(Kiel)  Das Land­ge­richt Ham­burg hat soeben in einem Rechts­streit der Ham­bur­ger Ver­brau­cher­zen­tra­le und eines Ham­bur­ger Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens ent­schie­den, dass bei Prä­mi­en­ra­ten­zah­lungs­klau­seln in Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen für den erho­be­nen Raten­zu­schlag auch der effek­ti­ve Jah­res­zins­satz aus­ge­wie­sen wer­den muss.

Andern­falls kann das Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men den Raten­zu­schlag nicht unter Beru­fung auf die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen ver­lan­gen.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Land­ge­richts (LG) Ham­burg vom 05.05.2011, Az.: 312 O 334/10.

Die beklag­te Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft räumt ihren Kun­den beim Abschluss von Ren­ten- und kapi­tal­bil­den­den Lebens­ver­si­che­run­gen für die Prä­mi­en­zah­lung eine Wahl­mög­lich­keit ein: Ent­we­der zahlt der Kun­de die gesam­te Prä­mie zu Beginn des Jah­res oder er begleicht die Ver­si­che­rungs­prä­mie in halb­jähr­li­chen, vier­tel­jähr­li­chen bzw. monat­li­chen Raten. Ent­schei­det der Kun­de sich für letz­te­ren Weg, wird aller­dings ein sog. Raten­zu­schlag erho­ben. In den vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gun­gen des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens wird für den Fall der unter­jäh­ri­gen Zah­lung auf den Raten­zu­schlag hin­ge­wie­sen. Ein effek­ti­ver Jah­res­zins­satz (wie bei einem Kre­dit) wird jedoch nicht ange­ge­ben. Hier­in sieht die Ver­brau­cher­zen­tra­le einen Ver­stoß gegen ver­brau­cher­schüt­zen­de Vor­schrif­ten.

Die zustän­di­ge Wett­be­werbs­kam­mer des Land­ge­richts hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben, so Kroll.

Die ver­wen­de­ten Klau­seln sei­en aus meh­re­ren Grün­den unwirk­sam. Ins­be­son­de­re ver­stie­ßen sie gegen das Preis­an­ga­ben­recht. Wer­de dem Kun­den gegen Auf­preis eine Raten­zah­lungs­mög­lich­keit ein­ge­räumt, so stel­le die­ser ent­gelt­li­che Zah­lungs­auf­schub einen Kre­dit dar. Ent­spre­chend müss­ten nach der auch für Kre­dit­ver­trä­ge gel­ten­den Preis­an­ga­ben­ver­ord­nung die zusätz­lich ent­ste­hen­den Gesamt­kos­ten als effek­ti­ver Jah­res­zins aus­ge­wie­sen wer­den. Außer­dem sei­en die Klau­seln auch des­halb unwirk­sam, weil sie gegen das für all­ge­mei­ne Ver­trags­be­din­gun­gen gel­ten­de Trans­pa­renz­ge­bot ver­stie­ßen. Der Ver­brau­cher wer­de unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt, da er nicht erken­nen kön­ne, wie hoch die Zuschlä­ge für die ver­schie­de­nen Arten der unter­jäh­ri­gen Zah­lung tat­säch­lich aus­fie­len. Weder in den frag­li­chen Klau­seln noch an ande­rer Stel­le der Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge sei hier­über aus­rei­chend infor­miert wor­den.

Das beklag­te Unter­neh­men darf nach dem Urteil die frag­li­chen Ver­trags­klau­seln nicht wei­ter ver­wen­den und auf ihrer Grund­la­ge auch bei der Abwick­lung bestehen­der Ver­trä­ge kei­ne Raten­zu­schlä­ge mehr ver­lan­gen. Die Ent­schei­dung ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Kroll riet, dies und einen etwai­gen Fort­gang zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er  dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
Rechtsanwalt/Master of Insuran­ce Law
Fach­an­walt für Arbeitsrecht/Fachanwalt für Ver­si­che­rungs­recht


Lei­ter des Fach­aus­schus­ses XIV „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“
der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V.


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