(Kiel) Ein pri­va­ter Bau­herr ist im Rah­men sei­ner bestehen­den Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht nicht ver­pflich­tet, den beauf­trag­ten Hand­wer­ker anzu­wei­sen, für Dach­ar­bei­ten erfor­der­li­che Siche­rungs­maß­nah­men zu ergrei­fen. Er haf­tet des­we­gen nicht, wenn ein Hand­wer­ker vom Dach stürzt, weil er die gebo­te­ne Absi­che­rung der beauf­trag­ten Dach­ar­bei­ten unter­las­sen hat.


Das, so der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Gerichts vom 24.03.2014 hat der 11. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm am 21.02.2014 im Rah­men eines Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­rens ent­schie­den und die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Land­ge­richts Müns­ter bestä­tigt. (Az. 11 W 15/14).


Der in Anspruch genom­me­ne Bau­herr ließ im Febru­ar 2010 durch den antrag­stel­len­den Elek­tri­ker aus Hei­den eine Pho­to­vol­ta­ik-Anla­ge auf dem Flach­dach sei­ner Hal­le in Velen mon­tie­ren. In Rand­be­reich der Eter­nit-Dach­flä­chen befan­den sich Licht­fel­der aus trans­pa­ren­tem Plas­tik. Ohne Absi­che­rung der Licht­fel­der führ­te der Antrag­stel­ler die Dach­ar­bei­ten aus. Bei den Arbei­ten trat er ver­se­hent­lich auf ein Licht­feld. Die­ses brach. Der Antrag­stel­ler stürz­te auf den ca. 7 m dar­un­ter lie­gen­den Hal­len­bo­den und ver­letz­te sich schwer. Vom Antrags­geg­ner ver­langt er unter Berück­sich­ti­gung sei­nes über­wie­gen­den Mit­ver­schul­dens Scha­dens­er­satz, u.a. ein Schmer­zens­geld in Höhe von 27.000 Euro. Der Antrags­geg­ner habe die ihm als Bau­herrn oblie­gen­den Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten ver­letzt, so der Antrag­stel­ler, weil er kei­ne Anwei­sung zur ord­nungs­ge­mä­ßen Absi­che­rung der Licht­fel­der gege­ben habe.


Der 11. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat die begehr­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe ver­sagt, so Klar­mann.


Der Antrag­stel­ler kön­ne vom Antrags­geg­ner kei­nen Scha­dens­er­satz ver­lan­gen. Als pri­va­ter Bau­herr sei der Antrags­geg­ner im Rah­men sei­ner bestehen­den Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht nicht ver­pflich­tet gewe­sen, den als Hand­wer­ker beauf­trag­ten Antrag­stel­ler anzu­wei­sen, die für die Dach­ar­bei­ten erfor­der­li­chen Siche­rungs­maß­nah­men zu ergrei­fen. Die grund­sätz­lich bestehen­de Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht eines Bau­herrn ver­kür­ze sich, soweit er Hand­wer­ker mit der Aus­füh­rung von Arbei­ten beauf­tra­ge. Als Fach­leu­te sei­en Hand­wer­ker mit den aus der Aus­füh­rung ihrer Arbei­ten für sie selbst und für Drit­te ver­bun­de­nen Gefah­ren ver­traut. Des­we­gen habe der Antrags­geg­ner davon aus­ge­hen dür­fen, dass der Antrag­stel­ler die von den Licht­fel­dern aus­ge­hen­den, sofort ersicht­li­chen Gefah­ren erken­ne und sich auf sie ein­stel­le. Die eige­ne Sicher­heit bei der Aus­füh­rung der Arbei­ten habe ein Hand­wer­ker grund­sätz­lich selbst zu gewähr­leis­ten. Der Bau­herr haf­te im vor­lie­gen­den Fall auch nicht, weil er vor dem Unfall gese­hen habe, dass der Antrag­stel­ler kei­ne spe­zi­el­len Siche­rungs­mit­tel auf das Dach mit­ge­nom­men habe. Er habe anneh­men dür­fen, dass sich der Hand­wer­ker auf ande­re Wei­se schüt­ze, z.B. durch eine beson­ders vor­sich­ti­ge Fort­be­we­gung auf dem Dach. Er habe des­we­gen nicht ein­grei­fen und den Hand­wer­ker zu den Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrif­ten ent­spre­chen­den Siche­rungs­maß­nah­men ver­an­las­sen müs­sen. Für deren Ein­hal­tung sei ein Bau­herr gegen­über einem beauf­trag­ten Fach­mann nicht ver­ant­wort­lich.


Klar­mann emp­fahl daher, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

 

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