(Kiel) Die von Pep­si­Co für die Abfül­lung von Cola ein­ge­setz­te sog. Caro­li­na-Fla­sche ähnelt der von Coca-Cola ver­wen­de­ten 0,2 Liter Kon­tur­glas­fla­sche nicht so sehr, dass dadurch das Mar­ken­recht von Coca-Cola ver­letzt wird.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für gewerb­li­chen Rechts­schutz Dr. Jan Felix Ise­le von der Kanz­lei DANCKELMANN UND KERST, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Mit­tei­lung des Land­ge­richts (LG) Ham­burg vom 5.06.2012 zu sei­nem Urteil vom 31. Mai 2012, (Az. 315 O 310/11).

Mit ihrer Kla­ge woll­ten drei Unter­neh­men des Coca-Cola Kon­zerns errei­chen, dass der beklag­ten Pep­si­Co Deutsch­land GmbH ver­bo­ten wird, in Deutsch­land wei­ter­hin die 2010 ein­ge­führ­te sog. Caro­li­na-Fla­sche für die Abfül­lung von Erfri­schungs­ge­trän­ken zu ver­wen­den. Coca-Cola hat die Form ihrer typi­schen Coca-Cola 0,2 Liter Fla­sche als Mar­ke schüt­zen las­sen. Die Coca-Cola Com­pa­ny ist Inha­be­rin einer drei­di­men­sio­na­len Euro­päi­schen Gemein­schafts­mar­ke „Kon­tur­fla­sche”. Die Klä­ge­rin­nen sind der Mei­nung, Pep­si­Co habe sich mit der für die Abfül­lung von Cola ein­ge­setz­ten Caro­li­na-Fla­sche so stark an die 0,2 Liter Coca-Cola Kon­tur­fla­sche ange­nä­hert, dass hier­durch Mar­ken­rech­te von Coca-Cola an der Fla­schen­form ver­letzt wür­den. Pep­si­Co nut­ze in unlau­te­rer Wei­se die Attrak­ti­vi­tät und den guten Ruf der klä­ge­ri­schen Mar­ke „Kon­tur­fla­sche” aus. Dar­über hin­aus wer­de die Unter­schei­dungs­kraft der Mar­ke Coca-Cola beein­träch­tigt, da sie in den Augen der ange­spro­che­nen Ver­brau­cher ver­wäs­sert wer­de.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on ist die zustän­di­ge Wett­be­werbs­kam­mer des Land­ge­richts Ham­burg nicht gefolgt, so Dr. Ise­le, und hat den gel­tend gemach­ten Anspruch aus Art. 9 Abs. 1 c) der Gemein­schafts­mar­ken­ver­ord­nung ver­sagt. Den Klä­ge­rin­nen ste­he kein Anspruch wegen Ver­let­zung ihrer Mar­ke zu, da es an einer hin­rei­chen­den Ähn­lich­keit der betrof­fe­nen Fla­schen feh­le. Des­halb wer­de durch die Caro­li­na-Fla­sche in den Augen der ange­spro­che­nen Ver­brau­cher weder das „Image” von Coca-Cola aus­ge­nutzt, noch die Kenn­zeich­nungs­kraft der Kon­tur­fla­sche als Mar­ke beschä­digt. Man­gels hin­rei­chen­der Ähn­lich­keit wer­de auch nicht die Gefahr einer Ver­wechs­lung der Caro­li­na-Fla­sche mit der geschütz­ten Coca-Cola Kon­tur­fla­sche begrün­det. Die ange­spro­che­nen Ver­brau­cher stell­ten auf­grund der deut­li­chen Abwei­chun­gen zwi­schen den Fla­schen kei­ne gedank­li­che Ver­bin­dung zwi­schen der Caro­li­na-Fla­sche und der Coca-Cola Kon­tur­fla­sche her.

Der Umstand, dass die Caro­li­na-Fla­sche mit der Kon­tur­fla­sche inso­weit über­ein­stim­me, als es sich eben­falls um eine Fla­sche mit tail­lier­ter Grund­form han­de­le, rei­che nicht aus, um eine hin­rei­chen­de Ähn­lich­keit zu begrün­den. Die tail­lier­te Fla­schen­form sei eine von vie­len Her­stel­lern ein­ge­setz­te und damit all­ge­mein übli­che ästhe­tisch-funk­tio­na­le Grund­form, die nicht schutz­fä­hig sei. Ihr beson­de­res Geprä­ge erhal­te die Coca-Cola-Fla­sche erst durch den cha­rak­te­ris­tisch aus­ge­stal­te­ten „Gür­tel­be­reich” und die ver­ti­ka­le Rif­fe­lung des Fla­schen­hal­ses und ‑kör­pers. Durch den etwa mit­tig sit­zen­den brei­ten leicht gewölb­ten Gür­tel wür­den Fla­schen­kör­per und Fla­schen­hals optisch deut­lich von­ein­an­der getrennt. Der von den Par­tei­en bemüh­te Ver­gleich mit der Sil­hou­et­te einer kur­vi­gen Frau im Kleid oder Rock lie­ge auch aus Sicht der Kam­mer nicht fern. Über­ein­stim­mun­gen in die­sen prä­gen­den Merk­ma­len wei­se die Caro­li­na-Fla­sche nicht auf. Sie zei­ge nicht das mit­ti­ge Gür­tel­band; viel­mehr gehe der tail­lier­te Fla­schen­kör­per in einem nicht unter­bro­che­nen Ver­lauf in den Fla­schen­hals über. Fer­ner wei­se die Caro­li­na-Fla­sche, anders als die Coca-Cola-Fla­sche, auch kei­ne ver­ti­ka­len Ril­len, son­dern hori­zon­ta­le Wel­len­li­ni­en auf.

Vor dem Hin­ter­grund, dass bereits die Fla­schen­for­men nicht aus­rei­chend ähn­lich sei­en, kom­me es nicht mehr dar­auf an, inwie­weit wei­ter­hin das auf der Caro­li­na-Fla­sche stets ange­brach­te Mar­ken­eti­kett der Ähn­lich­keit ent­ge­gen­ste­he.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig. Soll­te gegen die Ent­schei­dung Beru­fung ein­ge­legt wer­den, wäre hier­für das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt zustän­dig.

Rechts­an­walt Dr. Ise­le emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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