(Kiel) Tritt ein Anle­ger im Wege eines Haus­tür­ge­schäfts einem geschlos­se­nen Invest­ment­fonds bei, kann er sei­nen Bei­tritt nor­ma­ler­wei­se bin­nen 14 Tagen wider­ru­fen. Die­se Frist läuft jedoch nicht, wenn er über das ihm gesetz­lich zuste­hen­de Wider­rufs­recht unzu­tref­fend belehrt wur­de. Mit dem Wirk­sam­wer­den des Wider­rufs schei­det er dann aus der Fonds­ge­sell­schaft aus.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Hamm vom 14.03.2013 zu sei­nem Urteil vom 23.01.2013 (I‑8 U 281/11).

Der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau hat­ten im Janu­ar 2008 nach mehr­fa­chen, in ihrem Wohn­haus in Det­mold durch­ge­führ­ten Bera­tungs­ge­sprä­chen ent­schie­den, sich zum Zwe­cke der Kapi­tal­an­la­ge mit einer Ein­la­ge an einem Invest­ment­fonds der Beklag­ten zu betei­li­gen. Nach­dem sie über 22.000 € ein­ge­zahlt hat­ten, erklär­ten sie im Dezem­ber 2009 den Wider­ruf ihrer Betei­li­gun­gen. Die Beklag­te hat gemeint, der Bei­tritt beru­he nicht auf einem Haus­tür­ge­schäft. Die Bei­tritts­er­klä­rung sei zudem im Dezem­ber 2009 nicht mehr zu wider­ru­fen gewe­sen, weil die dafür vor­ge­se­he­ne Frist zuvor abge­lau­fen sei. Die Anle­ger sei­en bei Abga­be ihrer Bei­tritts­er­klä­rung ord­nungs­ge­mäß belehrt wor­den.

Der 8. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat dem kla­gen­den Ver­brau­cher Recht gege­ben, so Hün­lein, und fest­ge­stellt, dass der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau seit Dezem­ber 2009 nicht mehr als Gesell­schaf­ter an der beklag­ten Fonds­ge­sell­schaft betei­ligt sind. Sie hät­ten ihren im Janu­ar 2008 erklär­ten Bei­tritt gem. §§ 355, 312 BGB wirk­sam wider­ru­fen.

Auf den Bei­tritt zu einem Fonds in der Form einer Per­so­nen­ge­sell­schaft sei­en die Regeln über den Haus­tür­wi­der­ruf anzu­wen­den. Ein Haus­tür­ge­schäft lie­ge vor. Dem Bei­tritt sei­en fünf Ver­hand­lun­gen vor­aus­ge­gan­gen, bei denen zusam­men­hän­gen­de Inhal­te bespro­chen wor­den sei­en. Des­we­gen habe eine fort­wir­ken­de Über­ra­schungs­si­tua­ti­on vor­ge­le­gen.

Der Wider­ruf sei im Dezem­ber 2009 mög­lich gewe­sen, weil beim Bei­tritt kei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Wider­rufs­be­leh­rung erteilt wor­den sei. In der hier­zu ver­fass­ten Erklä­rung sei ver­säumt wor­den, den Anle­ger dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er im Fal­le eines Wider­rufs ledig­lich Anspruch auf das Aus­ein­an­der­set­zungs­gut­ha­ben habe, da sich sei­ne Rech­te nach den Grund­sät­zen über die feh­ler­haf­te Gesell­schaft rich­te­ten.

Die­se Fol­ge gel­te auch für den Klä­ger und sei­ne Frau, nach­dem ihr Bei­tritt zu der Fonds­ge­sell­schaft in Voll­zug gesetzt wor­den sei. Sie hät­ten kei­nen Anspruch auf Rück­zah­lung der Ein­la­ge, son­dern auf ein ihnen nach gesell­schafts­ver­trag­li­cher Abwick­lung mög­li­cher­wei­se zuste­hen­des Abfin­dungs­gut­ha­ben, das aber noch geklärt wer­den müs­se.

Rechts­an­walt Hün­lein emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len um recht­li­chen Rat nach­zu­su­chen, wozu er u. a. auch auf die auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te/-innen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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