(Kiel) Ein Anle­ger ver­kennt einen Bera­tungs­feh­ler des Anla­ge­be­ra­ters nicht grob fahr­läs­sig, wenn er die im Zeich­nungs­schein ent­hal­te­nen pau­scha­len Hin­wei­se auf eine „nicht mün­del­si­che­re Kapi­tal­an­la­ge” und im Anla­ge­pro­spekt abge­druck­te Risi­ko­hin­wei­se nicht zum Anlass genom­men hat, die münd­li­chen Emp­feh­lun­gen und Infor­ma­tio­nen des Anla­ge­be­ra­ters zu hin­ter­fra­gen und auf ihre Rich­tig­keit hin zu über­prü­fen.

Das, so der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht” der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Hamm vom 29.01.2013 hat der 34. Zivil­se­nat des OLG mit Beschluss vom 03.01.2013 (Az. I‑34 W 173/12) ent­schie­den und dem Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag der Klä­ge­rin für eine Scha­dens­er­satz­kla­ge statt­ge­ge­ben.

Im März 2004 betei­lig­te sich die sei­ner­zeit 19 Jah­re alte, erwerbs­lo­se Klä­ge­rin nach Bera­tung und auf Emp­feh­lung des Beklag­ten, einem im Land­ge­richts­be­zirk Hagen ansäs­si­gen selb­stän­di­gen Finanz­dienst­leis­ter, an einem geschlos­se­nen Lea­sing­fonds, der als sog. „blind Pool” aus­ge­stal­tet und als „Steu­er­spar­mo­dell” ins­be­son­de­re auf die Erzie­lung hoher steu­er­li­cher Ver­lust­zu­wei­sun­gen aus­ge­rich­tet war. Die Klä­ge­rin hat­te den ange­leg­ten Geld­be­trag in Höhe von 50.000 € nach dem Tode ihrer Eltern geerbt und woll­te die­sen für die Zukunft gut und sicher ange­legt wis­sen. Die Kapi­tal­an­la­ge führ­te zum Total­ver­lust des ein­ge­setz­ten Kapi­tals. Die Klä­ge­rin hat Pro­zess­kos­ten­hil­fe für eine im Jahr 2012 gegen den Beklag­ten erho­be­ne Scha­dens­er­satz­kla­ge begehrt. Die­ser habe ihr – so die Klä­ge­rin – die Betei­li­gung als siche­re Kapi­tal­an­la­ge emp­foh­len und auf Risi­ken nicht hin­ge­wie­sen. Der Beklag­te hat die Ein­re­de der Ver­jäh­rung erho­ben und gemeint, ange­sichts der im Jah­re 2004 durch­ge­führ­ten Bera­tung sei die drei­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist bei Kla­ge­er­he­bung voll­endet gewe­sen.

Der 34. Zivil­se­nat hat der Klä­ge­rin Pro­zess­kos­ten­hil­fe bewil­ligt, so Kroll.

Von einer Ver­jäh­rung des gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruchs sei nicht aus­zu­ge­hen. Dass die Klä­ge­rin die Hin­wei­se im Zeich­nungs­schein nicht zum Anlass genom­men habe, die von ihr behaup­te­te Falsch­be­ra­tung des Beklag­ten zu hin­ter­fra­gen, recht­fer­ti­ge nicht den Vor­wurf einer den Beginn der Ver­jäh­rungs­frist nach § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB aus­lö­sen­den grob fahr­läs­si­gen Unkennt­nis. Die pau­scha­len Hin­wei­se im Zeich­nungs­schein sei­en schon für sich genom­men inhalt­lich wenig aus­sa­ge­kräf­tig und ins­ge­samt nicht geeig­net, einem „durch­schnitt­li­chen Anle­ger”, geschwei­ge denn einem uner­fah­re­nen Anle­ger wie der Klä­ge­rin, die Anla­ge­ri­si­ken ver­ständ­lich vor Augen zu füh­ren. Abge­se­hen davon habe es im Streit­fall bei dem Grund­satz zu ver­blei­ben, dass ein Anle­ger im All­ge­mei­nen auf das gespro­che­ne Wort sei­nes Bera­ters ver­trau­en dür­fe. Ande­ren­falls blie­be außer Acht, dass der Anle­ger bei sei­ner Anla­ge­ent­schei­dung die beson­de­ren Erfah­run­gen und Kennt­nis­se eines Anla­ge­be­ra­ters oder Ver­mitt­lers in Anspruch neh­me und daher des­sen Rat­schlä­gen und Aus­künf­ten, die die­ser ihm in einem per­sön­li­chen Gespräch unter­brei­te, beson­de­res Gewicht bei­mes­se. In die­sem Fall sei es auch dann nicht als grob fahr­läs­sig anzu­se­hen, wenn der Anle­ger bei gründ­li­cher Lek­tü­re des Zeich­nungs­scheins hät­te erken­nen kön­nen, dass die angeb­lich siche­re Anla­ge wohl­mög­lich vom Bera­ter unge­nann­te oder durch münd­li­che Erklä­run­gen „ver­wäs­ser­te” Risi­ken in sich tra­ge, ein Stu­di­um des Zeich­nungs­scheins aber gera­de im Ver­trau­en auf die Rich­tig­keit der Erklä­run­gen des Bera­ters unter­blie­ben sei.

Nach sum­ma­ri­scher Prü­fung im Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren hat der 34. Zivil­se­nat dem Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such auch im Übri­gen hin­rei­chen­de Erfolgs­aus­sich­ten zuer­kannt. Nach dem Vor­brin­gen der Klä­ge­rin spre­che viel dafür, dass die­se zum einen nicht ord­nungs­ge­mäß über die Risi­ken und Eigen­schaf­ten der streit­ge­gen­ständ­li­chen Kapi­tal­an­la­ge infor­miert und ihr zum ande­ren mit dem in Rede ste­hen­den Fonds eine Geld­an­la­ge emp­foh­len wor­den sei, die weder zu ihren Anla­ge­zie­len und ihrem Anla­ge­ho­ri­zont noch zu ihren per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen gepasst habe.

Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
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