(Kiel) Zin­sen aus Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen sind steu­er­pflich­tig, wenn das durch die Lebens­ver­si­che­run­gen abge­si­cher­te Dar­lehn nicht unmit­tel­bar und aus­schließ­lich der Finan­zie­rung der Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten des Wirt­schafts­gu­tes dien­te.

Dies, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, ist die Kon­se­quenz eines am 15.03.2009 ver­öf­fent­lich­ten Urteils des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf, AZ.: 13 K 3342/05 F).
In dem Fall zeig­te die Spar­kas­se dem Finanz­amt an, dass der Klä­ger zur Siche­rung eines Spar­kas­sen­dar­le­hens in Höhe von 1.000.000,- DM (511.291,88 Euro) Ansprü­che aus Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen in glei­cher Höhe an sie abge­tre­ten habe. Als Ver­wen­dungs­zweck des Dar­le­hens war in der Anzei­ge die Finan­zie­rung des Erwerbs bzw. die Her­stel­lung einer Auto­wasch­an­la­ge in “E” ange­ge­ben.


Aus den ein­ge­reich­ten Dar­le­hens­ver­trä­gen für die Auto­wasch­an­la­ge ergab  sich dar­über hin­aus, dass zur Finan­zie­rung der­sel­ben ein wei­te­res Dar­le­hen aus Mit­teln der Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW- Dar­le­hen) in Höhe von 500.000,- DM ver­wen­det wur­de, für des­sen Sicher­heit die Klä­ger laut Dar­le­hens­ver­trag eben­falls die o. a. Ansprü­che aus die­sen  Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen abge­tre­ten haben. Die Aus­zah­lung der o. a. Dar­le­hen erfolg­te auf Abruf in Teil­be­trä­gen auf ein geson­der­tes Kon­to­kor­rent­kon­to (Bau­kon­to) bei der Spar­kas­se, über das sodann die Abwick­lung der Inves­ti­ti­ons­auf­wen­dun­gen vor­ge­nom­men wur­de.


Nach den ein­ge­reich­ten Auf­stel­lun­gen für die Ent­wick­lung des Bau­kon­tos wur­den aus der Teil­aus­zah­lung des Spar­kas­sen­dar­le­hens vom 18.10.2001 in Höhe von 50.000,- DM bis zum 30.11.2001 (Ablauf der 30- Tage- Frist laut BMF- Schrei­ben vom 15.06.2000) 25.021,69 DM für Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten ein­schließ­lich abzugs­fä­hi­ger Vor­steu­er abge­bucht. Danach ver­blie­ben – laut Beklag­ten – nicht ver­brauch­te, aus­ge­zahl­te Dar­le­hens­mit­tel in Höhe von 24.978,30 DM; der Kon­to­stand zu die­sem Zeit­punkt wies ledig­lich ein Gut­ha­ben von 15.489,17 DM aus, dies bedingt durch die eben­falls über die­ses Kon­to getä­tig­ten Zah­lun­gen der Erb­pacht und der Dar­le­hens­zin­sen für o. a. Dar­le­hen.


Am 02.05.2003 erließ das Finanz­amt geson­der­te Beschei­de über die Steu­er­pflicht der Zin­sen aus den Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen des Klä­gers, in denen das Finanz­amt fest­stell­te, dass im Streit­fall – wegen der nicht unmit­tel­ba­ren und aus­schließ­li­chen Ver­wen­dung der Dar­le­hens­mit­tel für die Finan­zie­rung der Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten – von einer schäd­li­chen Ver­wen­dung aus­zu­ge­hen sei. Dies füh­re letzt­end­lich dazu, dass die außer­rech­nungs­mä­ßi­gen und rech­nungs­mä­ßi­gen Zin­sen aus den in den Bei­trä­gen zu den o. a. Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen ent­hal­te­nen Spar­an­tei­len im Zeit­punkt ihrer Ver­rech­nung oder Aus­zah­lung ins­ge­samt ein­kom­men­steu­er­pflich­tig sei­en.


Gegen die­se Fest­stel­lungs­be­schei­de leg­ten die Klä­ger Ein­spruch ein. Zur Begrün­dung ihrer Ein­sprü­che tru­gen sie u. a. vor, die Dar­le­hens­mit­tel sei­en ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­amts unmit­tel­bar zur Finan­zie­rung der Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten ver­wen­det wor­den. Die sog. 30- Tage- Frist nach dem BMF- Schrei­ben vom 15.06.2000 stel­le kei­ne gesetz­li­che (Aus­schluss-) Frist dar. Der Ein­spruch blieb erfolg­los, woge­gen sich die Kla­ge rich­te­te.


Doch auch damit, so Pas­sau, waren sie nun erfolg­los. Das Finanz­ge­richt  Düs­sel­dorf wies die Kla­ge ab.


Da das Dar­le­hen kein betrieb­lich ver­an­lass­tes Dar­le­hen im Sin­ne des § 10 Abs. 2 Satz 2 c EStG war und es sich bei der Lebens­ver­si­che­rung des Klä­gers auch nicht um eine Direkt­ver­si­che­rung han­del­te, ent­fal­le die Steu­er­pflicht nur dann, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Abs. 2 Satz 2 a EStG erfüllt sei­en. Das set­ze ein Dar­le­hen vor­aus, das unmit­tel­bar und aus­schließ­lich der Finan­zie­rung von Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten eines Wirt­schafts­gu­tes die­ne, das dau­ernd zur Erzie­lung von Ein­künf­ten bestimmt und kei­ne For­de­rung ist. Dar­an man­ge­le es im Streit­fall. Denn die zwi­schen den Betei­lig­ten allein umstrit­te­ne Fra­ge, ob das durch die Lebens­ver­si­che­rung abge­si­cher­te Dar­le­hen “unmit­tel­bar und aus­schließ­lich” der Finan­zie­rung der Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten des Wirt­schafts­gu­tes gedient hat, sei hier zu ver­nei­nen.
Dabei sei auch uner­heb­lich, dass nur ein Teil­be­trag des Dar­le­hens steu­er­schäd­lich ver­wen­det wor­den sei, denn nach § 10 Abs. 2 Satz 2 a EStG wer­de ein Dar­le­hen, des­sen Zin­sen Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten sind, neben wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen nur begüns­tigt, wenn es unmit­tel­bar und “aus­schließ­lich” der Finan­zie­rung von Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten dient. Die Begüns­ti­gung tritt nach dem Geset­zes­wort­laut nicht ein, “soweit” das Dar­le­hen für den genann­ten Zweck ver­wen­det wird; viel­mehr hat der Gesetz­ge­ber aus­drück­lich nur ein sol­ches Dar­le­hen begüns­tigt, das “aus­schließ­lich” die­sem Zweck dient. Dient das Dar­le­hen antei­lig auch einen steu­er­schäd­li­chen Zweck, ent­fal­le die Begüns­ti­gung ins­ge­samt. Die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen.


Pas­sau emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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Jörg Pas­sau
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