(Kiel) Der unter ande­ren für die so genann­te Klau­sel­kon­trol­le zustän­di­ge zwei­te Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart hat soeben über All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen in so genann­ten Ries­ter-Ren­ten­ver­trä­gen ent­schie­den, die sich mit der Fra­ge der Kos­ten­über­schuss­be­tei­li­gung beschäf­ti­gen.


Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts (OLG) Stutt­gart vom 23.01.2014 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: 2 U 57/13.


Die Klä­ger ver­lan­gen von der Beklag­ten die Unter­las­sung der Ver­wen­dung von Klau­seln zu die­ser The­ma­tik. In den All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen der Beklag­ten wird aus­ge­führt, dass die Ver­si­che­rungs­neh­mer an den Kos­ten­über­schüs­sen zu betei­li­gen sind. Aus wei­te­ren Klau­sel­wer­ken und Bedin­gun­gen ergibt sich, dass eine Kos­ten­über­schuss­be­tei­li­gung tat­säch­lich erst bei einem Garan­tie­ka­pi­tal oder Min­dest­wert von 40.000,00 € aus­be­zahlt wird. Die Klä­ger sind der Auf­fas­sung, dass die erst über meh­re­re Sta­tio­nen im Sin­ne eines „Hür­den­laufs“ oder einer „Schnit­zel­jagd“ erfass­ba­ren Rege­lun­gen nicht trans­pa­rent sind, die Beklag­te stellt dar­auf ab, dass die Kom­ple­xi­tät der Erläu­te­run­gen an der schwie­ri­gen Mate­rie lie­ge.


Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Beru­fung der Beklag­ten gegen die zur Unter­las­sung ver­ur­tei­len­de Ent­schei­dung des Land­ge­richts Stutt­gart zurück­ge­wie­sen und das Ver­bot einer Ver­wen­dung der Klau­seln bestä­tigt, so Kroll.


Die ver­wen­de­ten Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen sind nicht aus­rei­chend trans­pa­rent. Mit den All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen wird bei einem durch­schnitt­lich ver­stän­di­gen Ver­si­che­rungs­neh­mer der Ein­druck erweckt, er wer­de an den Kos­ten­über­schüs­sen betei­ligt. Die Klau­sel­wer­ke machen aber nicht aus­rei­chend deut­lich, dass bestimm­te Ver­trags­ka­te­go­ri­en von der Kos­ten­über­schuss­be­tei­li­gung ganz aus­ge­schlos­sen sind. Da für das Kol­lek­tiv der Ver­si­che­rungs­neh­mer ein stän­di­ger Auf­bau von Über­schüs­sen skiz­ziert und eine Min­dest­teil­ha­be dar­an ver­spro­chen wer­de, sehe sich der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer als Teil­ha­ber an dem Wirt­schafts­er­geb­nis der Ver­si­che­rung. Eine sol­che Erwar­tung bestehe schon all­ge­mein, da ansons­ten ein Spar­ver­trag mit fes­ten Zin­sen gewählt wer­den könn­te. Die Betei­li­gung (auch) an den Kos­ten­über­schüs­sen einer Ver­si­che­rung stel­le gera­de das ver­lo­cken­de, das — jeden­falls jahr­zehn­te­lang — Vor­teil­haf­te die­ser Anla­ge- und Anspar­form dar. Das dem­ge­gen­über bestimm­te Ver­trags­ka­te­go­ri­en an dem bewor­be­nen Vor­teil der Anla­ge­form über­haupt nicht teil­ha­ben, wird nach Auf­fas­sung des Urteils nir­gends ersicht­lich, obwohl die Beklag­te ein­fach sinn­ge­mäß anfü­gen und erläu­tern könn­te, dass Klein­spa­rer von der Kos­ten­über­schuss­be­tei­li­gung aus­ge­schlos­sen sein kön­nen.


Der Senat hat eine Revi­si­on nicht zuge­las­sen. Obwohl der Streit­wert des Beru­fungs­ver­fah­rens ledig­lich auf 5.000,00 € fest­ge­setzt wur­de, ist den­noch eine so genann­te Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zum Bun­des­ge­richts­hof mög­lich, weil inso­weit auf die Beschwer abzu­stel­len ist, die vom Bun­des­ge­richts­hof regel­mä­ßig höher ange­nom­men wird (BGH, Beschluss vom 18. April 2013, Az. I ZR 199/13, Rn. 4; BGH, Urteil vom 24. Janu­ar 2013, I ZR 174/11 Rn. 10 ff.).


Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

 

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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
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Lei­ter des Fach­aus­schus­ses XIV „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“
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