(Kiel) Ist ver­ein­bart, dass Hand­wer­k­erleis­tun­gen zum Teil ohne Rech­nung erbracht wer­den, damit der Umsatz den Steu­er­be­hör­den teil­wei­se ver­heim­licht wer­den kann (Schwarz­geld­ab­re­de), kann der Hand­wer­ker von dem Auf­trag­ge­ber weder die ver­ein­bar­te Zah­lung noch die Erstat­tung des Wer­tes der von ihm bereits erbrach­ten hand­werk­li­chen Leis­tun­gen ver­lan­gen.

 

Der 1. Zivil­se­nat des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richts hat ent­schie­den, so der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richts (OLG) vom 22.08.2013 zu sei­nem Urteil vom 16.08.2013, Az. 1 U 24/13, dass bei einer teil­wei­sen Schwarz­geld­ab­re­de der geschlos­se­ne Ver­trag ins­ge­samt nich­tig ist, und dass der Hand­wer­ker auch kei­nen Wert­er­satz für die von ihm erbrach­ten Bau­leis­tun­gen ver­lan­gen kann.


• Zum Sach­ver­halt:


Die kla­gen­de Fir­ma führ­te in vier neu errich­te­ten Rei­hen­häu­sern in Büdels­dorf Elek­tro­in­stal­la­ti­ons­ar­bei­ten durch. Die Fir­ma hat­te mit den Eigen­tü­mern der Rei­hen­häu­ser ver­ein­bart, dass für die Arbei­ten ein Betrag von 13.800 Euro auf Rech­nung und dane­ben 5.000 Euro ohne Rech­nung gezahlt wer­den. Die Eigen­tü­mer über­wie­sen an die Klä­ge­rin rund 10.000 Euro und zahl­ten in bar 2.300 Euro. Die Elek­tro­in­stal­la­ti­ons­fir­ma ver­lang­te nach Abschluss der Arbei­ten rest­li­chen Lohn in Höhe von rund 6.000 Euro und ver­klag­te die Eigen­tü­mer vor Gericht. Die­se wie­der­um mach­ten Scha­dens­er­satz wegen Män­gel der Arbei­ten gel­tend.


• Aus den Grün­den:


Auch wenn nur eine teil­wei­se Schwarz­geld­ab­re­de vor­liegt, ist der gesam­te Werk­ver­trag nich­tig, was dazu führt, dass die kla­gen­de Fir­ma kei­nen wei­te­ren Zah­lungs­an­spruch hat und die beklag­ten Eigen­tü­mer kei­nen Scha­dens­er­satz wegen Män­gel der Arbei­ten ver­lan­gen kön­nen. Die Par­tei­en haben gegen die Vor­schrif­ten des Geset­zes zur Bekämp­fung der Schwarz­ar­beit und ille­ga­len Beschäf­ti­gung ver­sto­ßen (Schwarz­ArbG), indem sie ver­ein­bart haben, dass die Werk­leis­tung teil­wei­se ohne Rech­nung erbracht wird, damit der ent­spre­chen­de Umsatz den Steu­er­be­hör­den ver­heim­licht wer­den kann. Dem Zweck des Geset­zes, die Bekämp­fung von Schwarz­ar­beit zu inten­si­vie­ren, ist am bes­ten gedient, wenn ein Ver­stoß gegen die Erschei­nungs­for­men der Schwarz­ar­beit zu der Gesamt­nich­tig­keit des Ver­tra­ges führt. Eine Teil­nich­tig­keit nur der Ver­ein­ba­rung, kei­ne Rech­nung für einen Teil der Arbei­ten zu stel­len, wür­de nicht die not­wen­di­ge Abschre­ckungs­wir­kung ent­fal­ten.


Die kla­gen­de Fir­ma kann von den beklag­ten Eigen­tü­mern auch kei­nen Wert­er­satz für die bereits erbrach­ten Leis­tun­gen unter dem Gesichts­punkt der “unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung” ver­lan­gen. Ein Berei­che­rungs­an­spruch ist aus­ge­schlos­sen, wenn der Leis­tungs­er­brin­ger durch die Leis­tung gegen das Gesetz ver­sto­ßen hat. “Die Zubil­li­gung eines Berei­che­rungs­an­spru­ches wür­de der Miss­bil­li­gung der Schwarz­ar­beit, die der Gesetz­ge­ber durch die ver­schie­de­nen Tat­be­stän­de im Schwarz­ar­beits­be­kämp­fungs­ge­setz zum Aus­druck gebracht hat, wider­spre­chen. Sie wür­de der Schwarz­ar­beit einen Teil ihres Risi­kos neh­men, indem der Anbie­ter trotz des Geset­zes­ver­sto­ßes die Hil­fe staat­li­cher Gerich­te in Anspruch neh­men könn­te, um eine Gegen­leis­tung durch­zu­set­zen. Der Abschre­ckungs­ef­fekt wür­de so mini­miert. Der mög­li­che Vor­teil des Auf­trag­ge­bers, der die Vor­leis­tun­gen des Hand­wer­kers behal­ten kann, ist kein aus­rei­chen­der Grund, um die Sank­tio­nie­rung des Geset­zes­ver­sto­ßes auf­zu­he­ben.“


Das Urteil knüpft an die Ent­schei­dung vom 21.12.2012, Az. 1 U 105/11 – Schwarz­geld­ab­re­de I — an und ent­wi­ckelt sie wei­ter. Die vor­an­ge­gan­ge­ne Ent­schei­dung vom 21.12.2012 ist vom Bun­des­ge­richts­hof bestä­tigt wor­den, Urteil des BGH vom 01.08.2013, Az. VII ZR 6/13)


Klar­mann emp­fahl daher, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

 

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Jens Klar­mann
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