(Kiel) Ein Zahn­arzt hat einen Pati­en­ten über eine pro­the­ti­sche Ver­sor­gung mit­tels Ein­zel­kro­nen oder einer Ver­blo­ckung voll­stän­dig auf­zu­klä­ren, wenn bei­de Behand­lungs­me­tho­den medi­zi­nisch glei­cher­ma­ßen indi­ziert und üblich sind und wesent­lich unter­schied­li­che Risi­ken und Erfolgs­chan­cen auf­wei­sen, so dass der Pati­ent eine ech­te Wahl­mög­lich­keit hat.

 

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Hamm vom 26.02.2014 zu sei­nem Urteil vom 17.12.2013 (26 U 54/13).


Im Jah­re 2007 emp­fahl der Beklag­te, ein in Bochum nie­der­ge­las­se­ner Zahn­arzt, der im Jah­re 1942 gebo­re­nen Klä­ge­rin eine pro­the­ti­sche Neu­ver­sor­gung und glie­der­te sodann neue Brü­cken und Veneers im Unter- und im Ober­kie­fer ein. Im Jah­re 2009 been­de­te die Klä­ge­rin die Zahn­be­hand­lung durch den Beklag­ten und ver­lang­te Scha­dens­er­satz. Unter Hin­weis auf Beschwer­den bei der Nah­rungs­auf­nah­me und über­emp­find­li­che Zäh­ne hat sie gemeint, die neue Ver­sor­gung wei­se unge­nü­gen­de Zahn­kon­tak­te zwi­schen Ober- und Unter­kie­fer auf, es hät­ten Ein­zel­kro­nen und kei­ne ver­block­ten Brü­cken geplant wer­den müs­sen, über die mög­li­che Ver­sor­gung mit Ein­zel­kro­nen sei sie zudem nicht auf­ge­klärt wor­den.


Nach der Anhö­rung eines zahn­me­di­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen hat der 26. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm das der Klä­ge­rin bereits vom Land­ge­richt zuge­spro­che­ne Schmer­zens­geld in Höhe von 6.000 Euro bestä­tigt.


Zwar las­se sich kein Behand­lungs­feh­ler fest­stel­len, weil nicht aus­zu­schlie­ßen sei, dass die mit der Ver­sor­gung des Beklag­ten geschaf­fe­ne Biss­si­tua­ti­on zunächst fach­ge­recht gewe­sen sei und sich erst nach­träg­lich ver­än­dert habe.


Der Beklag­te schul­de aber ein Schmer­zens­geld, weil sei­ne Behand­lung man­gels wirk­sa­mer Ein­wil­li­gung der Klä­ge­rin rechts­wid­rig gewe­sen sei. Er habe es ver­säumt, die Klä­ge­rin über die für den Ober­kie­fer bestehen­de alter­na­ti­ve Behand­lungs­mög­lich­keit einer Ver­sor­gung mit Ein­zel­kro­nen auf­zu­klä­ren. Die­se sei medi­zi­nisch glei­cher­ma­ßen indi­ziert und üblich gewe­sen und habe gegen­über der aus­ge­führ­te Ver­blo­ckung wesent­lich unter­schied­li­che Risi­ken und Erfolgs­chan­cen auf­ge­wie­sen, so dass die Klä­ge­rin eine ech­te Wahl­mög­lich­keit gehabt habe. Ein­zel­kro­nen hät­ten Vor­tei­le gegen­über einer Ver­blo­ckung, weil sie ästhe­tisch anspre­chen­der und bes­ser zu rei­ni­gen sei­en.


In Bezug auf die Zahn­be­hand­lung des Ober­kie­fers habe der Beklag­te die Klä­ge­rin über die Behand­lungs­al­ter­na­ti­ven voll­stän­dig auf­klä­ren und ihr die Ent­schei­dung über über­las­sen müs­sen. Dass er sei­ner Auf­klä­rungs­pflicht genügt habe, habe der Beklag­te nicht bewie­sen.


Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.


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