(Kiel) Kann in ein­er Woh­nung Schim­mel­bil­dung nur durch durchge­hen­des Lüften ver­mieden wer­den, wider­spricht dies den an eine nor­male Wohn­nutzung zu stel­len­den Anforderun­gen. Eine Min­derung ist gerecht­fer­tigt, im vor­liegen­den Fall sog­ar bis zu 100 Prozent. 

Darauf ver­weist der Kiel­er Recht­san­walt Jens Klar­mann, Lan­desre­gion­alleit­er „Schleswig-Hol­stein“ der DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 06.09.2010 veröf­fentlichte Urteil des Amts­gerichts (AG) München vom 11.6.2010, Az.: 412 C 11503/09, rechtskräftig.


Eine Frau mietete für sich, ihren Ehe­mann und ihre drei Kinder eine Woh­nung in München. Nach Einzug in die Woh­nung begann sich in allen Räu­men Schim­mel zu bilden. Als sich schließlich der Schim­mel in allen Schlafz­im­mern, der Küche und dem Wohnz­im­mer teil­weise vom Fuß­bo­den gemessen bis zu ein­er Höhe von 80 cm und mehr aus­ge­bre­it­et hat­te, forderte die Mieterin die Ver­mi­eterin auf, den Schim­mel­be­fall begutacht­en zu lassen. Diese maß aber lediglich die Feuchtigkeit und händigte der Mieterin die Broschüre „Richtiges Heizen und Lüften“ aus. Das Anwe­sen sei schließlich nach den anerkan­nten Regeln der Tech­nik errichtet. Die Schim­mel­bil­dung könne daher nur an der man­gel­haften Lüf­tung durch die Mieterin liegen. Darauf hin erhob die Mieterin Klage beim Amts­gericht München. Sie forderte die Schim­melbe­sei­t­i­gung. Darüber hin­aus wollte sie fest­gestellt wis­sen, dass sie ihre Miete um 100 Prozent min­dern könne. Schließlich beste­he eine erhe­bliche Gesund­heits­ge­fährdung. Ihr Ehe­mann, ihre 16, 13 und 7 Jahre alten Kinder und auch sie selb­st wür­den bere­its unter Erkrankun­gen des Bronchial­sys­tems leiden. 


Der zuständi­ge Richter beim Amts­gericht München gab der Klage in vollem Umfang recht, betont Klarmann. 


Der vom Gericht herange­zo­gene Sachver­ständi­ge stellte fest, dass selb­st durch das während der Begutach­tung erfol­gte inten­sive Lüften mit lan­gen Lüf­tungsin­ter­vallen dieses nicht geeignet war, die in den Räu­men vorhan­dene Feuchtigkeit dauer­haft zu beseit­i­gen. Die ermit­tel­ten Werte lagen auch nur während des Lüftens in einem Bere­ich, in dem es nicht zu ein­er Schim­mel­bil­dung kom­men kann. Dies bedeute prak­tisch, dass nur bei immer­währen­dem Lüften kein Schim­mel entste­hen würde. 


Ständi­ges, durchge­hen­des Lüften sei der Mieterin – so der Richter – jedoch nicht zumut­bar. Es wider­spräche ekla­tant den an eine nor­male Wohn­nutzung zu stel­len­den Anforderun­gen. Das für eine Wohn­nutzung erforder­liche Lüf­tungsver­hal­ten dürfe nicht so weit gehen, dass dadurch die Nutzung der Woh­nung und das Lebensver­hal­ten der Mieterin eingeschränkt wer­den. Ins­beson­dere müsse es der Mieterin auch möglich sein, ein­er beru­flichen Tätigkeit nachzuge­hen, bei der sie tagsüber nicht in der Woh­nung sei und fol­glich nicht lüften könne. Das erforder­liche Lüften müsse daher auch in den Mor­gen- und Abend­stun­den durch­führbar sein.


Darüber hin­aus könne es auch nicht ange­hen, dass ein Mieter gezwun­gen werde, bei geöffnetem Fen­ster zu schlafen. Als wesentlichen Bere­ich des per­sön­lichen Lebens und der Ruhe müsse es der freien Entschei­dung der Mieterin offen ste­hen, ob sie bei offen­em oder geschlosse­nen Fen­ster schlafe. Dies gelte ins­beson­dere auch bei niedri­gen Außen­tem­per­a­turen. Auch die Miet­min­derung sei begrün­det. Es bestünde eine konkrete Gesund­heits­ge­fährdung auf Grund des großflächi­gen, mas­siv­en Schim­mel­be­falls. Die inten­sive Pilzbe­sied­lung und das extrem hohe Aufkom­men von Mil­ben mache eine Nutzung der Woh­nung unmöglich. 


Klar­mann emp­fahl, das Urteil zu beacht­en und bei Fra­gen auf jeden Fall Recht­srat einzu­holen, wobei er in diesem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — verwies.

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