(Kiel) Der für Urhe­ber­rechts­sa­chen zustän­di­ge 6. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Köln hat mit Urteil vom 31.07.2009 eine unab­hän­gi­ge Köl­ner Thea­ter­in­sze­nie­rung mit Klaus-Kin­ski-Zita­ten unter­sagt.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das am 05.08.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des OLG Köln vom 31.07.2009, Az.:  6 U 52/09.


Die beklag­ten Künst­ler, ein Regis­seur und ein Schau­spie­ler aus Köln, haben es danach zu unter­las­sen, das Stück “Kin­ski — Wie ein Tier in einem Zoo” auf­zu­füh­ren und/oder auf­füh­ren zu las­sen, solan­ge dar­in bestimm­te Tex­te und Inter­view­äu­ße­run­gen von Klaus Kin­ski ver­wen­det wer­den. Außer­dem haben sie den Erben Klaus Kin­skis dar­über Aus­kunft zu ertei­len, wel­che Ein­nah­men mit dem Stück erzielt wor­den sind und müs­sen die aus der Urhe­ber­rechts­ver­let­zung resul­tie­ren­den Schä­den erset­zen. Das anders­lau­ten­de Urteil des Land­ge­richts Köln, das die Kla­ge noch abge­wie­sen hat­te, wur­de ent­spre­chend abge­än­dert, betont Scheel-Pötzl.


Das Thea­ter­stück ent­hält zahl­rei­che, teil­wei­se abge­wan­del­te Tex­te aus den von Klaus Kin­ski ver­fass­ten Büchern “Jesus Chris­tus Erlö­ser” und “Ich brau­che Lie­be”, der Samm­lung von ihm ver­fass­ter Gedich­te “Fie­ber” sowie Äuße­run­gen Klaus Kin­skis in einem Inter­view mit der Zeit­schrift “Stern” und in einer Talk­show des WDR. Die über­nom­me­nen Pas­sa­gen machen ca. ein Drit­tel des Ein-Mann-Thea­ter­stücks aus, das eine Gesamt­län­ge von etwa 50 Minu­ten hat. Die Ex-Frau des 1991 gestor­be­nen Kin­ski, Min­hoi Lao­nic, und der gemein­sa­me Sohn Niko­lai Kin­ski des Schau­spie­lers hat­ten gel­tend gemacht, die Auf­füh­rung ver­let­ze die von ihnen gehal­te­nen Urhe­ber­rech­te Kin­skis. Die beklag­ten Künst­ler hat­ten die Vor­wür­fe zurück­ge­wie­sen und argu­men­tiert, die Nut­zung der Zita­te sei im Rah­men einer frei­en Bear­bei­tung legi­tim.


Anders als das Land­ge­richt, das die Nut­zung und Bear­bei­tung der Zita­te als ein zuläs­si­ges Mit­tel künst­le­ri­scher Gestal­tung ange­se­hen hat­te, gehen die Rich­ter des Ober­lan­des­ge­richts von einer Ver­let­zung des Urhe­ber­rechts an den Wer­ken Klaus Kin­skis aus, das sei­ner Ex-Frau und sei­nem Sohn als Erben zuste­he, so Scheel-Pötzl.


Nach dem Inhalt der Urteils­be­grün­dung haben die Künst­ler durch die öffent­li­che Auf­füh­rung des Thea­ter­stü­ckes eine Ver­wer­tung des Wer­kes vor­ge­nom­men, zu der sie nicht berech­tigt gewe­sen sei­en. Als blo­ßes Zitat im Sin­ne des Urhe­ber­rechts­ge­set­zes sei die Ver­wer­tung nicht erlaubt, da die von Klaus Kin­ski stam­men­den Pas­sa­gen in dem Thea­ter­stück nicht kennt­lich gemacht, son­dern mit dem übri­gen Text ver­wo­ben und damit als eige­ne geis­ti­ge Schöp­fung aus­ge­ge­ben wor­den sei­en.


Das Thea­ter­stück stel­le sich auch nicht als zuläs­si­ge freie Bear­bei­tung des Wer­kes von Klaus Kin­ski in dem Sin­ne dar, dass ange­sichts der beson­de­ren Eigen­art und Selb­stän­dig­keit des neu­en Wer­kes die Indi­vi­dua­li­tät des geschütz­ten älte­ren Wer­kes ver­blass­te. Ange­sichts der nur gerin­gen Ände­run­gen der benutz­ten Kin­ski-Pas­sa­gen kön­ne von einer frei­en Bear­bei­tung durch die Köl­ner Künst­ler kei­ne Rede sein. Der not­wen­di­ge Abstand zum Ursprungs­werk wer­de nicht erreicht, das Ori­gi­nal blei­be ohne wei­te­res erkenn­bar. Ein neu­er Sinn wer­de dem Werk Kin­skis auch nicht dadurch bei­gelegt, dass die Zita­te in eine ande­re Rei­hen­fol­ge und einen ande­ren Zusam­men­hang gebracht wür­den. Es sei auch kein inne­rer Abstand zum Alt­werk her­ge­stellt wor­den, etwa durch das Mit­tel der Par­odie oder durch die Schaf­fung einer neu­en Werk­form. Beim Ver­gleich der Aus­sa­gen Kin­skis und dem Thea­ter­stück ergä­ben sich kei­ne der­art aus­ge­präg­ten Unter­schie­de, dass von einem selb­stän­di­gen Werk mit dem hier­für erfor­der­li­chen inne­ren Abstand aus­ge­gan­gen wer­den könn­te. Ent­ge­gen der Behaup­tung der Künst­ler lie­ße das Stück auch nicht erken­nen, dass die Per­son Klaus Kin­skis ledig­lich exem­pla­risch her­an­ge­zo­gen wer­de. Viel­mehr ver­mit­te­le es eher den Ein­druck, dass es das Unge­wöhn­li­che, Bei­spiel­lo­se der Per­son Klaus Kin­skis dar­stel­le. Wegen der Ver­let­zung des Urhe­ber­rechts haf­ten die Künst­ler auf Scha­den­er­satz, des­sen Höhe aber noch nicht fest­steht.


Die Revi­si­on gegen das Urteil wur­de vom Senat nicht zuge­las­sen; die beklag­ten Künst­ler kön­nen aller­dings bin­nen eines Monats nach Zustel­lung des Urteils Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zum Bun­des­ge­richts­hof erhe­ben.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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