(Kiel) Auch bei ein­er Roulette-Reise sind bei der Beurteilung, ob ein Man­gel vor­liegt, die Leis­tungs­beschrei­bung und die örtlichen Gegeben­heit­en zu berück­sichti­gen.

Darauf ver­weist der Kiel­er Recht­san­walt Jens Klar­mann, Lan­desre­gion­alleit­er „Schleswig-Hol­stein“ der DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf ein am 18.05.2010  veröf­fentlicht­es Urteil des Amts­gerichts (AG) München vom 10.09.2009, Az.: 222 C 13094/09.

Ein Paar buchte im Jahr 2008 bei einem Reise­un­ternehmen eine soge­nan­nte Roulette-Reise zum Preis von 1688 Euro. Sie woll­ten in der zweit­en Sep­tem­ber­hälfte in Kal­abrien Urlaub machen. Gewün­scht war eine Unter­bringung in einem von der Beklagten zu bes­tim­menden 4‑Sterne-Hotel mit All-Inklu­sive-Leis­tun­gen. Die spätere Klägerin und ihr Lebens­ge­fährte wur­den in einem Hotel unterge­bracht, das ober­halb ein­er Hauptverkehrsstrasse und ein­er Bahn­lin­ie lag, die sich zwis­chen Hote­lan­lage und Strand befand. Dadurch wurde das Hotel vom direk­ten Zugang zum Strand abgeschnit­ten.


Nicht nur das störte die Reisenden. Sie bemän­gel­ten Baulärm, die Tat­sache, dass eine ange­botene Tha­las­sother­a­pie nicht durchge­führt wer­den kon­nte, kein Radio im Zim­mer war, beim Fernse­her nur der Emp­fang einzel­ner Satel­litensender möglich war, All-Inklu­sive-Bän­der getra­gen wer­den mussten, die Verpfle­gung ein­tönig war, eine Tauch­ba­sis fehlte, ein rein­er Ste­in­strand vor Ort war, der nur mit ein­er dün­nen Sand­schicht aufge­füllt wurde, der Wasser­pegel im Pool zu niedrig war, die Sportan­i­ma­tion in ein­er Stunde Beachvol­ley­ball bestanden habe und die Piano­bar zu laut war. Der Urlaub habe daher nicht den ger­ing­sten Erleb­nis- und Erhol­ungswert gehabt. Die Urlauber forderten daher 1750 Euro (ein­schließlich Geld für ent­gan­gene Urlaub­s­freude) zurück. Dies lehnte das Reise­büro jedoch ab.


Die Urlauber erhoben darauf hin Klage vor dem AG München. Die zuständi­ge Rich­terin gab ihnen jedoch nur in einem kleinen Umfang Recht. so Klar­mann.


Nicht jede Unan­nehm­lichkeit während ein­er Reise stelle einen Reise­man­gel dar. Die Buchung eines All-Inklu­sive-Ange­bots bedeute keinen höheren Stan­dard bei der Verpfle­gung. Warum eine Verpfle­gung auf Grund von Ein­tönigkeit unge­nießbar sein solle, ver­möge das Gericht nicht nachzu­vol­lziehen. Es sei eben­so nicht ver­ständlich, warum etwas ein­tönig sein solle, wenn regelmäßig ein Fleisch- und ein Fis­chgericht ange­boten wer­den. Auch sofern nur eine Sorte Eier, Käse und Wurst beim Früh­stück ange­boten wor­den sein soll, sei dies nicht geeignet eine Reisepreis­min­derung zu begrün­den. Ein Anste­hen am Büfett möge lästig sein, sei jedoch hinzunehmen. Dass eine Sportan­i­ma­tion nur in ein­er Sportart bestand, berechtige eben­falls nicht zur Min­derung.


Radio und spezielle Satel­litensender seien nicht zugesichert gewe­sen. Auch wenn es sich um ein 4‑Sterne-Hotel han­dele, bedeute dies nicht, dass auf jedem Zim­mer ein Radio vorhan­den sein müsse. Das Gericht könne nicht nachvol­lziehen, weshalb das Fehlen eines Musik-TV-Senders einen Urlaub maßge­blich beein­trächti­gen solle. Das Tra­gen von Arm­bän­dern stelle keine Beein­träch­ti­gung dar. Die so vorgenommene Gästekennze­ich­nung sei, auch wenn es sich um ein bil­liges Plas­tikarm­band han­dele, keine her­ab­würdi­gende Behand­lung der Reisenden.


Da bekan­nt gewe­sen sei, dass das Hotel über eine Piano­bar ver­füge, hätte auch mit Pianomusik gerech­net wer­den müssen. Eine Min­derung komme daher nicht in Betra­cht.  Da eine bes­timmte Strandzusam­menset­zung nicht zugesichert wurde, sei ein Ste­in­strand hinzunehmen.  Anson­sten sei die Hotelbeschrei­bung her­anzuziehen.  Da das Hotel im Kat­a­log Tauchkurse anbot, eine Tauch­ba­sis aber fehlte, sei insoweit eine Min­derung gerecht­fer­tigt. Das­selbe gelte für die fehlende Tha­las­sother­a­pie.


Der geringe Wasser­stand habe das Schwim­men beein­trächtigt. Dieser Zus­tand habe eine Woche den Urlaub gestört. Dafür sei eine Min­derung zu gewähren. Auch der Baulärm berechtige zur Min­derung, eben­so wie die zwis­chen Hotel und Strand sich befind­ende Eisen­bahn­lin­ie. Darauf hätte in der Leis­tungs­beschrei­bung hingewiesen wer­den müssen, da man damit nicht rech­nen müsse.  Ins­ge­samt ergäbe sich daher eine Min­derung von 370 Euro.  Das Urteil ist recht­skräftig.


Klar­mann emp­fahl, dies zu beacht­en und ggfs. rechtlichen Rat in Anspruch zu nehmen, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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