(Kiel) Das Ver­bot, Pflan­zen­schutz­mit­tel durch Auto­ma­ten oder durch ande­re For­men der Selbst­be­die­nung in den Ver­kehr zu brin­gen (§ 22 Abs. 1 Satz 1 Pflan­zen­schutz­ge­setz) schränkt die Berufs­aus­übungs­frei­heit der Ver­käu­fer sol­cher Mit­tel in ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­si­ger Wei­se ein.

Dies, so der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt am 27.08.2009, Az.: BVerwG 7 C 1.09 ent­schie­den.

Die Kla­ge der Inha­be­rin meh­re­rer Gar­ten­märk­te, die eini­ge von ihr als unge­fähr­lich ange­se­he­ne Pflan­zen­schutz­mit­tel im Wege der Selbst­be­die­nung ver­kau­fen woll­te, blieb des­halb in allen Instan­zen erfolg­los.

Das Selbst­be­die­nungs­ver­bot für Pflan­zen­schutz­mit­tel ist ver­bun­den mit der Ver­pflich­tung der Ver­käu­fer, den Erwer­ber über die Anwen­dung des Pflan­zen­schutz­mit­tels, ins­be­son­de­re über Ver­bo­te und Beschrän­kun­gen, zu unter­rich­ten (§ 22 Abs. 2 Pflan­zen­schutz­ge­setz). Sinn und Zweck der Rege­lung ist es, dem pri­va­ten Anwen­der, der die für die Anwen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln erfor­der­li­chen Kennt­nis­se nicht hat, so zu bera­ten, dass er — wenn über­haupt — ein in sei­nem Fal­le rich­ti­ges Pflan­zen­schutz­mit­tel erwirbt und die­ses dann gemäß den gel­ten­den Anwen­dungs­be­stim­mun­gen auch anwen­det, ins­be­son­de­re dabei nach guter fach­li­cher Pra­xis ver­fährt.

Die damit ver­bun­de­ne Beschrän­kung der Berufs­aus­übungs­frei­heit des Ver­käu­fers ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ver­hält­nis­mä­ßig, so Klar­mann.

Ins­be­son­de­re ist die Rege­lung erfor­der­lich, weil all­ge­mei­ne — über die Gebrauchs­an­wei­sung ver­mit­tel­ba­re — Kennt­nis­se nicht aus­rei­chen, um ein Pflan­zen­schutz­mit­tel im Ein­zel­fall sach­ge­recht anzu­wen­den. Der Besit­zer eines Haus- oder Klein­gar­tens, der an sei­nen Pflan­zen ein Schad­bild fest­stellt, wird nur sel­ten erken­nen kön­nen, wel­cher Schad­or­ga­nis­mus die Pflan­zen befal­len hat, wel­ches Pflan­zen­schutz­mit­tel zu des­sen Bekämp­fung geeig­net ist oder ob es sich nicht statt­des­sen emp­fiehlt, die befal­le­nen Pflan­zen zu ent­fer­nen, um eine wei­te­re Aus­brei­tung des Schäd­lings zu ver­hin­dern. Eine Klä­rung die­ser Fra­gen ist nur in einem Bera­tungs­ge­spräch und nicht durch die Lek­tü­re einer Gebrauchs­an­wei­sung mög­lich.

Für Mit­tel, die kei­ne Gefahr­stof­fe im Sin­ne des Gefahr­stoff­rechts ent­hal­ten, gilt nichts ande­res. Im Inter­es­se einer umfas­sen­den Gefah­ren­vor­sor­ge und Umwelt­scho­nung durf­te der Gesetz­ge­ber auch bei die­sen Mit­teln vor­schrei­ben, dass sie nur auf Grund einer sach­kun­di­gen Bera­tung nach guter fach­li­cher Pra­xis ange­wandt wer­den dür­fen.

Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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