(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass der Her­stel­ler eines Kraft­fahr­zeu­ges den Ver­trieb von Spiel­zeug­mo­dell­au­tos, die als ver­klei­ner­te Nach­bil­dung sei­nes Ori­gi­nal­fahr­zeugs auch die Mar­ke des Ori­gi­nal­her­stel­lers an der ent­spre­chen­den Stel­le tra­gen, nicht unter Beru­fung auf sei­ne Mar­ken­rech­te ver­bie­ten kann.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hof (BGH) vom 14. Janu­ar 2010, Az.: I ZR 88/08 – Opel-Blitz II.


Die Klä­ge­rin, die Adam Opel GmbH, ist Inha­be­rin einer für Kraft­fahr­zeu­ge und Spiel­zeug ein­ge­tra­ge­nen Bild­mar­ke, die das Opel-Blitz-Zei­chen wie­der­gibt. Sie wen­det sich gegen den Ver­trieb eines funk­ge­steu­er­ten Spiel­zeug­au­tos der Beklag­ten, das ein ver­klei­ner­tes Abbild eines Opel Astra V8 Cou­pé dar­stellt und am Küh­ler­grill das Opel-Blitz-Zei­chen trägt.


Das Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth hat zu der Fra­ge, ob die­se Nach­bil­dung in ver­klei­ner­tem Maß­stab eine unzu­läs­si­ge Mar­ken­be­nut­zung dar­stellt, eine Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ein­ge­holt. Die­ser hat ent­schie­den, dass es maß­geb­lich auf die von dem vor­le­gen­den Gericht zu tref­fen­de Fest­stel­lung ankom­me, ob die ange­spro­che­nen Ver­kehrs­krei­se das iden­ti­sche Zei­chen auf den Spiel­zeug­mo­dell­au­tos als Anga­be dar­über ver­stün­den, die­se stamm­ten von der Klä­ge­rin oder einem mit ihr wirt­schaft­lich ver­bun­de­nen Unter­neh­men.


Das Land­ge­richt hat die u.a. auf Unter­las­sung und Scha­dens­er­satz gerich­te­te Kla­ge dar­auf­hin abge­wie­sen. Es hat ange­nom­men, der Ver­kehr sehe die auf einem ver­klei­ner­ten Abbild eines gro­ßen Ori­gi­nal­fahr­zeugs an der rich­ti­gen Stel­le ange­brach­te Mar­ke als einen Teil des Modell­fahr­zeugs an und rech­ne sie weder dem Her­stel­ler des Vor­bilds zu noch gehe er von wirt­schaft­li­chen, ins­be­son­de­re lizenz­ver­trag­li­chen Bezie­hun­gen zwi­schen den Her­stel­lern des Vor­bilds und des Spiel­zeug­mo­dells an.


Das Beru­fungs­ge­richt hat die­se Auf­fas­sung bestä­tigt. Die Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te kei­nen Erfolg. Eine Ver­let­zung der für Spiel­zeug ein­ge­tra­ge­nen Mar­ke der Klä­ge­rin hat der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint, betont Scheel-Pötzl.


Zwar lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen einer Mar­ken­ver­let­zung inso­weit vor, als es sich bei der Anbrin­gung des Opel-Blitz-Zei­chens auf dem Spiel­zeug­au­to der Beklag­ten um die Benut­zung eines mit der Kla­ge­mar­ke iden­ti­schen Zei­chens für iden­ti­sche Waren (Spiel­zeug) han­delt. Dadurch wer­den jedoch weder die Haupt­funk­ti­on der Mar­ke, die Ver­brau­cher auf die Her­kunft der Ware (hier: Spiel­zeug­au­to) hin­zu­wei­sen, noch sons­ti­ge Mar­ken­funk­tio­nen beein­träch­tigt, weil die ange­spro­che­nen Ver­brau­cher das Opel-Blitz-Zei­chen auf den Spiel­zeug­au­tos der Beklag­ten nur als – ori­gi­nal­ge­treue – Wie­der­ga­be der Mar­ke ver­ste­hen, die das nach­ge­bil­de­te Auto der Klä­ge­rin an der ent­spre­chen­den Stel­le trägt. Das Opel-Blitz-Zei­chen wird nur als Abbil­dungs­de­tail der Wirk­lich­keit ange­se­hen. Die Ver­brau­cher sehen dar­in folg­lich kei­nen Hin­weis auf die Her­kunft des Modell­au­tos.


Soweit die Mar­ke der Klä­ge­rin für Kraft­fahr­zeu­ge ein­ge­tra­gen ist, han­delt es sich nicht um ähn­li­che Waren (Spiel­zeug­au­tos und Kraft­fahr­zeu­ge), so dass auch die Annah­me einer Mar­ken­ver­let­zung wegen Begrün­dung einer Ver­wechs­lungs­ge­fahr aus­schei­det. Unter dem Gesichts­punkt des Schut­zes einer – für Kraft­fahr­zeu­ge – bekann­ten Mar­ke ist eine Mar­ken­ver­let­zung gleich­falls zu ver­nei­nen. Inso­weit fehlt es an einer unlau­te­ren Beein­träch­ti­gung oder Aus­nut­zung des Rufs der für Kraft­fahr­zeu­ge ein­ge­tra­ge­nen Mar­ke der Klä­ge­rin.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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