(Kiel) Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main hat soeben die von Aktio­nä­ren der Com­merz­bank erho­be­nen Anfech­tungs- und Nich­tig­keits­kla­gen gegen Beschlüs­se der Haupt­ver­samm­lung vom 15./16.5.2009 zurück­ge­wie­sen und damit die vor­aus­ge­hen­de gegen­tei­li­ge Ent­schei­dung des Land­ge­richts in ers­ter Instanz abge­än­dert.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Erb- und Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert  Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts (OLG)  Frank­furt am Main vom 7.12.2010 — 5 U 29/10.

Die Aktio­nä­re hat­ten neben Form­feh­lern bei der Ein­la­dung zur Haupt­ver­samm­lung ins­be­son­de­re die Nich­tig­keit der Ent­las­tung des Vor­stands und des Auf­sichts­rats für das Geschäfts­jahr 2008 gel­tend gemacht. Der Ent­las­tung ste­he — neben zahl­rei­chen Infor­ma­ti­ons­rechts­ver­let­zun­gen durch unzu­rei­chen­de Beant­wor­tung gestell­ter Fra­gen — vor allem ent­ge­gen, dass bei der Über-nah­me der Dresd­ner Bank von der Alli­anz im Jahr 2008 der Vor­stand die Sorg­falt eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Geschäfts­lei­ters nicht beach­tet habe. Die Über­nah­me sei ein Desas­ter gewe­sen, habe zu einer wirt­schaft­li­chen Schief­la­ge der Com­merz­bank geführt und eine Insol­venz habe nur durch den Ein­stieg des staat­li­chen Ret­tungs­fonds SoFFin (Son­der­fonds Finanz­markt­sta­bi­li­sie­rung) ver­hin­dert wer­den kön­nen. Zudem sei es unter­las­sen wor­den, für die Über­nah­me der Dresd­ner Bank die Zustim­mung der Haupt­ver­samm­lung ein­zu­ho­len.

In sei­ner Ent­schei­dung führt der für die Beru­fung zustän­di­ge 5. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main aus, so Dr. Gie­se­ler, dass die von den Aktio­nä­ren gegen die Beschlüs­se der Haupt­ver­samm­lung 2009 vor­ge­brach­ten Nich­tig­keits- und Anfech­tungs­grün­de nicht durch­grei­fen. Weder sei die Ein­be­ru­fung der Haupt­ver­samm­lung zu bean­stan­den noch sei­en die ange­foch­te­nen Ent­las­tungs­be­schlüs­se nich­tig oder anfecht­bar.

Eine “unge­schrie­be­ne” Zustän­dig­keit der Haupt­ver­samm­lung beim Erwerb der Dresd­ner Bank habe nicht bestan­den. Der Betei­li­gungs­er­werb fal­le in die Rei­he vor­stands­auto­no­mer Geschäfts­füh­rungs­an­ge­le­gen­hei­ten, wenn — wie hier — die Sat­zung eine sog. “Kon­zern­öff­nungs­klau­sel” ent­hal­te, die zu allen Geschäf­ten und Maß­nah­men berech­ti­ge, die geeig­net sei­en, den Gesell­schafts­zweck zu för­dern, ins­be­son­de­re auch durch den Erwerb von Betei­li­gun­gen an ande­ren Unter­neh­men.

Der 5. Zivil­se­nat führt wei­ter aus, dem Vor­stand bzw. Auf­sichts­rat kön­ne nicht vor­ge­wor­fen wer­den, dass er die bei der Aus­übung des unter­neh­me­ri­schen Ermes­sens­spiel­raums zu beach­ten­den Sorg­falts­pflich­ten ver­letzt habe. Dies gel­te auch für die Ver­ein­ba­rung des Kauf­prei­ses für die Dresd­ner Bank, der mit ursprüng­lich rund 8,8 Mil­li­ar­den € jeden­falls nicht ein­deu­tig unan­ge­mes­sen und daher vom unter­neh­me­ri­schen Ermes­sen gedeckt gewe­sen sei. Die Anfech­tung der Ent­las­tungs­be­schlüs­se sei schließ­lich auch nicht unter dem Aspekt unrich­ti­ger, unvoll­stän­di­ger oder ver­wei­ger­ter Ertei­lung von Infor­ma­tio­nen begrün­det. Alle streit­be­fan­ge­nen Fra­gen der Aktio­nä­re sei­en auf der Haupt­ver­samm­lung hin­rei­chend beant­wor­tet wor­den.

Die Ent­schei­dung ist noch nicht rechts­kräf­tig, da sie mit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de beim BGH ange­grif­fen wer­den kann.

Gie­se­ler mahn­te, dies und ggfs. einen Fort­gang zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen dazu u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de

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