(Kiel) Der 9. Senat des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts NRW hat soeben ent­schie­den, dass Frisch­was­ser­men­gen, die für die Gar­ten­be­wäs­se­rung ver­wen­det wor­den sind, bei der Berech­nung von Schmutz­was­ser­ge­büh­ren in Abzug zu brin­gen sind.

Die in den Ent­wäs­se­rungs­ge­büh­ren­sat­zun­gen der beklag­ten Stadt Bie­le­feld für die streit­be­fan­ge­nen Gebüh­ren­jah­re 2007 bis 2010 ent­hal­te­ne Rege­lung, nach der erst Men­gen über 20 cbm abge­zo­gen wer­den (sog. Baga­tell­gren­ze, die sich auch in den Gebüh­ren­sat­zun­gen vie­ler ande­rer Gemein­den fin­det), ist unwirk­sam. Auf die Kla­ge eines Bie­le­fel­der Grund­stücks­ei­gen­tü­mers hob das Gericht den Gebüh­ren­be­scheid für die betref­fen­den Jah­re des­halb inso­weit auf.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Ver­wal­tungs­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts (OVG) NRW vom 3.12.2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. 9 A 2646/11.

In der münd­li­chen Urteils­be­grün­dung führ­te die Vor­sit­zen­de aus:

Bei der Berech­nung von Schmutz­was­ser­ge­büh­ren wer­de nach dem sog. Frisch­was­ser­maß­stab die Schmutz­was­ser­men­ge anhand des vom Gebüh­ren­schuld­ner bezo­ge­nen Frisch­was­sers berech­net. Die­ser Wahr­schein­lich­keits­maß­stab (wahr­schein­lich wird so viel Was­ser in die Abwas­ser­an­la­ge ein­ge­lei­tet wie bezo­gen wor­den ist) sei zuläs­sig, sofern die Sat­zung vor­se­he, dass nach­weis­lich der Abwas­ser­an­la­ge nicht zuge­führ­te Men­gen — etwa im Fal­le gärt­ne­ri­scher oder gewerb­li­cher Nut­zung — abge­zo­gen wer­den.

Die Rege­lung einer Baga­tell­gren­ze für die Abzugs­men­ge sei an dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­ge­bot (Art. 3 Abs. 1 Grund­ge­setz) zu mes­sen. Eine Ungleich­be­hand­lung sei danach nur zuläs­sig, wenn sie sich durch hin­rei­chend gewich­ti­ge sach­li­che Grün­de recht­fer­ti­gen las­se. Das sei hier nicht der Fall. Ein Gebüh­ren­pflich­ti­ger, der 20 cbm Was­ser für die Gar­ten­be­wäs­se­rung ver­wen­de, müs­se dafür bis zu 59,40 Euro Schmutz­was­ser­ge­büh­ren ent­rich­ten, obwohl er die öffent­li­che Abwas­ser­an­la­ge nach­weis­bar inso­weit nicht in Anspruch neh­me. Der mit der Berück­sich­ti­gung auch gerin­ge­rer, tat­säch­li­cher Abzugs­men­gen ver­bun­de­ne Ver­wal­tungs­auf­wand recht­fer­ti­ge die­se Ungleich­be­hand­lung nicht. Er kön­ne durch sach­ge­rech­te Rege­lun­gen in der Sat­zung ein­ge­grenzt wer­den, zumal der Nach­weis der Abzugs­men­gen dem Gebüh­ren­pflich­ti­gen auf­er­legt wer­den kön­ne.

Der Senat hat die Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht zuge­las­sen. Dage­gen ist Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de mög­lich, über die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schei­det.

Rechts­an­walt Hün­lein emp­fahl, dies zu beach­ten und in ver­wal­tungs­recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten ggfs. recht­zei­tig um recht­li­chen Rat nach­zu­su­chen, wozu er u. a. auch auf die auf Ver­wal­tungs­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te/-innen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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