(Kiel) Die Wer­be­aus­sa­gen, dass eine E‑Zigarette „min­des­tens 1.000mal weni­ger schäd­lich als eine Tabak­zi­ga­ret­te ist“ und als „ein­zi­gen Schad­stoff Niko­tin ent­hält“ sind irre­füh­rend und damit unzu­läs­sig.


Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Hamm vom 8.11.2013 zu sei­nen Beschlüs­sen vom 10.09.2013 und vom 22.10.2013 (4 U 91/13).


Die beklag­te Fir­ma aus Möh­ne­see ver­treibt elek­tro­nisch betrie­be­ne Ziga­ret­ten (E‑Zigaretten) und ent­spre­chen­de Liquids im Inter­net. Die Liquids ent­hal­ten im Wesent­li­chen den Lebens­mit­tel­zu­satz­stoff Pro­py­len­gly­col. Die Beklag­te bewarb die E‑Zigarette u.a. mit den Wor­ten, dass sie „min­des­tens 1.000mal weni­ger schäd­lich ist als die Tabak­zi­ga­ret­te“ und dass „der ein­zi­ge Schad­stoff, den die E‑Zigarette ent­hält, Niko­tin ist. Die­se Wer­bung hat der kla­gen­de Ver­band aus Ber­lin für unzu­tref­fend und damit irre­füh­rend erach­tet und die Beklag­te auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men.


Der 4. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat den bereits vom Land­ge­richt aus­ge­ur­teil­ten Unter­las­sungs­an­spruch bestä­tigt, so Dr. Ise­le.
Die bean­stan­de­ten Wer­be­aus­sa­gen sei­en irre­füh­rend. Eine E‑Zigarette sei ein Genuss­mit­tel. Die Wer­bung für ein Genuss­mit­tel mit dem Hin­weis auf des­sen gerin­ge­re Risi­ken betref­fe das Gesund­heits­we­sen. Auf die­sem Gebiet sei­en Wer­be­aus­sa­gen nur zuzu­las­sen, wenn sie gesi­cher­ter wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis ent­sprä­chen. Das habe der Wer­ben­de dar­zu­le­gen. Eine sol­che Dar­le­gung sei der Beklag­ten in Bezug auf die streit­ge­gen­ständ­li­chen Wer­be­aus­sa­gen nicht gelun­gen. Ein bei­gebrach­tes Gut­ach­ten eines Pro­fes­sors vom Insti­tut für Rechts­me­di­zin in Frank­furt bele­ge nicht, dass die E‑Zigarette min­des­tens 1.000mal weni­ger schäd­lich sei als die Tabak­zi­ga­ret­te. Nach dem Gut­ach­ten sei die E‑Zigarette zwar deut­lich unto­xi­scher, aller­dings gebe es noch kei­ne aus­sa­ge­kräf­ti­gen Unter­su­chun­gen zu ihrer Sicher­heit und den Lang­zeit­fol­gen. Die Ein­schät­zun­gen des Gut­ach­ters recht­fer­tig­ten daher nicht die Aus­sa­ge, die E‑Zigarette sei ein 1.000mal weni­ger schäd­li­ches Pro­dukt. Die wei­te­re Wer­be­aus­sa­ge, nach der Niko­tin der ein­zi­ge Schad­stoff der E‑Zigarette sei, sei nach dem vor­ge­leg­ten Gut­ach­ten sogar unzu­tref­fend. Die­ses sehe den Haupt­be­stand­teil des Liquids, das beim Kon­sum mit­auf­ge­nom­me­ne Pro­py­len­gly­col, nicht als voll­kom­men unbe­denk­lich an. Nach dem Gut­ach­ten sei der Stoff im Ver­hält­nis zu ande­ren schäd­li­chen Stof­fen nur harm­lo­ser („rela­tiv unto­xisch“). Nach einer Stel­lung­nah­me des Bun­des­in­sti­tuts für Risi­ko­be­wer­tung wer­de Pro­py­len­gly­col zudem mit Rei­zun­gen der Nasen-Rachen­schleim­häu­te in Ver­bin­dung gebracht und mit einem tro­cke­nen Mund und einer tro­cke­nen Keh­le als Neben­wir­kun­gen.


Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.


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