(Kiel) Weil er im Zusam­men­hang mit einer mit Kom­pli­ka­tio­nen ver­bun­de­nen Schön­heits­ope­ra­ti­on sei­ne Auf­klä­rungs­pflicht und sei­ne Pflicht zur Doku­men­ta­ti­on der Ope­ra­ti­on ver­letzt hat, hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz (Berufs­ge­richt für Heil­be­ru­fe) einem Arzt aus der Pfalz einen Ver­weis erteilt und ihm eine Geld­bu­ße in Höhe von 10.000,– € auf­er­legt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das am 30.07.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Mainz, Az.: BG‑H 1/09.MZ


Der Arzt führ­te bei einem Pati­en­ten ambu­lant eine Lipo­suk­ti­on (Fett­ab­sau­gung) der Bauch­de­cke durch. Am Ope­ra­ti­ons­tag leg­te er dem Mann die Ope­ra­ti­ons­ein­wil­li­gung zur Unter­schrift vor, in der ver­schie­de­ne Kom­pli­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten genannt waren; eine Auf­klä­rung über mög­li­che Durch­blu­tungs­stö­run­gen der Haut oder Haut­ne­kro­sen nahm er nicht vor. Post­ope­ra­tiv ver­färb­te sich die Bauch­de­cke des Pati­en­ten teil­wei­se dun­kel. Der Mann muss­te einen Monat lang sta­tio­när behan­delt und dabei vier­mal ope­riert wer­den, mit ent­spre­chen­der Ent­fer­nung der nekro­ti­schen Bauch­wand.


Damit, so Klar­mann, habe der Arzt habe schuld­haft sei­ne Berufs­pflich­ten ver­letzt, urteil­ten die Rich­ter.


Zum einen habe er sei­nen Pati­en­ten nicht aus­rei­chend auf­ge­klärt. Vor rein kos­me­ti­schen Ope­ra­tio­nen müs­se der Arzt den Pati­en­ten beson­ders umfas­send und sorg­fäl­tig auf­klä­ren, das Für und Wider der kos­me­ti­schen Ope­ra­ti­on mit allen Kon­se­quen­zen und Risi­ken auch hin­rei­chend dras­tisch und scho­nungs­los dar­stel­len. Der Pati­ent müs­se durch die Auf­klä­rung in die Lage ver­setzt wer­den, genau abwä­gen zu kön­nen, ob er einen etwai­gen Miss­erfolg oder sogar blei­ben­de gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gun­gen in Kauf neh­men wol­le, selbst wenn die­se auch nur ent­fernt als eine Fol­ge des Ein­griffs in Betracht kom­men soll­ten. Die­se inten­si­ve Auf­klä­rung habe der Arzt hier schuld­haft unter­las­sen, da er ein­ge­räumt habe, mit sei­nem Pati­en­ten über mög­li­che Kom­pli­ka­tio­nen wie Haut­ne­kro­sen oder Darm­per­fo­ra­tio­nen nicht gespro­chen zu haben. Zudem habe er schuld­haft gegen sei­ne Doku­men­ta­ti­ons­pflicht ver­sto­ßen, die besa­ge, dass er über die in Aus­übung sei­nes Berufs gemach­ten Fest­stel­lun­gen und getrof­fe­nen Maß­nah­men die erfor­der­li­chen Auf­zeich­nung zu machen habe. Die­ser Ver­pflich­tung sei der Arzt bezüg­lich der Pro­to­kol­lie­rung der Ope­ra­ti­on und der Nach­sor­ge nicht aus­rei­chend nach­ge­kom­men.


Klar­mann emp­fahl allen Ärz­ten drin­gend, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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