klä­ger in der Rol­le des Spa­rers inso­weit die betref­fen­den Umstän­de natur­ge­mäß nicht bekannt sein könn­ten, lie­ge es im Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bank, für den Nach­weis oder das Bestrei­ten der Echt­heit von Unter­schrif­ten in einem Spar­buch geeig­ne­te Geschäfts­un­ter­la­gen auf­zu­be­wah­ren und vor­zu­le­gen, selbst nach Ablauf der han­dels­recht­li­chen Auf­be­wah­rungs­fris­ten. Andern­falls kön­ne eine Bank durch ein­fa­ches Bestrei­ten der Echt­heit der Unter­schrif­ten im Spar­buch den Beweis­wert des Spar­bu­ches fak­tisch auf­he­ben, was nicht hin­nehm­bar sei.
Weder die Spar­buch­for­de­rung selbst noch der Aus­kunfts­an­spruch sei­en im Übri­gen ver­jährt. Der Umstand, dass die Bank kei­ne Kennt­nis mehr von dem Spar­buch gehabt habe, ände­re hier­an nichts.

Das OLG hat die Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­sen. 

Rechts­an­walt Hün­lein emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len um recht­li­chen Rat nach­zu­su­chen, wozu er u. a. auch auf die auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te/-innen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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