(Kiel) Augen­ärz­te schul­den einem Pati­en­ten 15.000 Euro Schmer­zens­geld, nach­dem sie eine Netz­haut­ab­lö­sung zu spät erkannt und den Pati­en­ten, anstel­le ihn früh­zei­tig an einen Augen­chir­ur­gen zu über­wei­sen, zu lan­ge mit Laser­ko­agu­la­tio­nen behan­delt hat­ten, so dass der Pati­ent auf einem Auge 90 % sei­ner Seh­kraft ver­lo­ren hat.


Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Rechts­an­walt Alex­an­der Ril­ling von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Hamm 9.04.2014 zu sei­nem Urteil vom 21.02.2014 (26 U 28/13).


Anfang Juni 2009 stell­te der sei­ner­zeit 58 Jah­re alte Klä­ger aus Hövel­hof beim Jog­gen fest, dass auf dem rech­ten Auge nicht mehr rich­tig sehen konn­te. Am nächs­ten Tag begab er sich in die Behand­lung der beklag­ten Augen­ärz­tin aus Pader­born, die zunächst als Urlaubs­ver­tre­te­rin des eben­falls beklag­ten Augen­arz­tes aus dem Kreis Pader­born tätig wur­de. Die Beklag­te stell­te ein Netz­haut­loch und eine Glas­kör­per­blu­tung fest und behan­del­te den Klä­ger mit einer Laser­ko­agu­la­ti­on. Eine Ultra­schall­un­ter­su­chung nahm sie nicht vor. Die Behand­lung wie­der­hol­te sie 10 Tage spä­ter. Mit­te Juni 2009 setz­te der Beklag­te die Behand­lung mit einer 3. Laser­ko­agu­la­tio­nen fort. Eine Ultra­schall­un­ter­su­chung unter­ließ auch er. In der Fol­ge­zeit kam es zu einer Netz­haut­ab­lö­sung, die Anfang Juli 2009 in einer Augen­kli­nik durch eine Glas­kör­per-Ope­ra­tio­nen behan­delt wur­de. Eine Ver­bes­se­rung der Seh­kraft trat dadurch jedoch nicht mehr ein. Die Seh­kraft auf dem rech­ten Auge des Klä­gers ist dau­er­haft um 90 % redu­ziert. Mit der Begrün­dung, er sei behand­lungs­feh­ler­haft nicht täg­lich kon­trol­liert und nicht früh­zei­tig zur Ope­ra­ti­on in eine Augen­kli­nik über­wie­sen wor­den, hat der Klä­ger von den Beklag­ten Scha­dens­er­satz ver­langt, u. a. ein Schmer­zens­geld i. H. v. 20.000 Euro.


Die Kla­ge hat­te über­wie­gend Erfolg, so Ril­ling.


Der 26. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat das dem Klä­ger bereits vom Land­ge­richt zuge­spro­che­ne Schmer­zens­geld i. H. v. 15.000 Euro bestä­tigt. Auf der Grund­la­ge des ein­ge­hol­ten medi­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens ste­he fest, so der Senat, dass die nach 10 Tagen wie­der­hol­te Behand­lung mit einer Laser­ko­agu­la­ti­on nicht mehr indi­ziert gewe­sen sei. Viel­mehr habe der Klä­ger spä­tes­tens zu die­sem Zeit­punkt zum Zwe­cke eines ope­ra­ti­ven Ein­griffs an einen Augen­chir­ur­gen über­wie­sen wer­den müs­sen. Die durch­ge­führ­te Laser­be­hand­lung set­ze neben der Mög­lich­keit der siche­ren und dich­ten Umstel­lung des Netz­haut­lo­ches mit Laser­her­den Sicht­ver­hält­nis­se vor­aus, nach denen fest­ge­stellt wer­den kön­ne, dass die rest­li­che Netz­haut sicher anlie­ge. Die­se Sicht­ver­hält­nis­se sei­en beim Klä­ger nicht mehr vor­han­den gewe­sen. Auf den zen­tra­len Glas­kör­per sei­nes Auges habe man wegen Blut­auf­la­ge­run­gen nicht hin­rei­chend sicher sehen kön­nen. Es habe die Gefahr bestan­den, dass sich Flüs­sig­keit zum Zen­trum des Auges hin ver­la­ge­re und dort unbe­merkt die Netz­haut ablö­se. Bei die­ser Situa­ti­on habe der Klä­ger einem Augen­chir­ur­gen vor­ge­stellt wer­den müs­sen. Zudem habe bereits die Beklag­te die tat­säch­li­che Situa­ti­on der Netz­haut unzu­rei­chend unter­sucht. Sie habe es ver­säumt, die Netz­haut ins­be­son­de­re in ihrem zen­tra­len Bereich bereits zu Beginn der Behand­lung und fort­lau­fend bis zur siche­ren Erkennt­nis über ihren Zustand durch dafür geeig­ne­te Ultra­schall­un­ter­su­chun­gen zu befun­den. Auch der Beklag­te habe dies ver­säumt, als er die Behand­lung fort­ge­setzt habe.


Bei­de Beklag­ten haf­te­ten für die gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen des Klä­gers. Zu sei­nen Guns­ten grei­fe inso­weit eine Beweis­last­um­kehr ein. Zum Einen lie­ge es nahe, die Behand­lungs­feh­ler der Beklag­ten als grob feh­ler­haft zu bewer­ten. Von bei­den sei zum Ande­ren der sehr wahr­schein­lich reak­ti­ons­pflich­ti­ge Befund einer Netz­haut­ab­lö­sung nicht erho­ben wor­den. Auch das recht­fer­ti­ge die Beweis­last­um­kehr, weil es sich eben­falls als grob feh­ler­haft dar­ge­stellt hät­te, einen sol­chen Befund zu ver­ken­nen oder auf ihn nicht rich­tig zu reagie­ren.


Ril­ling riet, bei ähn­lich gela­ger­ten Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u.a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter-ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de -


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