(Kiel) Wenn Ban­ken bei Wert­pa­pier­de­pots (z.B.„Maxblue“) die Belei­hungs­wer­te her­ab­set­zen und so ihre Kun­den zum Wert­pa­pier­ver­kauf zwin­gen, sind sie dafür u.U. scha­dens­er­satz­pflich­tig.

Im Rah­men von vie­len Wert­pa­pier­de­pots (z.B. „Max­blue“ von der Deut­schen Bank oder bei Con­sors), so der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, wird den Kun­den gestat­tet, die im Depot vor­han­de­nen Wert­pa­pie­re zu belei­hen und auf Kre­dit wei­te­re Wert­pa­pie­re zu erwer­ben. Wie hoch die Belei­hung ist, regeln im Ein­zel­nen die Bestim­mun­gen zu den Belei­hungs­sät­zen. 

Die Fest­set­zung der Belei­hungs­gren­ze liegt im frei­en Ermes­sen der Bank. Der Belei­hungs­wert stellt einen bestimm­ten Anteil des Kurs­wer­tes dar, der je Papier indi­vi­du­ell bestimmt wird. Wenn die Bank den Belei­hungs­wert des Depots – z.B. nach einem Ein­bruch am Akti­en­markt – her­ab­setzt, so kommt es häu­fig vor, dass die dem Kun­den ein­ge­räum­te Kre­dit­li­nie unter­schrit­ten wird. Die Bank setzt den Kre­dit­be­trag her­ab und for­dert den Kun­den auf, den her­ab­ge­setz­ten Betrag sofort aus­zu­glei­chen. Für den Fall, dass dies nicht geschieht, droht die Bank mit der zwangs­wei­sen Ver­wer­tung der Papie­re. In der Regel führt das dazu, dass der Kun­de, um die redu­zier­te Kre­dit­li­nie ein­zu­hal­ten, den ange­droh­ten Ver­kauf selbst ver­an­lasst. In jedem Fall kann er durch sol­che Ver­käu­fe „zur Unzeit“ erheb­li­che Schä­den erlei­den.

Eine Belei­hungs­wert­fest­set­zung, die eine Bank nach frei­em Ermes­sen auf die­ser oder einer ähn­li­chen Grund­la­ge vor­nimmt, dürf­te aber im Lich­te der aktu­el­len Recht­spre­chung – so Rechts­an­walt Klaus Hün­lein von der Kanz­lei Hün­lein Rechts­an­wäl­te, Frank­furt am Main – als unwirk­sam anzu­se­hen sein. Glei­ches gilt für Rege­lun­gen, die die Her­ab­set­zung bzw. Kün­di­gung des Kre­dit­be­trags erlau­ben, weil der Belei­hungs­wert redu­ziert wur­de.

Ent­spre­chen­de Rege­lun­gen in den AGB ver­sto­ßen gegen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB. Die Fest­set­zung des Belei­hungs­wer­tes hängt beim Max­blue Depot der Deut­schen Bank z. B. im Fall von Akti­en u.a. von der Vola­ti­li­tät und Liqui­di­tät der Aktie, von dem Akti­en­kurs, der Ein­stu­fung der Boni­tät des Emit­ten­ten sowie Tagesein­flüs­sen und ande­ren Kri­te­ri­en ab. Bei Anlei­hen wer­den u.a. die Boni­tät des Emit­ten­ten, die Lauf­zeit, die Rei­hen­fol­ge bei der Zutei­lung im Kon­kurs­fall her­an­ge­zo­gen. Man­che Papie­re wer­den ganz aus­ge­spart. Der Kun­de kann weder die Kri­te­ri­en noch ihre Gewich­tung durch­schau­en. Außer­dem wird er unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt, da der Bank bei der Fest­set­zung ein Ermes­sen zusteht, des­sen Aus­übung nicht begrenzt ist. Infol­ge­des­sen kann die Bank das Instru­ment der Fest­set­zung der Belei­hungs­wer­tes nach Gut­dün­ken in eige­nem Inter­es­se nut­zen, bspw. um sich – wie in der Kri­se Ende 2008/Anfang 2009 – auf die­sem Weg Ein­nah­men zu ver­schaf­fen, da sie an jedem Wert­pa­pier­ver­kauf Pro­vi­sio­nen ver­dient.

Rechts­an­walt Hün­lein weist dar­auf hin, dass die Bank über die­sen Inter­es­sen­kon­flikt den Kun­den vor Eröff­nung des Depots auf­klä­ren muss. Unter­lässt sie dies, ver­stößt sie gegen § 31 Nr. 2 WpHG und gegen die ein­schlä­gi­ge BGH-Recht­spre­chung, wonach die Bank immer dann auf­klä­ren muss, wenn sie selbst ein Umsatz­in­ter­es­se an dem Geschäft hat.

Die Her­ab­set­zung bzw. Kün­di­gung des ein­ge­räum­ten Kre­dits ist genau­so wie eine zwangs­wei­se Ver­wer­tung der Wert­pa­pie­re durch die Bank unwirk­sam und kann dazu füh­ren, dass die Bank dem Kun­den den aus dem erzwun­ge­nen Ver­kauf ent­stan­de­nen Scha­den zu erset­zen hat.

Hün­lein emp­fahl, ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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