(Kiel) Die Toch­ter­ge­sell­schaft eines Dort­mun­der Kre­dit­in­sti­tuts schul­det Anle­gern aus Dort­mund Scha­dens­er­satz für eine fehl­ge­schla­ge­ne Anla­ge im Medi­en­fonds VIP 3, nicht aber für eine fehl­ge­schla­ge­ne Anla­ge im Medi­en­fonds VIP 2. Wäh­rend sie die Anle­ger beim Erwerb eines Anteils am VIP 3 auf­grund eines feh­ler­haf­ten Pro­spekts bera­ten und die Pro­spekt­män­gel im Bera­tungs­ge­spräch nicht rich­tig gestellt hat, lag der Bera­tung zur Inves­ti­ti­on in den VIP 2 kein feh­ler­haf­ter Pro­spekt zugrun­de.


Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm (OLG) vom 14.01.2014 zu sei­nen nicht rechts­kräf­ti­gen Urtei­len vom 14.11.2013 (34 U 147/11) und 17.12.2013 (34 U 110/11).


Der Klä­ge­rin des Ver­fah­rens 34 U 147/11, sei­ner­zeit nie­der­ge­las­se­ne Ärz­tin und lang­jäh­ri­ge Kun­din des Dort­mun­der Kre­dit­in­sti­tuts und der Beklag­ten, riet die Beklag­te im Jah­re 2002 zur Betei­li­gung am Medi­en­fonds VIP 2 und im Jah­re 2003 zur Betei­li­gung am Medi­en­fonds VIP 3. Dem Rat fol­gend erwarb die Klä­ge­rin eine Betei­li­gung am VIP 2 zum Nenn­wert von 50.000 Euro und am VIP 3 zum Nenn­wert von 80.000 Euro. Wäh­rend die Betei­li­gung am VIP 2 zu 55 % (27.500 Euro) mit Eigen­ka­pi­tal der Klä­ge­rin und zu 45 % mit einem kon­zep­tio­nell vor­ge­se­he­nen Bank­dar­lehn finan­ziert wur­de, zahl­te die Klä­ge­rin für die Betei­li­gung am VIP 3 den vol­len Nenn­be­trag.


Die Klä­ger des Ver­fah­rens 34 U 110/11, zwei Unter­neh­mer und lang­jäh­ri­ge Kun­den des Dort­mun­der Kre­dit­in­sti­tuts, lie­ßen sich auf Anra­ten die­ses Kre­dit­in­sti­tuts im Jah­re 2003 von der beklag­ten Toch­ter­ge­sell­schaft bera­ten. Letz­te riet dann zu einer Betei­li­gung am VIP 3. Zum Nenn­wert von je 50.000 Euro erwar­ben bei­de Klä­ger eine Betei­li­gung am VIP 3, die sie mit Eigen­ka­pi­tal finan­zier­ten.


Die Fonds­be­tei­li­gun­gen erbrach­ten in der Fol­ge­zeit nicht den erwar­te­ten wirt­schaft­li­chen Erfolg. Im Wege des Scha­dens­er­sat­zes haben die Klä­ger von der beklag­ten Toch­ter­ge­sell­schaft die Rück­ab­wick­lung der Anla­ge­ge­schäf­te ver­langt und behaup­tet, sie sei­en auf der Grund­la­ge eines feh­ler­haf­ten Pro­spekts pflicht­wid­rig falsch bera­ten wor­den.


Im Hin­blick auf die Betei­li­gun­gen am Medi­en­fonds VIP 3 waren die Scha­dens­er­satz­be­geh­ren erfolg­reich. Scha­dens­er­satz für eine Betei­li­gung am Medi­en­fonds VIP 2 hat der 34. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm dem­ge­gen­über nicht zuge­spro­chen.


Unter Berück­sich­ti­gung zwi­schen­zeit­lich erfolg­ter Aus­schüt­tun­gen hat der 34. Zivil­se­nat die Beklag­te dazu ver­ur­teilt, den Klä­gern ihre Betei­li­gun­gen am VIP 3 zu erset­zen. Die Beklag­te habe die Pflicht gehabt, die Klä­ger anle­ger- und objekt­ge­recht zu bera­ten. Die­se Pflicht habe sie ver­letzt. Sie habe die Klä­ger anhand eines für sie erkenn­bar feh­ler­haf­ten Anla­ge­pro­spekts zum VIP 3 bera­ten, ohne die Pro­spekt­män­gel rich­tig zu stel­len. Zu Unrecht bezeich­ne der Pro­spekt den VIP 3 als „Garan­tie­fonds“. Das Anla­ge­kon­zept sehe gar nicht vor, dass die Rück­zah­lung des inves­tier­ten Kapi­tals an die Anle­ger garan­tiert wer­de. Viel­mehr stel­le der Pro­spekt das mit der Zeich­nung der Fonds­be­tei­li­gung ver­bun­de­ne Ver­lust­ri­si­ko unzu­rei­chend und ver­harm­lo­send dar, indem dem Anle­ger eine beson­de­re, aber tat­säch­lich nicht vor­han­de­ne Absi­che­rung des von ihm ein­ge­setz­ten Kapi­tals sug­ge­riert wer­de. Die ange­nom­me­ne Absi­che­rung ihres Anla­ge­ka­pi­tals sei jedoch — wie die per­sön­li­che Anhö­rung der Klä­ger erge­ben habe — ein maß­geb­li­ches Kri­te­ri­um für die Anla­ge­ent­schei­dung gewe­sen. Die Pflicht­ver­let­zung der Beklag­ten fol­ge aus der Ver­wen­dung des fal­schen Pro­spekts. Den Nach­weis, dass ihre Bera­ter die Pro­spekt­feh­ler in den jewei­li­gen Bera­tungs­ge­sprä­chen berich­tigt hät­ten, habe die Beklag­te nicht geführt. Es sei nicht anzu­neh­men, dass die Klä­ger die Anla­ge im VIP 3 auch bei ord­nungs­ge­mä­ßer Auf­klä­rung gezeich­net hät­ten.


Eine Haf­tung der Beklag­ten für die ver­mit­tel­te Anla­ge im Medi­en­fonds VIP 2 hat der 34. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm abge­lehnt, weil der Anla­ge­pro­spekt zu die­sem Fonds kei­ne wesent­li­chen Feh­ler auf­ge­wie­sen und die Klä­ge­rin nicht nach­ge­wie­sen habe, dass sie vom Bera­ter der Beklag­ten nicht anle­ger- und/oder objekt­ge­recht bera­ten wor­den sei.


In bei­den Fäl­len war — so der aus­drück­li­che Hin­weis des 34. Zivil­se­nats des Ober­lan­des­ge­richts Hamm — der Umstand nicht haf­tungs­be­grün­dend, dass die Beklag­te den Klä­gern bei der Ver­mitt­lung der Fonds­be­tei­li­gun­gen die Höhe der von ihr für die Ver­mitt­lung bezo­ge­nen Rück­ver­gü­tun­gen ver­schwie­gen hat­te. In den Fäl­len der gesell­schafts­recht­li­chen Aus­glie­de­rung der Anla­ge­be­ra­tung aus dem Tätig­keits­feld eines Kre­dit­in­sti­tuts in eine 100 %ige Toch­ter­ge­sell­schaft ist die­se Toch­ter­ge­sell­schaft nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes (Urteil vom 19.07.2012, BGH III ZR 308/11) wie ein frei­er Anla­ge­be­ra­ter – und damit anders als das Kre­dit­in­sti­tut selbst – in der Regel nicht zur unge­frag­ten Auf­klä­rung über Ver­mitt­lungs­pro­vi­sio­nen ver­pflich­tet.


Rechts­an­walt Hün­lein emp­fahl daher, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len um recht­li­chen Rat nach­zu­su­chen, wozu er u. a. auch auf die auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te/-innen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

 

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