(Kiel) Das Ober­lan­des­gericht Frank­furt am Main hat die Ansprüche eines Mannes zurück­gewiesen, der von der Ver­anstal­terin eines Bun­desli­ga­fußball­spiels Schadenser­satz ver­langt, weil er während des Spiels durch einen Feuer­w­erk­skör­p­er ver­let­zt wor­den sein will.

Darauf ver­weist der Kiel­er Recht­san­walt Jens Klar­mann, Lan­desre­gion­alleit­er „Schleswig-Hol­stein“ der DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 08.03.2011 veröf­fentlichte Urteil des Ober­lan­des­gerichts (OLG) Frank­furt am Main vom 24.02.2011 — 3 U 140/10.

Der Kläger war als Rasenpfleger bei einem von der Beklagten im April 2008 in der Com­merzbank-Are­na in Frank­furt am Main ver­anstal­teten Bun­desli­gaspiel einge­set­zt. Während des Spiels wur­den aus den Fan­blöck­en mehrere Feuer­w­erk­skör­p­er gezün­det. Der Kläger behauptet, zumin­d­est ein­er dieser Feuer­w­erk­skör­p­er sei in der Nähe seines Kopfes explodiert. Hier­durch habe er einen dauern­den Hörschaden erlit­ten und lei­de zudem an Kopf­schmerzen, Schwindel und Schlaf­störun­gen. Das Landgericht Frank­furt am Main hat die Klage auf Schmerzens­geld, Ver­di­en­staus­fall und Fest­stel­lung der Ersatzpflicht aller son­sti­gen Schä­den nach der Vernehmung von zwei Zeu­gen abgewiesen, weil eine Ver­let­zung der Sorgfalt­spflicht der Beklagten als Ver­anstal­terin nicht fest­stell­bar sei.

Die hierge­gen ein­gelegte Beru­fung des Klägers zum Ober­lan­des­gericht blieb eben­falls ohne Erfolg, betont Klarmann. 

Der zuständi­ge 3. Zivilse­n­at führt aus, dass der Beklagten eine Ver­let­zung der sie als Ver­anstal­terin tre­f­fend­en Verkehrssicherungspflicht nicht vorzuw­er­fen sei. Auch wenn bei Sportver­anstal­tun­gen, ins­beson­dere Fußball­spie­len, an den Aufwand zum Schutz der Beteiligten beson­ders hohe Anforderun­gen zu stellen seien, weil durch das Aufeinan­dertr­e­f­fen rival­isieren­der, emo­tion­s­ge­laden­er und zum Teil sog­ar gewalt­bere­it­er Fans die Gefahr tätlich­er Auseinan­der­set­zun­gen beste­he, habe die Beklagte die an ihre Sicherungspflicht zu stel­len­den Anforderun­gen “ger­ade noch” erfüllt. Die Beklagte habe bedenken müssen, dass zu den ver­bre­it­eten Risiken von Bun­desli­ga­fußball­spie­len das Abbren­nen pyrotech­nis­ch­er Gegen­stände gehöre und damit erhe­bliche Gefahren für alle Beteiligte ver­bun­den seien. Darüber hin­aus habe die Beklagte auch berück­sichti­gen müssen, dass es sich um ein sog. “Risikospiel” gehan­delt habe, weil es zwis­chen den rival­isieren­den Fans bei­der Mannschaften schon in der Ver­gan­gen­heit zu Auss­chre­itun­gen gekom­men war.

Diesen Gefährdun­gen habe die Beklagte aber — jeden­falls nach dem sein­erzeit üblichen Stan­dard — ein noch aus­re­ichen­des Sicher­heit­skonzept ent­ge­genge­set­zt. Hier­nach seien alle Zuschauer vor dem Betreten des Sta­dions ein­er Kon­trolle — ins­beson­dere auch auf das ver­botene Mit­führen von Feuer­w­erk­skör­pern hin — unter­zo­gen, alle Fans des Gästev­ere­ins zusät­zlich ein zweites Mal vor Betreten des Sta­dion­blocks kon­trol­liert und zudem stich­proben­weise einzelne Fans ein drittes Mal unter­sucht wor­den. Dass mod­erne Sicher­heit­stech­nolo­gien (Met­allde­tek­toren oder Scan­ner), die eine inten­si­vere Unter­suchung der Zuschauer ermöglicht hät­ten, nicht zum Ein­satz gekom­men seien, könne der Beklagten im konkreten Fall nicht vorge­wor­fen wer­den. Zwar könne sie in Anbe­tra­cht der im Profi­fußball erziel­ten Umsätze nicht damit gehört wer­den, dass der Ein­satz dieser Geräte zu kosten­in­ten­siv sei. Die von der Beklagten durchge­führten Kon­trollen hät­ten sich aber im Rah­men dessen gehal­ten, was bei anderen nationalen und inter­na­tionalen Fußball­spie­len aktuell üblich sei. Wenn auch ein höheres Maß an Sicher­heitsvorkehrun­gen zukün­ftig wün­schenswert sei, habe die Beklagte ihrer Verkehrssicherungspflicht genügt, indem sie diejeni­gen Maß­nah­men ergrif­f­en habe, die nach der herrschen­den Mei­n­ung sein­erzeit für erforder­lich gehal­ten wur­den.
Die Entschei­dung ist fak­tisch recht­skräftig, da das OLG eine Revi­sion zum BGH nicht zuge­lassen hat und eine Nichtzu­las­sungs­beschw­erde nicht in Betra­cht kommt.

Klar­mann emp­fahl, dies und einen etwaigen Fort­gang zu beacht­en und bei Fra­gen auf jeden Fall Recht­srat einzu­holen, wobei er in diesem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — verwies.

Für Rück­fra­gen ste­ht Ihnen zur Verfügung:


Jens Klar­mann
Recht­san­walt
Fachan­walt für Arbeit­srecht
DASV Lan­desre­gion­alleit­er „Schleswig-Hol­stein“
Pas­sau, Niemey­er & Col­le­gen
Walk­er­damm 1
24103 Kiel
Tel:  0431 – 974 300
Fax: 0431 – 974 3099
Email: j.klarmann@pani‑c.de
www.pani‑c.de