(Kiel) Ein Hund einer Ver­käu­fe­rin, der sich eigen­mäch­tig in den ein­zi­gen Ein­gangs­be­reich eines Laden­ge­schäfts bege­ben hat und dort so ruht, dass er den Zugang zum Geschäft ver­sperrt, stellt ein gefähr­li­ches Hin­der­nis dar. Ver­letzt sich ein Kun­de beim Ver­las­sen des Geschäfts, weil er über den Hund stürzt, haf­tet die Hun­de­be­sit­ze­rin als Tier­hal­te­rin.

 

Das, so der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Gerichts vom 5.06.2013 hat der 19. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm mit Urteil vom 15.02.2013 (Az. 19 U 96/12) ent­schie­den und inso­weit die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung des Land­ge­richts Hagen abge­än­dert.

 

Die 61jährige Klä­ge­rin aus Gum­mers­bach kauf­te am 28.08.2009 in einem Reit­sport­ge­schäft in Mein­erz­ha­gen ein, in dem die Beklag­te als Ver­käu­fe­rin beschäf­tigt war. Beim Ver­las­sen des Geschäfts stürz­te die Klä­ge­rin über die im Ein­gangs­be­reich lie­gen­de Schä­fer­hün­din der Beklag­ten. Als Hun­de­hal­te­rin nahm die Beklag­te ihre Hün­din mit Zustim­mung des Geschäfts­in­ha­bers regel­mä­ßig ins Laden­ge­schäft mit. Am Unfall­tag hat­te sich die Hün­din eigen­mäch­tig in den ca. 1,5 m von der Kas­se ent­fern­ten Ein­gangs­be­reich bege­ben und ruh­te dort so, dass sie den Zugang zum Geschäft so gut wie ver­sperr­te. Sie war von der Klä­ge­rin, hin­ter deren Rücken sie lag, über­se­hen wor­den, als sich die Klä­ge­rin nach dem Bezah­len an der Kas­se zum Aus­gang bege­ben hat­te. Durch den Sturz zog sich die Klä­ge­rin eine schwe­re Knie­ver­let­zung zu, für die sie von der Beklag­ten Scha­dens­er­satz ver­langt, u.a. ein Schmer­zens­geld in der Grö­ßen­ord­nung von 15.000 €. Die Beklag­te hat gemeint, dass kei­ne Tier­hal­ter­haf­tung ein­grei­fe und die Klä­ge­rin den Sturz auf­grund ihrer Unauf­merk­sam­keit selbst ver­schul­det habe.

 

Der 19. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat die Vor­aus­set­zun­gen einer Tier­hal­ter­haf­tung gemäß § 833 BGB bejaht, so Klar­mann, und die Beklag­te dem Grun­de nach zum umfas­sen­den Scha­dens­er­satz ver­ur­teilt.

Mit dem Sturz der Klä­ge­rin habe sich eine einem Tier typi­scher­wei­se anhaf­ten­de Gefahr ver­wirk­licht, die auf der Unbe­re­chen­bar­keit und Selbst­stän­dig­keit tie­ri­schen Ver­hal­tens beru­he. Die Schä­fer­hün­din sei ein gefähr­li­ches Hin­der­nis gewe­sen, weil sie sich ohne Rück­sicht auf das Publi­kum in den Geschäfts­zu­gang bege­ben und dort geruht habe. Ein solch unbe­küm­mer­tes Ver­hal­ten ent­spre­che der tie­ri­schen Natur. Das begrün­de die Tier­hal­ter­haf­tung. Inso­weit sei nicht dar­auf abzu­stel­len, dass die Hün­din schla­fend und damit regungs­los auf dem Boden gele­gen habe, als die Klä­ge­rin über sie gestürzt sei. Ein Mit­ver­schul­den der Klä­ge­rin sei nicht zu berück­sich­ti­gen, weil die Hün­din für die Klä­ge­rin schwer wahr­nehm­bar gewe­sen sei. Dem­ge­gen­über habe die Beklag­te den Unfall fahr­läs­sig ver­schul­det, weil sie die Klä­ge­rin weder gewarnt noch den Hund aus dem Ein­gangs­be­reich weg­ge­schafft habe, obwohl sie mit ihm dort an sei­nem Lieb­lings­platz rech­ne­te.

 

Klar­mann emp­fahl daher, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

 

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