(Kiel) Der Betrei­ber einer Sau­na ist nicht ver­pflich­tet, zur Ver­mei­dung von Unfäl­len beim Sau­na­be­trieb das kör­per­li­che Wohl­be­fin­den der Benut­zer in engen Zeit­ab­stän­den zu kon­trol­lie­ren.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Rechts­an­walt Alex­an­der Ril­ling von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Hamm vom 23.11.2012 zu sei­nem Urteil vom 29.08.2012 (Az. I-12 U 52/12), wel­ches den Hin­ter­blie­be­nen einer in einer Sau­na ver­un­fall­ten und an den Fol­gen ver­stor­be­nen Benut­ze­rin Schmer­zens­geld ver­sagt mit die­ser Begrün­dung ver­sagt hat­te.

Im März 2011 hat­te eine 75 jäh­ri­ge, erfah­re­ne Sau­na­be­nut­ze­rin aus Wit­ten die orts­an­säs­si­ge Sau­na der beklag­ten Betrei­be­rin besucht. Dabei erlitt sie in der 90 °C hei­ßen Sau­na einen Schwä­che­an­fall, der min­des­tens 90 Minu­ten unent­deckt blieb. Sie zog sich Ver­bren­nun­gen drit­ten Gra­des zu, an denen sie weni­ge Mona­te spä­ter ver­starb. Die hin­ter­blie­be­nen Kin­der haben von der Betrei­be­rin Schmer­zens­geld ver­langt, weil ihre Mut­ter bei regel­mä­ßi­gen Kon­troll­gän­gen im Abstand von 30 Minu­ten kei­ne töd­li­chen Ver­bren­nun­gen erlit­ten hät­te und die von der Betrei­be­rin für den Sau­na­be­reich im mehr­stün­di­gen Abstand fest­ge­leg­ten Kon­troll­zei­ten nicht aus­rei­chend gewe­sen sei­en.

Dem hat der 12. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm wider­spro­chen, so Ril­ling, und ein das Kla­ge­be­geh­ren bereits abwei­sen­des, erst­in­stanz­li­ches Urteil des Land­ge­richts Bochum bestä­tigt.

Die Beklag­te habe kei­ne ihr gegen­über der Ver­stor­be­nen oblie­gen­den Sorg­falts- oder Ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ten ver­letzt. Die Sau­na habe über einen Not­schal­ter ver­fügt und sei nach ihrer tech­ni­schen Aus­stat­tung und Ein­rich­tung gefahr­los nutz­bar gewe­sen. Die von der Betrei­be­rin fest­ge­leg­ten Kon­troll­zei­ten sei­en nicht zu bean­stan­den. Nach der vor­herr­schen­den Ver­kehrs­auf­fas­sung sei der Betrei­ber einer Sau­na nicht ver­pflich­tet, in engen Zeit­ab­stän­den regel­mä­ßi­ge Kon­trol­len durch­zu­füh­ren, um das kör­per­li­che Wohl­be­fin­den der Sau­na­be­nut­zer zu über­wa­chen. Die Erwar­tungs­hal­tung der Gäs­te gehe viel­mehr dahin, die Sau­na in Ruhe und ohne stö­ren­de Ein­flüs­se besu­chen zu kön­nen. Die kör­per­li­chen Belas­tun­gen eines Sau­na­be­su­ches sei­en dem Grun­de nach all­ge­mein bekannt. Inso­weit müs­se der Ein­zel­ne, der im Unter­schied zum Betrei­ber sei­nen Gesund­heits­zu­stand ein­schät­zen kön­ne, selbst ent­schei­den, ob er sich den Belas­tun­gen aus­set­zen und das mit einem Sau­na­be­such ver­bun­de­ne gesund­heit­li­che Risi­ko ein­ge­hen wol­le.

Ril­ling riet, das Urteil zu beach­ten und und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de -

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