(Kiel) Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main (OLG) hat eine Klau­sel für nich­tig erklärt, mit der eine Stadt die Käu­fer von geför­der­ten Grund­stü­cken in einem neu­en Wohn­ge­biet zu einer lang­jäh­ri­gen Selbst­nut­zung ver­pflich­ten woll­te.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Arbeits­recht Dr. Nor­bert Pflü­ger von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das am 01.09.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main (OLG)  vom 27.08.2009, Akten­zei­chen 22 U 213/07.

Die beklag­te hes­si­sche Stadt stell­te in den 1990er Jah­ren nach Erschlie­ßung eines neu­en Wohn­ge­bie­tes Bau­in­ter­es­sen­ten im Rah­men eines sog. „Ein­hei­mi­schen-Modells“ Grund­stü­cke zu güns­ti­gen Prei­sen zur Ver­fü­gung. Die Klä­ger erwar­ben 1995 ein sol­ches Grund­stück zum Preis von 266,- DM/qm — der dama­li­ge wie der (umge­rech­net) aktu­el­le Boden­richt­wert liegt bei 530,- DM/qm. Die Klä­ger errich­te­ten auf dem Grund­stück ein Wohn­haus, das sie 1996 bezo­gen. Der Kauf­ver­trag ent­hält eine Klau­sel, nach der sich die Klä­ger ver­pflich­ten, „das Wohn­haus min­des­tens 20 Jah­re selbst zu bewoh­nen“. Bei Nicht­ein­hal­tung soll­ten sie zur Rück­über­tra­gung des Grund­stücks oder Zuzah­lung von 400,- DM/qm ver­pflich­tet sein. Als die Klä­ger im Jah­re 2006 beab­sich­tig­ten, den Wohn­ort zu wech­seln, beharr­te die beklag­te Stadt auf der Ein­hal­tung der für die­sen Fall ver­ein­bar­ten Zuzah­lung.

Mit der Kla­ge haben die Klä­ger die Fest­stel­lung der Unwirk­sam­keit der Selbst­nut­zungs­klau­sel ver­langt. Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Darm­stadt gab ihnen Recht.

Die hier­ge­gen von der beklag­ten Stadt ein­ge­leg­te Beru­fung hat­te kei­nen Erfolg. Das OLG bestä­tig­te die Ent­schei­dung des Land­ge­richts, betont Pflü­ger.

Nach Auf­fas­sung des für die Ent­schei­dung zustän­di­gen 22. Zivil­se­nats benach­tei­ligt die Klau­sel die Klä­ger als Käu­fer unan­ge­mes­sen. Die von der beklag­ten Stadt for­mu­lier­te Rege­lung schie­ße über ihren Zweck, Boden­spe­ku­la­ti­on zu ver­hin­dern und ein­hei­mi­sche Fami­li­en zu för­dern, deut­lich hin­aus. Die Klau­sel ver­sto­ße als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung — auch wegen der vor­ge­se­he­nen Dau­er der Selbst­nut­zung von 20 Jah­ren — bereits gegen das Grund­recht der Frei­zü­gig­keit, dem Recht, an jedem Ort inner­halb des Bun­des­ge­biets Auf­ent­halt und Wohn­sitz neh­men zu dür­fen (Arti­kel 11 Grund­ge­setz). Über­dies sei die Klau­sel unan­ge­mes­sen, weil sie kei­ne Här­te­fall­re­ge­lung vor­se­he. Schließ­lich fol­ge die Unan­ge­mes­sen­heit zusätz­lich aus der als Sank­ti­on ver­ein­bar­ten Zuzah­lungs­ver­pflich­tung von 400,- DM/qm. Zusam­men mit dem damals geleis­te­ten Kauf­preis über­schrei­te der Qua­drat­me­ter­preis den dama­li­gen wie den heu­ti­gen Grund­stücks­wert, was sich in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen als unzu­läs­si­ge Straf­zah­lung dar­stel­le.

Gegen die Ent­schei­dung ist das Rechts­mit­tel der Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof mög­lich.

Pflü­ger emp­fahl, dies zu beach­ten und in ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -

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